Der Schaum, den uns die Wellen ließen Arovane
Die Wellen und die Winde
Tragen den leisen Klang eines Spinetts an den einsamen Strand.
Das Wechselspiel der Gezeiten
Es tanzt einen langsamen und ewigen Takt.
Es ist so leicht sich zu verlieren. In diesem Ozean der Klänge. Die Wellen schlagen Melodien auf die Klippen, spielen auf den Steinen wie die Finger eines verträumten Virtuosen. Der Himmel hängt tief und grau. Die Wolken lassen keinen Ton entweichen. Im Zentrum dieser Abundanz, wiegt die Erkenntnis tonnenschwer. So klein und nichtig, jenseits eines Maßes aller Dinge, ist man nur Empfänger und doch als Gefäß so unnütz eng.
Uwe Zahn war 2000 mit dem zweiten Albums seines Projektes Arovane eines dieser großen Werke gelungen, dessen Erwähnung auch mit erheblicher zeitlicher Distanz, sofort die alten Assoziationen in ein neu und rege erwachendes Bewußtsein diktiert. „Tides“, sprach ich dessen Namen als sei es eine alle Probleme aus der Welt schwemmende Zaubersilbe. „Was für ein Gott-Album“, schwärme ich, nicht in der Lage, ein passenderes Maß zu finden. „Darüber werde ich dann etwas schreiben.“ Das City Centre Offices Special nahm wieder etwas konkretere Konturen an.
Zahn hatte schon vor „Tides“ alles andere als unerhebliche Spuren hinterlassen. Auf DIN, einem Label aus dem Hardwax-Umfeld, veröffentlichte er seine ersten EP’s und Debüt „Atol Scrap“, er etablierte sich in einem Umfeld, in dem man auch ihm voreilig eine quasi-devote Basic Channel Affinität nachsagen wollte. Tatsächlich aber hatte Uwe Zahn auch in diesem Kontext, bevor ihm Thaddi eine Veröffentlichung auf CCO anbot, schon an einem großartig eigenen Profil für Arovane gearbeitet. Diese Eigenart, so ähnlich beschrieb es Sascha Kösch anlässlich der Veröffentlichung von „Tides“, sei aber nun weniger eine sehr konkrete oder zu tradierende Klangstruktur, als vielmehr die Schaffung eines episch weiten Raumes, einer fast noch leeren Kathedrale, eben einer beinahe sakralen Ambience, die zunächst für nichts weiter steht als die Musik. Arovane hat einen Sound, den man nicht umhin kommt zu beschreiben, ihn bildlich zu machen, um das Genie des Projektes zu vermitteln.
Und genau dies scheint doch der Punkt, an dem Arovane die Kunst der Worte zur Nichtigkeit verdammt.
Man hat schon alles versucht, wollte die perfekte Melancholie beschreiben. Und als man schon beinahe glaubte, dies könne tatsächlich doch gelingen, spürte man wie sich nun Glück und Vorfreude in diese neue Welt drängten, so heftig, dass an ihrer Legitimität nicht mehr zu zweifeln ward. Und alles, alles brach zusammen. Sog sich voll mit einer Verzweiflung, dem Schatten der zunächst noch wohligen Melancholie und der Konsequenz der Freude. In diesem Moment erlag die Bannkraft der eigenen Worte den Gezeiten.
Die Imaginationen werden wieder vage Schemen und tauchen unter in der Weite des Klangs. Es ist ein ewiger Zyklus. Denn bald schon wird die Melancholie erneut so schwer sein, dass man sie begreifen will. Und auch wenn man es ahnt, wenn man sich erinnert, dass man scheitern und erneut verzweifeln wird … dieser verfluchte Klang ist zu wunderschön, um seine Gedanken daraus zu lösen.
Nimrod
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