Danzig - Live on the Black Hand Side

Glen ist eine echte Königin unter den Diven. Das wissen wir natürlich längst. Auch ohne dass er sich bisher sein durchgeschwitztes Netzhemd unter der Lederjacke hervorreißen musste, um es sich über seine herrlich haarigen Schenkel zu streifen. Nach seinen in der Fachpresse und vom Pöbel missverstandenen und gescholtenen Kostümierungen als „Blackaciddevil“ und „Satan’s Child“, hat er sich nun ein Potpourri aus fast verblassten und beinahe aus dem Rockfirmament in die namenlose Vergessenheit gestürzten Glitzersternchen auf den feisten Leib schneidern lassen, in deren kaltem Lichte er für Augenblicke in einem  längst vergangenen Jahrzehnt selbst gestrahlt hat. Alles recht gut konserviert, mit einer Spur von Jubel und Triumph, die sich hier unleugbar festgesetzt hat.
 

Und so stolziert er nun zurück auf das spiegelglatt polierte Parkett, stampft so richtig auf, mit viel Getöse, macht sich noch einmal breiter, als es eigentlich ausreichen würde und… niemand erkennt ihn. Nein, so ist das nicht ganz richtig. Ein paar erkennen ihn schon, doch die sind die ersten, die sich emsig ihr Cocktail-Glas schwenkend in tiefsinnigen Konversationen im entferntesten Winkel des Saales verlieren. Ganz weit weg vom spiegelglatt polierten Parkett. Nicht sehen zu müssen, was da unabänderlich folgen muss. Die Krönung des peinlichsten Auftritts des Abends: der kostümzerfetzende Fall, der die letzte Mauer der Würde und vergangenen Ruhmes in Sekunden mit sich reißt.
(Evillive/PIAS)
Nimrod

Post a Comment
*Required
*Required (Never published)