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Die Seele in der Worten, das Herz des Songs Die Labels Secretly Canadian und Jagjaguwar

45 Meilen südlich von Indianapolis, 45 Meilen abseits der Interstate 70, die das Land südlich der Großen Seen zwischen Pittsburgh und St. Louis durchschneidet, zwischen dem flachen, industrialisierten Norden des Bundesstaates Indiana und den rollenden, grünen Hügeln bis hinunter zum Tal des Ohio, dort liegt Bloomington. Bloomington ist der Sitz der Universität von Indiana. Und manche sagen, es ist die Universität mit ihren Studenten, die Bloomington so lebendig macht. Der Stadt zu einer liberalen Aura mitverhilft. Auf der Kirkwood Avenue schmiegen sich ethnische Restaurants aneinander ohne sich die Kundschaft zu stehlen. Und im Norbu Cafe, einem kleinen tibetischen Lokal, serviert man sogar vegetarische Momos. Das klingt alles natürlich recht nett, wenn es einen denn nach Indiana, diesen an für sich wenig aufregenden Durchgangsstaat des Mittleren Westens der Vereinigten Staaten von Amerika verschlagen hat. Aber Grund genug dieses Bloomington auf unseren viel zu wenig detaillierten Landkarten zu verorten mag es tatsächlich nicht wirklich sein. „Bloomington ist einzigartig, zumindest in Indiana. Dies muss wohl ein Grund sein, warum sich auch viele Künstler und Musiker hier ansiedeln,“ versucht Jonathan Cargill von Secretly Canadian die Faszination der Stadt in Worte zu fassen. Aber er ist kein großer Redner. Es ist ohnehin schon längst gelungen, dass wir uns mit kulturellen Aspekten des Umfelds dieser Stadt auch hierzulande auseinandersetzen … müssen!  Und das ist eben auch nicht zuletzt der Verdienst dieses Jonathan Cargill. „Uuh, ich denke es gibt wenigstens 12 aktive Labels in Bloomington. Das sind wenigstens die, von denen ich weiß. Man kann also ruhig davon sprechen, dass Bloomington schon seit langem eine Art Musik-Mekka ist.“  Engagiert ist Jonathan in vielen Angelegenheiten der Labels Secretly Canadian und Jagjaguwar sowie diverser anderer lokaler Labels - Blue Sanct., Family Vineyard, Super Asbestos etc. - die mit großartigen Veröffentlichungen unseren Wunsch dringlich werden ließen: Mein Gott, mit denen müssen wir was machen. So viele großartige Tonträger trafen in den letzten Monaten und Jahren hier ein. Und wenn man das Cover wendete und im Booklet blätterte,  weil das Interesse nach wenigen Augenblicken Musik eigentlich stets erwachte, dann war man doch immer wieder geschockt - in ganz und gar positiven Sinne, versteht sich - dass unter den Namen verschiedener Labels schon wieder diese eine Adresse prangte: Bloomington, Indiana, U.S.A. Für manche wie Jonathan Cargill ist die Welt von Bloomington aber schon insgeheim in Kanada. (Continued)

Urbane Abenteuer Don Lennon

Don Lennon macht sich keine Platte. Auf seinem dritten Album „Downtown“ läuft er lyrischen Amok unter dem flimmernden Neonlicht im nächtlichen Zentrum seiner Heimatstadt Boston. Seine pointierten Wortsalven treffen vor allem die Boston Music Scene, die Dave Matthews Band, John Cale, Lenny Kravitz, Bongwater, die unhöflichen ausländischen Austauschstudenten, The Mekons und das schwule Nachtleben. Und ein ganz und gar unsympathischer Zeitgenosse ist wohl der, der nach einem Treffer dieses querelenden Don Lennon nicht wieder aufsteht und über seine harmlosen Wunden lacht. (Continued)

Grenzwandern Richard Youngs

Die Songs des Richard Youngs dürften ganz sicher zu den einfachsten gehören, die je geschrieben wurden. Hypnotisch rekapituliert er die Töne, mit denen er eröffnete, über mehrere Minuten und auch sein Gesang ist nicht minder Teil dieser mantrahaften Klangschleife. Völlig selbstbezogen, als sei ihm gar nicht bewusst, dass man ihn nun hören kann, gräbt der Schotte sich seine Visionen der “Wynding Hills of Maine” aus den Untiefen seiner Seele. Und er sieht sie, wie wir sie nicht sehen können. Er transzendiert den Alltag. Und man könnte ihn vielleicht belächeln, wie er versucht diesen Visionen im Minimalismus seiner Songs durch die unbeirrte Repetition ihrer Beschwörung tatsächliche Körper zu geben, wenn uns denn die Wahrheit unserer eigenen Welt nicht längst schon so verdammt ungewiss geworden wäre. (Continued)

Vom Ende der Distanz Songs: Ohia

Prolog 1

Ich erinnere mich, es muss so ungefähr vier Jahre her sein. Vielleicht sogar fünf. Monate jedenfalls, bevor der Kanzler nach Berlin zog und noch zirka zehn Jahre bevor wir wie unsere Eltern werden. Ich erinnere mich, es war kalt und es war recht zeitig am Vormittag. Kanzler hatte seine alte Wohnung im Stadtteil Mockau noch nicht geheizt. (Continued)