God of Gunplay Chow Yun Fat

Das bessere Morgen dämmerte 1986: John Woos A Better Tomorrow katapultierte Chow Yun Fat an die Spitze. Der Name des Schauspielers, der sich zuvor jahrelang vor allem als Komödiant für recht unspektakuläre und unambitionierte Projekte verdingen mußte (Auch hier gibt es Ausnahmen wie die Ann Hui Filme Story of Wu-Viet, Boat People und Love in a Fallen City oder Leong Po Chih’s Hongkong 1941, für den Chow mit dem taiwanesischen „Golden Horse“ Award ausgezeichnet wurde.) und seit 1972 regelmäßig Dreijahresverträge beim lokalen Hongkonger Fernsehsender Television Broadcast Limited unterschrieb, wurde plötzlich zusammen mit den Größen des Business genannt - ein Ruhm, der sich über zahlreiche weitere erfolgreiche Produktionen mit John Woo und Ringo Lam konsolidieren sollte.

1987 drehte er mit Ringo Lam City on Fire, dessen nachhaltigen Einfluß auf seinen Reservoir Dogs Quentin Tarantino mehrfach eingestanden hat, und wurde für seinen Part, der Vorbild für den Charakter Tim Roths in Reservoir Dogs stand, erneut mit dem „Golden Horse“ ausgezeichnet. Doch erst The Killer (1989) sollte Chow Yun Fat und auch den Regisseur John Woo im Westen einer größeren Zahl aufgeschlossener Filmenthusiasten bekannt machen.  Auch Hollywood war begeistert und kurzzeitig wurde sogar über ein Remake unter der Regie von Walter Hill (Nur 48 Stunden, Last Man Standing) nachgedacht, was aber glücklicherweise schnell wieder verworfen wurde. Bis John Woo 1993 in die Vereingten Staaten übersiedelte, um dort seinem großen Namen bisher in keinster Weise gerecht zu werden - ja, auch Face/Off halte ich für einen eher insignifikanten Fortschritt - enstanden aus der Zusammenarbeit von Chow und Woo mit Once a Thief (1991) und Hard Boiled (1992) noch zwei kommerziell sehr erfolgreiche Produktionen. Seine bisher letzte Zusammenarbeit mit Ringo Lam, der gewaltätige Full Contact (1992) ist unter Fans und Kritikern stark umstritten. Ab 1993 wurde es zunehmend ruhiger um Chow Yun Fat. Protegiert durch die Akzeptanz seines Mentors John Woo in den USA, begann auch er auf eine Hollywoodkarriere zu spekulieren. 1993 stellte er sich lediglich einer Werbekampagne für Chronometer zur Verfügung, „deren Absatz daraufhin enorm“ stieg. (Umard, Ralph. Film ohne Grenzen. Lappersdorf 1996, S. 366). Nach der ärgerlichen Komödie Treasure Hunt (1994, R: Jeff Lau) und Wong Jings überflüssiger dritter Fortsetzung innerhalb der God of Gamblers-Saga God of Gambler’s Return (1994), wurde die grottenschlechte John Woo-Produktion Peace Hotel (1995, R: Wai Ka Fai) Chows Abschiedsgeschenk an die (Damals-Noch-)Kronkolonie. Drei Jahre vergingen ohne ein cineastisches Lebenszeichen Chow Yun Fats, eine Leere, die nur von wüsten Spekulationen bezüglich seiner Ambitionen und konkreter Projekte in Hollywood gefüllt wurde. 1997 trat er dann endlich wieder vor die Kamera. John Woo und Terence Chang produzierten das Spielfilm-Debüt des Videoclip-Regisseurs Antoine Fuqua. Jürgen Prochnow und Til Schweiger wurden als finstere Bösewichter gecastet, Mira Sovino als abgefeimte Fälscherin und Chow Yun Fat als John Lee, ein melancholischer, vom Gewissen gepeinigter Triaden-Hitman wie einst in The Killer - nur nicht annähernd so gut. Dennoch, für den Mainstream war der wenig überzeugende Streifen The Replacement Killers wohl doch recht kultig, weswegen Chow nun auf bessere Angebote

hofft. Dies ist wäre nur zu wünschen, und doch sei die Frage erlaubt, warum Schauspieler wie Chow Yun Fat und so auch Til Schweiger, die in ihrer Heimat Superstars sind, auf Teufel komm’ raus in Hollywood um auch noch so beschissene Engagements buhlen müssen. Aber vielleicht erklärt uns das Mr. Chow ja selbst…

Nimrod

 

Ein Interview mit Chow Yun Fat
 

Das Interview führte Jan Lumholdt, Chefredakteur der schwedischen Kinozeitschrift Cinema, aus dem Schwedischen übersetzt hat Jochen Reinert - beiden an dieser Stelle herzlichen Dank.
 

