Carlofashion - Pieces for Acoustic Instruments and Sythesizers
Carl Friedrich Oesterhelt hat die Polka längst getanzt. Den Tango. Den auf Taiwan süßlich ausgestrichenen Walzer. Die Tarantella auf der Tastatur seines Laptop. Er hat den Beat tief in seinen Eingeweiden gespürt. Carl Oesterhelt hat das alles im Blut.
Er sammelt die Stimmungen. Asien. Südeuropa. Europas Osten. Lateinamerika. Südlich der Sahara. Entlang am Rand der Taklamakan. Weltweit. Und genießt ihre Vielfalt. Er mag uns nicht den Weltmann geben. Auf die großen Gesten kann er gut verzichten. Auf die besserwissende Inszenierung von vorgeblicher Authentizität durch Grundformelreproduktion erst recht. Die Perspektive des Komponisten ist offenherzig carlozentrisch. Auch seine Faszination für sowjetrussische Komponisten, für die Klassik, für Mahler und Bach, aber auch Kontemporäreres wie Sun Ra, Ellington und Monk hat die Kompositionen auf seinem zweiten Album nachhaltig beeinflusst. Weniger ambitioniert aufgesetztes Ziel denn dem Kritiker willkommene Konsequenz ist hierin natürlich die Brechung und Verschmelzung von nicht nur räumlichen sondern auch temporalen Dimensionen, ein ungemein sympathischer Link zwischen kulturendefinierter wie kulturendefinierender Akustik und den Möglichkeiten ihrer digitalen Reproduktion in einer eigenartig, einzigartigen Fusion.
(Hausmusik/Indigo)
Nimrod
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