Kinder des wahren Nordens Underlord
In seiner “Philosophie der Zeitreise” warnte Christopher Young nachdrücklich vor den Ausgeburten eines Carpenters, die mit silbrig leuchtenden Augen und schlohweißem Haar keine Farbe in einen ewigen Albtraum des Abendlandes bringen könnten. Sie würden ihren selbsterwählten Zieheltern jedoch die Erinnerungen stehlen, um sich in einer eigenartigen Welt unheilige Schreine aus keltischen Ikonen zu hämmern und sich vor diesen Altaren des Wahnsinns selbst zu den Herren über alle Vergangenheit und zum grabeskalten Sperma der Zukunft taufen - selbstverständlich in Blut.
UNDERLORD
This is pure Canadian black death metal from the true frozen North. Fuck the Vikings!!!
Die jungen Herren Hellfiend, Azag-Thoth und Lupus Void waren just in das Alter gekommen, in dem man die Küchenutensilien der Eltern gegen Instrumente vom Sperrmüll tauscht. Nicht dass Mutter Thoth je etwas dagegen eingewendet hätte, dass Hellfiend mit seinen unegalen Fingern den Schneebesen zupfte, bis das Gerät unbrauchbar verbogen war und dass der Void-Bengel Dellen in ihre teuren Gefrierboxen schlug… nur seit den Jungen beim Masturbieren eine milchige Flüssigkeit durch die Finger geronnen war, hatten sie beschlossen ihre Eltern zu hassen und nicht länger in ihren Reihenhäusern zu verkehren… außer, natürlich, um die Alten zu beklauen, so Zeugs von ganz unten aus deren Kommoden, das die garantiert bis zum Jüngsten Gericht nicht vermissten. Das hatte eine Zeit lang durchaus seinen Reiz, doch bald kickte der Thrill noch weniger als Steine nach Mädchen zu werfen.
Die Jungen wurden dreister. Nicht nur gruben sie sich - ungeachtet dessen, dass Vater Void im Nebenzimmer dem Präsidenten bei seiner Rede zur Lage der Nation beipflichtend zurülpste - durch sämtliche Lagen der Vergangenheit ihrer Eltern, studierten die obskuren Symbole in ihren Tagebüchern und die Randnotizen in den alten Zeitschriften und außerdem erfuhren sie, wie die Muschi von Mutter Thoth schmeckte und dass wahrscheinlich alles okay war mit der Milch, die bei heftigem Schütteln aus ihren Piepmätzen spritzte (zumindest hatten Vater Void und Vater Thoth das auch schon überlebt).
Sie fanden auch alte Schallplatten. Opa Trash - der alte Schrotthändler, von dem sie auch ihre Instrumente hatten - tauschte ihnen einen alten Schallplattenspieler (plus Verstärker) gegen eine paar Super-8 Aufnahmen von Mutter Void, wie sie sich unter einem fünfzackigen Stern von einem Ziegenbock völlig außer Atem ficken lässt. Dass sie einen eher schlechten Tausch gemacht hatten, begriffen die jungen Herren Hellfiend, Azag-Thoth und Lupus Void natürlich erst als sie “At War With Satan” rückwärts spielten… mit den Super-8 erpresste Opa Trash die Voids auf eine Summe, die so exorbitant war, dass Mutter Void ihr Nagelstudio verkaufen musste. Verschlagenheit wollte erlernt werden.
Opa Trash lies nachträglich nicht mehr mit sich handeln, Vater Void auch nicht… eigentlich war Dresche in der Gemeinde der “Christen des Heiligen Widerschein der Mutter Gottes auf den Wellen im Hafen von Montreal” völlig verpönt, aber Lupus wurde so vermöbelt, dass seine Blessuren nie mehr verheilten und er sich fortan unter einer langen schwarze Kutten versteckte.
Auch wenn der Preis, den vor allem Lupus zahlte - schließlich faulte ihm auch noch das Fleisch von den Händen - zweifellos sehr hoch war, immerhin wussten die jungen Herren Hellfiend, Azag-Thoth und Lupus Void nun ausgezeichnet, womit sie ihre verhassten Eltern bis zur Weißglut reizen konnten. Sie begannen sich über und über mit garstigen Symbolen zu behängen, die sie aus ihrer Erinnerung rekonstruierten… denn auch die Eltern Thoth hatten inzwischen all ihre Memorablia an einem wirklich geheimen Ort verschlossen. Sie versuchten ihre Instrumente rückwärts zu spielen und den Satan um Beistand anzurufen, sie verzweifelten auch nicht daran, dass ihre Musik eher klang wie “Apocalypic Raids” - allerdings vorwärts gespielt, jedoch etwas wilder, lauter noch und immer ein wenig unentschieden zwischen 33 und 45 rpm.
Sie nannten sich Underlord und ließen sich mit stolzgeschwellter Brust von den Bullen wegführen, jedes mal wenn sie in ein örtliches Bestattungsunternehmen eingebrochen waren, die Indizien zentimeterdick in die Gesichter geschmiert… auch die Jugendrichter verzweifelten an den Jungen, die auf jeden Versuch eines Dialoges immer ein und die selbe Antwort gaben: “Fuck the Vikings!!!” Nur die Eltern verstanden diese Botschaft, aber selbstverständlich sprachen sie zu niemandem von der großen Verehrung, die sie dereinst in ihrer Jugend für skandinavischen Black Metal gehegt hatten.
“Hellfiend?”, fragte einmal Lupus durch die Gitterstäbe, die ihn von der nächsten Zelle trennten. “Ä-ä-hem”, antworte Hellfiend. “Hellfiend, was ich dich eigentlich schon immer mal fragen wollte: Wieso machst du das eigentlich alles mit? Du bist doch ein Bastard und hast gar keine Eltern…” “I-hi-hir sei-hei-heit doch mei-hei-ne be-he-he-sten Freu-heunde… da-ha-ha-rum”, krächste Hellfiend in seiner schon von Geburt an so entstellten Stimme und rieb sich, ob dieses Geständnisses ganz verlegen, über seine mit hässlichem Fell bewachsenen Schenkel.
Nimrod
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