Die Seele in der Worten, das Herz des Songs Die Labels Secretly Canadian und Jagjaguwar
Donnerstag, November 28, 2002
45 Meilen südlich von Indianapolis, 45 Meilen abseits der Interstate 70, die das Land südlich der Großen Seen zwischen Pittsburgh und St. Louis durchschneidet, zwischen dem flachen, industrialisierten Norden des Bundesstaates Indiana und den rollenden, grünen Hügeln bis hinunter zum Tal des Ohio, dort liegt Bloomington. Bloomington ist der Sitz der Universität von Indiana. Und manche sagen, es ist die Universität mit ihren Studenten, die Bloomington so lebendig macht. Der Stadt zu einer liberalen Aura mitverhilft. Auf der Kirkwood Avenue schmiegen sich ethnische Restaurants aneinander ohne sich die Kundschaft zu stehlen. Und im Norbu Cafe, einem kleinen tibetischen Lokal, serviert man sogar vegetarische Momos. Das klingt alles natürlich recht nett, wenn es einen denn nach Indiana, diesen an für sich wenig aufregenden Durchgangsstaat des Mittleren Westens der Vereinigten Staaten von Amerika verschlagen hat. Aber Grund genug dieses Bloomington auf unseren viel zu wenig detaillierten Landkarten zu verorten mag es tatsächlich nicht wirklich sein. „Bloomington ist einzigartig, zumindest in Indiana. Dies muss wohl ein Grund sein, warum sich auch viele Künstler und Musiker hier ansiedeln,“ versucht Jonathan Cargill von Secretly Canadian die Faszination der Stadt in Worte zu fassen. Aber er ist kein großer Redner. Es ist ohnehin schon längst gelungen, dass wir uns mit kulturellen Aspekten des Umfelds dieser Stadt auch hierzulande auseinandersetzen … müssen! Und das ist eben auch nicht zuletzt der Verdienst dieses Jonathan Cargill. „Uuh, ich denke es gibt wenigstens 12 aktive Labels in Bloomington. Das sind wenigstens die, von denen ich weiß. Man kann also ruhig davon sprechen, dass Bloomington schon seit langem eine Art Musik-Mekka ist.“ Engagiert ist Jonathan in vielen Angelegenheiten der Labels Secretly Canadian und Jagjaguwar sowie diverser anderer lokaler Labels - Blue Sanct., Family Vineyard, Super Asbestos etc. - die mit großartigen Veröffentlichungen unseren Wunsch dringlich werden ließen: Mein Gott, mit denen müssen wir was machen. So viele großartige Tonträger trafen in den letzten Monaten und Jahren hier ein. Und wenn man das Cover wendete und im Booklet blätterte, weil das Interesse nach wenigen Augenblicken Musik eigentlich stets erwachte, dann war man doch immer wieder geschockt - in ganz und gar positiven Sinne, versteht sich - dass unter den Namen verschiedener Labels schon wieder diese eine Adresse prangte: Bloomington, Indiana, U.S.A. Für manche wie Jonathan Cargill ist die Welt von Bloomington aber schon insgeheim in Kanada. (Continued)