 

…Das neue Land wurde mit größter Vorsicht erobert. Zusammen mit dem Produzenten Terence Chang hat Chow Yun Fat Produzenten und Regisseure getroffen und Manuskripte gelesen. Beim geringsten Zweifel hieß es: »Nein, danke«…

Chow: Ich wollte zum Beispiel Alien 4 nicht machen. Sie haben mir auch eine Menge Rollen als Triadengangsterboß und als andere Schurken in Chinatown angeboten. Mitunter wollten sie, daß ich ein bißchen Sex haben sollte mit weißen Damen. Etwas diskriminierend und ein denkbar schlechter Start für eine Hollywoodkarriere.

L: Als John Woo „Hard Target“ drehte, hatte auch er einige Probleme. »Sie ließen mich die Leute nicht mit mehr als drei Kugeln pro Mann töten, ich komme ganz aus dem Rhythmus«, sagte er [Ich habe bestimmt 20 Typen gezählt, die von mindestens einem Dutzend Kugeln durchsiebt wurden. John, du alter Spinner!] . Hatten Sie in „The Replacement Killers“ die gleichen Probleme?

Chow: Es waren wohl nicht die gleichen. Der Regisseur versuchte wirklich, mit den Studioleuten auf gutem Fuß zu stehen und die Gewalt zu zügeln und eine realistische Atmosphäre zu schaffen. Als ich am ersten Tag zu den Aufnahmen kam, sagte man mir, daß ich nicht schießen dürfte mit einer Pistole in jeder Hand. Das passe nicht für das amerikanische Publikum. Ich war gezwungen, eine Pistole mit beiden Händen zu halten.Gewiß ist es eines meiner Markenzeichen, aber das Studio hat so seine Ideen, und der Regisseur und wir alle haben uns an die Regeln zu halten. Das war nützlich für mich in meinem ersten amerikanischen Film. Ich konnte meine Möglichkeiten in dem neuen
System, dem Hollywood-System, ausprobieren. Und das ist nicht leicht. John Woo hat mir einige Ratschläge gegeben. Er empfahl Geduld. Viel Geduld. Das Studio hat hier einen ganz anderen und sehr großen Einfluß. Aber letztendlich sage ich mir: Wenn sie froh sind, bin ich es auch.
L: Du strahlst klassischen »Movie Magic« aus. In der ersten Szene von TRK kommt John Lee in den Klub, geht vor, man sieht Dein Gesicht - und man weiß - Chow Yun Fat ist da. Die Szene ist sehr kalkuliert, aber funktioniert sehr gut.

Chow: Die Botschaft kam an, was? John Woo war dabei und achtete darauf, daß der richtige Touch da war, und es ging auch für den jungen Regisseur Antoine Fuqua sehr gut. Er hat früher Videos für MTV gemacht, und mit einer solchen Bildsprache scheint alles bestens berechnet zu sein. Alles in Antoines Arbeit ist kalkuliert.
L: Anders als die modernen Action-Helden Schwarzenegger, Stallone und Willis wirst Du öfter mit Bogart und Gagney verglichen, machmal auch mit Fred Astaire. Warum ist das so, und macht Dich das froh?

Chow: Absolut. Das freut mich sehr, zu diesen Stars gerechnet zu werden. In vielem, was ich in all den Jahren gemacht habe - „The Killer“, „A Better Tomorrow“, sogar in „Hardboiled“ - benutze ich nicht die Muskeln, um meine Rolle zu gestalten. Stattdessen benutze ich meine Körpersprache, die Augen und hoffentlich mein Talent als Schauspieler, um die Signale auszusenden.Das große Seelenargument bei Stallone und Schwarzenegger sind die Muskeln. In deren Filmen sind die spezifischen Szenen auf Explosionen und Schlägereien aufgebaut. In meinen Filmen, besonders bei denen mit John Woo, ist es Humanismus. Loyalität. Würde. Persönlichkeit. Das sind zwei verschiedene Welten.

L: Nicht zu vergessen die Sonnenbrille, den Zahnstocher zwischen den Zähnen oder daß Du Zigaretten mit Scheinen anzündest. Kleine Details auch wie ein Pflaster über dem

Auge… wer kommt auf alle diese feinen Sachen?

