Black Metal - A Shortcut to the Seventh Gate of the Infernal Empire Rage of Achilles Records

Into the Maze of mere Symbols (Reason) 

Black Metal hat sich längst tief verloren im Labyrinth der Zeichen. Jede neue Wegmarke deutet nur noch auf ein bereits gesetztes Symbol. Unter dem Fluch der Postmoderne ist der Pfad längst nicht mehr deutbar. Jede Proklamation ein Echo. Zahnlose Referenz auf einen bereits artikulierten Standard. Puh, konnte man erleichtert sein, als ein Kirchenbrand nicht länger das Ende der Christentums in Skandinavien symbolisieren sollte, sondern zu einem inhärenten, selbstreferenziellen Standard des Genres geriet, und als ein solcher Akt eine Attraktivität nur noch als Coming-of-Age-Spektakel hatte - und vor der eigentlichen, und desaströs schlecht geplanten Tat zumeist schon scheiterte. Ebenso der Holocaust, der vereinzelt in schockierender Konsequenz zum Sinnbild für die Obliteration aller moralischen und sozialen Kodizes der westlichen Zivilisation als ein kleiner Vorgeschmack auf Armageddon verharmlost und gleichsam glorifiziert wurde. Auf solche Dummheit reagierte man sehr schnell nicht mehr, man schüttelte nur mitleidig den Kopf und seufzte: “hach, Black Metal!?”.

Innerhalb einer stetig wachsenden Szene wurden diese Phänomene jedoch immer unerheblicher.  Extrem hässlicher, abseitiger, unpopulärer Kitsch - zunehmend von romantischem, orchestralem, gothicziseliertem Tand überkleistert. Das letzte Cradle of Filth Album machte sich dann auch ganz prima auf einem Majorlabel (Sony) und in den Charts (sowieso) … die Neue Mitte umarmt auch ihre bösartigsten Kinder. Und das war das jetzt, ein Genre gnadenlos mit dem Happy End betrogen, das hier niemand wollte (oder zu wollen vorgab)? Mitnichten.

 

Ein Musiker ist ein Musiker und längst muss auch ein Black Metaler denn mehr nicht sein. Von der Illusion befreit, ihre Attitüde hätte eine nachhaltige soziale Tragweite, sei so etwas wie die letzte, uneinnehmbare Bastion wider den verhassten guten Geschmack, verkehrt sich - wie einleitend bereits vermerkt - Attitüde zu Image (ergo wird selbstreferenziell, standardisiert und signalisiert gar ironische Brüche). Unfreiwillig komisch: die letzten, wahren Hardliner, ihr Beharren nur noch als Satire deutbar, unter der (selbstverständlich) dicken Leichenfarbe auf ihren Gesichtern aber eigentlich schon immer eher Clown als Teufel. Durch die Entwertung der szeneinhärenten Zeichen als Mechanismus der Exklusion ist die Transgression in und aus anderen Genren, die Bastardisierung mit anderen Spielarten der Extreme jenseits der Umarmung des Mainstream eine sehr auffällige Tendenz geworden. Hier findet in einer heimlichen, jedoch gigantischen Verschwörung zusammen, was niemals in die Fänge des Zeitgeistes geraten will. Neben der längst (auch in thematischer Hinsicht) bekundeten Affinität für Industrial, überschneiden sich zunehmend auch Noise (Today is the Day), Hardcore (siehe u.a. Bands aus dem Lifeforce Umfeld), Crustcore (Mistress) und auch Punk mithin der durchlässig gewordenen Parameter des Black Metal. Ehedem exklusiv gehütete Codes werden in szenefreie Räume transferiert und Black Metal affirmiert sich in Traditionen jenseits der eigenen - und das muss nicht mal so explizit (wenn auch nichts desto trotz schlüssig) wie in einer Sex Pistols Coverversion durch Mayhem geschehen.

