Zeitweilge Berührungen Windsor for the Derby

Die Wandelfähigkeit von Windsor for the Derby ist nicht das Beeindruckendste an dieser Band. Es ist die Bravour, mit der sie jede neu erschlossen Facette meistern und mit genreübergreifender Relevanz erfüllen. Von tonnenschweren Dron-Sounds bis zu sensibelsten Singer/Songwriter Melancholien hat die um das Kernduo Dan Matz und Jason McNeely konstituierte Band seit 1996 auf Labels wie Trance Syndicate, Young Gods und nun auch Aesthetics so vielfältige wie großartige Alben veröffentlicht. Und es wäre darüber hinaus nicht angebracht, grandiose Seitenprojekte wie The Birdwatcher und diverse Soloveröffentlichungen in den Schatten von Windsor for the Derby zu stellen.
 
 

Wort. Nimrod 
Dan Matz scheint überall. Und auch weitere personelle Überschneidungen zwischen Windsor for the Derby und Nebenprojekten des Songwriters scheinen alles andere als ungewöhnlich. Karl Bauer trommelte bei The Birdwatcher genauso wie bei Windsor. Aber wenn man auch unwillkürlich dazu neigt, den Entwicklungsphasen von Windsor for the Derby immer auch einen hörbaren Einfluss zeitweiliger Mitstreiter wie Wayne Magruder (Calla) oder Adam Wiltzie (Stars of the Lid) zuzuschreiben, der Impetus rührt immer aus dem Duo Matz/McNeely.

Der Einstand bei Aesthetics war beeindruckend. Auf der „Awkwardness EP“ wurde via Remixen von u.a. Calla, I-Sound und Pulseprogramming die Diversität der Band pointiert und gleichzeitig in neue Mikrokosmen filtriert. Nie ist man bei Windsor for the Derby gegen Überraschungen genug gefeit. Auf ihrer gerade absolvierten Europatour beschränkten sie sich nicht darauf  - wie man es so recht widerlich nennt -  ihr aktuelles Album zu promoten. Einige Songs „The Emotional Rescue“ waren erheblich neu arrangiert. Lautstärke und repetitiv drückende Noisewalzen stemmten das Publikum gegen die Wände und nicht wenige geschlagen aus dem Saal.

Man bekam die Gewissheit aufgezwungen, dass die zunächst bezweifelten Ankündigungen, die Band hätte auf den voran gegangenen Konzerten ganz barbarisch gerockt, noch dreiste Untertreibungen waren.

„Es gab eine Zeit, da war ich mir immer hundertprozentig sicher, welche meiner Songs sich besser für The Birdwatcher eignen und welches typische Windsor for the Derby Nummern sind. Auf den letzten beiden Alben dieser Projekte sind die klaren Grenzen tatsächlich verschwommen“, pflichtet Dan Matz vor dem Konzert meiner bekundeten Wahrnehmung bei, The Birdwatcher und Windsor hätten mittlerweile im warmen akustischen Songwriting eine ganz erhebliche Schnittmenge bekommen. Wirklich deutlich erklingen die Differenzen nur bei den schnelleren und von Jason McNeely besungenen Windsor-Songs „The Emotional Rescue“ und „The Awkwardness“, die man wegen ihrer harmoniegesalbten Eingängigkeit auch bevorzugen sollte, durch interesseabspiegelndes Eis zum noch aktuellen „Emotional Rescue“-Album  durchzubrechen.  Man kommt bei einer so vielseitigen Band wie Windsor for the Derby einfach nicht umhin, die Zeitweiligkeit eines eröffneten Klangkosmos zu betonen. Deshalb kann davon ausgegangen: Es war nur ein kurzer Moment, in dem sich Windsor for the Derby und The Birdwatcher so nachvollziehbar berührten. Matz betont, wenn er über eine stampfende, elektronische Druckerzeugung für die nächste Windsor for the Derby Veröffentlichung sinniert, das solche Berührungen nur temporär und Monate nach den Aufnahmen längst schon wieder schöne, aber für künftige Projekte nicht mehr sehr wesentliche Geschichte sind.

www.aesthetics-usa.com

Dieser Text war Teil des umfangreichen Specials zum Chicago Label Aesthetics in PNG no. 57. In das schmucke Doppel-Cover der Ausgabe war eine exklusive CD-Compilation des Labels mit Beiträgen dieses und anderer Künstlern aus dem Aesthetics-Umfeld montiert.
Ein paar letzte Exemplare dieser Ausgabe mit CD gibt es noch im PNG Store.

 

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