Chow: John ist sehr begabt in diesen Sachen. Solcher Touch soll die Persönlichkeit der Figur verstärken. Menschlicher Touch. John Woo ist menschlich. In allen seinen Filmen ist der Held sehr im Menschlichen verankert, und es gibt in ihnen sehr wenige der typischen Actionhelden. Seine Helden haben ihre Passionen. Und das ist sehr wichtig. Wenn man eine Figur schafft, soll sie eine Ankopplung an die Wirklichkeit haben.
L: Apropos Realität. Explosionen - die gibt es wohl in den Hongkong-Filmen weniger als in Hollywood?

Chow: Absolut richtig. Teils, weil es sehr schwer ist, eine Erlaubnis dafür zu erhalten. Man muß in Hongkong für eine Explosion bei sehr vielen Instanzen Anträge stellen, das nimmt einfach viel Zeit, und das ist viel Bürokratie. Deshalb ist man in den Hongkong-Filmen gezwungen, sich etwas anderes einfallen zu lassen, um Aufmerksamkeit zu erregen.
L: Deine Rauchszenen sind ein immer wiederkehrendes Element in Deinen Filmen, und das ist wahrscheinlich der Anlaß, daß Du mit Bogart verglichen wirst und den anderen, die Filme machten zu Zeiten, in denen das Film-Rauchen erlaubt war. Wie sieht man das in Hollywood?

Chow: Ich durfte in TRK nur eine einzige Zigarette rauchen. Wir hatten lange Diskussionen darüber. Die Studioleute waren strikt dagegen, daß geraucht wird. Obwohl es leicht ist, Sponsorengelder von einem Zigarettenkonzern dafür zu erhalten. Aber als großes Filmunternehmen hatten sie Angst vor einem schlechten Image beim Publikum. Die Filmfirma wollte auf der sicheren Seite sein. Niemand in den neuen Aktionsfilmen darf Zigaretten rauchen, auch nicht die Hauptrollen. Aber ich durfte schließlich eine rauchen, ha,ha.
L: Viele von Deinen Figuren sind schweigsam und nehmen sich selbst ernst…

Chow: Viele sind irgendwie traurig. Chinesen haben es nicht leicht, ihre Kümmernisse zu zeigen, sie tragen sie in sich. Einflüsse gibt es auch von französischen Filmen mit Jean-Paul Belmondo und Alain Delon. Es sind schweigsame Männer, die nicht oft lachen. Kurosawas Filme sind ähnlich. Und auch gewisse Hollywood- Filme. Alle diese Filme sind im Laufe der Jahre in Hongkong gezeigt worden und haben unsere Filmkunst inspiriert. Alle diese verschiedenen Kulturen vermischen sich und geben einander etwas. Das gebiert hoffentlich neue Dimensionen.

L: Gewisse Hongkong-Filme sind für uns ziemlich merkwürdig. „God of Gamblers“ zum Beispiel würde man nicht wagen in den USA zu machen. Der Film beginnt und endet mit Dir als einem smokinggekleideten Spieler. Aber über eine halbe Stunde läufst Du herum wie ein kleiner Junge, der einen Schlag auf den Kopf bekommen hat, Eis ißt und mit Luftballons spielt.

Chow: Es gibt hier jemanden, der die Filmrechte für „God of Gamblers“ gekauft hat. Und meine Rolle soll von Jim Carrey gespielt werden (lacht laut und lange).
L: Als ich „A Better Tomorrow“ das erste Mal sah, wurdest Du synchronisiert und hörtest Dich ungefähr wie Sylvester Stallone in Rambo an. In jedem Fall ist es wohl besser in Kantonesisch oder Deinem eigenen Englisch. Wird das Englische Deine Dialogparts verändern in den Filmen, die Du in Hollywood machst?