 

Beyond the open gates (Madness)

 

HATEPULSE sind Wächter. Ihre Maskerade eine Referenz auf Bedrohung, eine Referenz auf etwas, das abschrecken soll - aber natürlich nicht tatsächlich furchteinflößend oder schockierend. Hatepulse paradieren den äußeren der Inneren Zirkel, ihr Repertoire bedient sich aus dem Fundus des eigenen Genre, sie sind jedoch mitnichten Standartenhalter, sie treiben ihre Passion für den Black Metal in das eigene, individuelle Extrem. Nur Nuancen klangspeichergenerierter Opulenz dringen durch die wahnwitzige Raserei, mit der sich das norwegische Duo von ihren ehernen Sockeln stürzt. Auf ihrer Debüt EP “In Extenso Letalis” blitzen dennoch die Schemen ihrer Technik, sieht man die Schatten der niedersausenden Äxte, spürt man den warmen, roten Regen aus den Stümpfen von aller Schwere der Gedanken bis in die Ewigkeit entledigter Hälse. Wer diesen Wächtern ohne Furcht begegnet, tritt ein in die zweite Hölle der Fusion, deren Szenerie aus vielen Schilderungen durchaus schon bekannt ist, die aber dennoch in ihrer ehrfurchtgebietenden Dimensionalität begeistern kann.

Zwischen dem gedärmüberzogenen Boden und der erhaben hohen Kuppel dieser Kathedrale, ist noch Raum für Welten. ALLFADER wühlen sich wie Schatzsucher durch die exkrementdurchwebte Organik zu ihren Füßen, streben in epischen Chören aber auch danach, die weiten Hallen von Pagan mit vorchristlicher Sakralität zu füllen. “From the Darkest Star” ist ein Meisterwerk von der dunkelsten Seite der Macht, völlig unberührt durch die unansehnlichste Fratze des Kitsch, der - wie man sagt - ganz besonders auch durch die Weiten dieser Halle schleichen soll. Ist man dieser hier kreuchenden Seuche entgangen, ist es eine Falltür zu einer Grube, randvoll mit pulsierender, ergreifender Dunkelheit, die man aufstemmen muss um sich dann kopfüber in den Kerker der Tollwut zu stürzen… das Herz diese Sphäre ist das NECRODEATH STUDIO.

Dieser dunkle Schrein ist der Ort der Wallfahrt für alle die, die jenseits von Szenen leben, die wahren Weltenwandler zwischen Noise und Scumpunk, Crust und Black Metal. Bereits 1999 (a. D.) zeichneten ANAAL NATHRAKH in diesem Schrein ihr Debüt auf. “Total Fucking Necro”, ein wandelnder Kadaver, durchfressen von den Motten, die wahrscheinlich dereinst schon an den zugeschissenen Unterhosen von G.G. Allin nagten, düngte mit der Verwesung, die ihm bei jedem seiner Schritte aus der völlig zerhackten und zerprügelten Körperlichkeit tropfte, den brachen Acker um das Studio. Dank einer okkulten Macht, die seit den griechischen Erzählungen über den Ägypter Kadmos längst Legende ist, sprossen aus dieser bösen Saat alsbald Legionen neuer Dämonen, die heftiger noch wandelten als Anaal Nathrakh und sich einen Dreck für die Raine ihres Schöpfungsackers interessierten. Darunter waren MISTRESS, waren AXIS OF PERDITION und FROST. Sie alle haben sich aus dem Herzen dieser neuen Dunkelheit längst die Oberwelt beschritten… und man kann nun warten und schauen, was in Zukunft aus diesem Acker kraucht, besser jedoch verweilt man in diesen unsicheren Dimensionen nicht lange an einer Stelle. Stillstand ist gefährlich, nirgendwo gefährlicher wohl als hier.

Ein Weg zurück, jenseits der Route des Eintritts, führt unter die Katakomben der Gespaltenen Seelen, die sich in schwefelheißen Quellen in der Wildnis Finnlands zum Licht des Vollmondes hin öffnen. Der Klang dieser Hallen bekommt entlang der gewundenen und verwirrenden Gänge einen sehr psychedelischen Drall. APOCRYPHAL VOICE, die erste Brut aus dieser Hölle, beschreiben ihr Gemüt auf “The Sickening” avantgardistischer Meisterschaft. Man muss Voivod bemühen, um diese EP denn in einer (mehr oder minder) irdischen, jedoch dem Zukünftigen verhafteten Begrifflichkeit zu fassen. Es ist ein Saal von Spiegeln, in denen sich “Nothingface” vor der Glut dieses schwarzen, unterirdischen Wahnsinns reflektiert, und dessen morbide Faszination - selbst wenn man schließlich zurück an das Licht gelangt zu sein glaubt - bis an das Ende seiner irdischen Zeit, in den Gedanken des Passanten nachhallt.   

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