Chow: In den verschiedenen Kulturen hat ja die Sprache einen verschiedenen Sinn. Mitunter kann ich die Amerikaner nicht verstehen. Sie sagen etwas, meinen aber etwas anderes. Englisch ist kompliziert. Kantonesisch ist direkter. Vielleicht ist das den Kulturen geschuldet und der Persönlichkeit und den Lebensformen der verschiedenen Völker. Mitunter muß ich, wenn ich einen englischen Dialog höre, immer wieder nachfragen, um ihn zu verstehen. Es ist schwer für einen Schauspieler, eine andere Sprache zu verstehen und eine andere Kultur, wenn er ein Gefühl ausdrücken soll, das echt wirken soll. Ich brauche Zeit dafür. Mit der Zeit will ich sehr viel mehr von meiner chinesischen Persönlichkeit in die Dialoge legen, wenn ich die Chance erhalte, meine Persönlichkeit auszustrahlen mit allen den Nuancen, die darin sind. In der amerikanischen Kultur haben sie nicht erfaßt, daß ich als Chinese eine andere und mehr direkte Art habe. Sie wollen, daß die ganze Welt und alle, die hier Filme machen, auf die exakt gleiche Weise sprechen und denken. Ich werde immer ein Asiate sein, und das ist etwas anderes als die amerikanische Variante. Sie denken vielleicht, daß ich bin wie E.T. hier in Amerika, aber ich glaube, daß sich die beiden Kulturen vermischen können. Es ist interessant, in ein Land zu kommen, das nicht Dein eigenes ist. Du triffst auf viel verwunderliches bei diesem Volk und seiner Kultur. Als »the new kid in town« mußte ich etwas anderes lernen… Das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, mehr zu verstehen, mehr Leute kennenzulernen und eine neue Sprache zu lernen. Ich hätte mich ja mit Hongkong begnügen können und mit meinem Kantonesisch.

L: In „The Replacement Killers“ funktioniert es gut, weil Mira Sovino den Dialog ausbalanciert, indem sie auf eine ziemlich nervige Weise redet, während Du der starke schweigsame Mann bist, nahezu wie Clint Eastwood in einem Spaghetti-Western.

Chow: Teils haben wir, vor allem wegen Antoines MTV-Background, viel Musik im Film, hart in die Szenen geklippt. Teils entschieden wir uns, daß ich nicht viel sagen sollte in einem frühen Stadium. John Lee ist cool, »a killer without a word«.
L: Wirst Du wieder einmal rappen wie in Hardboiled?
Chow: Mein kantonesischer Rap-Stil ist für die amerikanische Kultur wohl etwas zu tough.

L: Hast Du nicht auch Schallplatten gemacht?

Chow: Gewiß. Ich machte zwei LPs um 1990 herum. Ich landete sogar einen Hit dabei. Der heißt „Very Nice Very Nice“, und der ist sehr sehr unterhaltsam. Den gibt es nach wie vor in den Plattenläden Hongkongs.
L: „The Replacement Killers“ ist etwa Dein 70. Film. Und wenn der auch ausgezeichnet ist, so kann ich mir denken, daß Du viele ähnlich gute Filme gemacht hast. War es ein großer Unterschied, daß er in Hollywood gemacht wurde?

Chow: Es war vor allem die Sprache. Vieles bei den Aufnahmen ist ziemlich gleich. Die Produktionskosten sind übrigens ist auch etwas anderes. Etwas ganz anderes.

L: Kann Hongkong etwas von Hollywood und dem amerikanischen Film lernen?

Chow: Distribution und Marketing. In Hollywood können sie einen ziemlich mittelmäßigen Film zu einem großen Renner machen, wenn sie eine starke Kampagne führen. In Hongkong ist das ein Problem. Die Verkäufer wissen nicht, wie sie einen Film außerhalb des asiatischen Marktes anbieten müssen. Keinerlei Promotion. Sie verkaufen einige Filme in die verschiedenen Chinatowns in Amerika und Europa, aber dann ist Schluß.

L: Wer „tauft“ die Filme? Die englischen Titel sind wunderbar.

Chow: Die Filme werden auf Kantoneisch „getauft“. Dann sind es die Übersetzer, die in Zusammenarbeit mit den Regisseuren und Produzenten über einen englischen Titel nachdenken.

L: Arbeiten die Hongkong-Produzenten viel daran, Hollywood so schnell wie möglich zu kopieren?

Chow: Total und die ganze Zeit. Seit den 50er Jahren haben wir westliche Filme kopiert, allerdings auf unsere Weise: etwas europäisch, etwas Hollywood, etwas japanisch und etwas von unserem eigenen. Mitunter wird das ziemlich einmalig, mitunter wird es Schrott.
L: Sind die Hongkong-Filme, auch wenn sie modern sind, sehr von der alten chinesischen Kultur beeinflußt?

Chow: Immer. Religion, Legenden, Oper. Das ist unausweichlich. Und wir sind sehr stolz darauf.
L: Stunt-Tricks sind in Hongkong besonders gewaltsam, und Du hast einiges aushalten müssen im Laufe der Jahre.

Chow: Ja, ich bin das gewohnt. John hat mich zehn Jahre lang geschunden. Er hat meinen Rücken gebrochen, er hat mein Haar verbrannt. Meine Frau wollte John Woo am liebsten umbringen. Aber er sollte leben dürfen. Was die Stuntskills betrifft, gibt es eigentlich keine Unterschiede zwischen Hongkong und den USA , aber in Hollywood sind die Sicherheitsmaßnahmen etwas besser.
L: Was denkst Du über Deine Landsleute in Hollywood?

Chow: Ich habe John Woos Filme gesehen. In „Hard Target“ ist sein Talent kaum zu spüren. In „Broken Arrow“ versucht er, Kompromisse mit Hollywood zu machen. „Face Off“ - das ist John Woo in Hollywood, wo er endlich zu 100 Prozent er selbst sein durfte. Reine Harmonie. Ich bin so stolz auf ihn! Ich habe indes nicht die Van-Damme-Filme von Ringo Lam und Tsui Hark gesehen.
L: Hast Du irgendwelche Schauspieleridole?

Chow: Ich bin sehr beeindruckt von Toshiro Mifune und Kenkoro Kenzan aus Japan. Sie haben ein so starkes Charisma und sind hart, und sie sind außerdem große, große Schauspieler.

L: Hast Du Favoriten unter Deinen Filmen?

Chow: „God of Gamblers“, „A Better Tomorrow“, „City on Fire“, „The Killer“. Einer meiner größten Favoriten ist „An Autumn`s Tale“, ein romantischer Film, in dem ich einen Burschen vom Lande spiele. Ein anderer ist „All About Ah Long“. Der ist traurig.
L: In Hongkong scheinen Deine romantischen Filme nicht weniger bekannt zu sein. Es scheint, als ob das asiatische Publikum eine etwas andere Auffassung von Dir hat als wir im Westen.

Chow: Durch meine Platten vielleicht. Und ich habe Komödien und Dramen gespielt. Ich machte tausende romantische Seifenopern im Hongkong-TV, und das können sie nicht übersehen haben. Danach kam „A BetterTomorrow“. Seitdem ist Yun Fat für die meisten der große Actionheld.
L: Hast Du eine Ahnung, wieviele Dich in Asien kennen?

Chow: Die meisten zwischen sechs und 66 - ist mir gesagt worden. In den USA ist es nicht so, hier bin ich nach wie vor ein Kultschauspieler, ein Untergrundheld.

L: Tarantino mag Dich offenbar, obwohl sich die Stimmung in seinen Filmen sehr von der in Deinen unterscheidet. Wirst Du irgendwann einen Film mit ihm machen?

Chow: Seine Filme sind anders, ja. Aber er will ein Manuskript für mich schreiben, und John soll der Regisseur sein. Das verspricht interessant zu werden.
L: Er ist kritisiert worden, weil „Reservoir Dogs“ so sehr „City on Fire“ gleicht. Gleichzeitig kann man das als Huldigung betrachten. Was denkst Du über „Reservoir Dogs“?

Chow: Sehr gut. Falls Quentin City on Fire kopierte, gelang ihm eine mehr als ausgezeichnete Transformation in dem ihm eigenen kreativen Stil. Gewiß sind viele Kritiker sauer deswegen, aber das macht nichts. Es ist eine wunderbare Art und Weise, seinen eigenen Stil in der Filmwelt zu finden. Wir haben ja auch in Hongkong jede Menge Kopien.

L: Du sollst alsbald die männliche Hauptrolle in „Anna und der König von Siam“ spielen?

Chow: Das wurde dieser Tage klar gemacht. Wir werden eine Menge daran machen, damit es eine richtig gute Version wird und nicht wie Yul Brunner in „Der König und ich“. Ich werde nicht singen. Ich werde nicht das Haupt erheben. Es wird ein großartiges Drama werden, und endlich wird der König von einem Asiaten gespielt werden. Anna haben wir noch nicht gefunden, aber es sind viele gute Schauspielerinnen in der Wahl. Emma Thompson, Winona Ryder…, wir haben eine ganze Liste.

L: Es scheint überhaupt so zu sein, daß die westlichen Kinofans Kampfsport und Action aus Hongkong via Schauspieler wie Bruce Lee, Jackie Chan, Jet Li und in gewissem Umfang von Dir erwarten. Ist es nicht Zeit, ihnen eine andere Seite zu zeigen?

Chow: Ich bin ganz scharf darauf, diese Seite zu zeigen. Warte nur.
L: Was machst Du in Deiner Freizeit?

Chow: Ich mache gerne lange Ausflüge und wandere im Wald und in den Bergen umher. Auf diese Weise halte ich mich in Bewegung. Am Sonnabend und Sonntag mache ich es mir mit meiner Frau gemütlich, dann gehen wir auch hinunter in den Supermarkt an der Ecke. Das ist schön.
Übersetzung: Jochen Reinert

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