Mutter des Chaos Mistress

Im Herbst 1999 gründeten sich Mistress in Birmingham. Die Geschichte der Band begann hörbar jedoch lange vor ihrer Zeit. Das selbstbetitelte Debütalbum lässt keinen Zweifel daran, wie intensiv die Musiker bereits Extreme Noise Terror und Doom zu deren besten Zeiten erlebt haben und wie sie später den sinistren Spirit aufsogen, der sich durch das Werk von Death By Stereo und Sludge schleppte. Auf der von toxischem Schleim markierten Spur dieser Referenzen, kriechen Mistress aus der wahndurchwehten Dunkelheit einer ganz eigenen Eklipse.

Of men…

Auch in diesem Zirkus spannt sich ein Netz unter der bedrohlich, kathedralenhohen Kuppel. Referenzen. Bands wie Sally, Khang und Raging Speedhorn stemmten die Pfeiler auf ihre Schultern… das Seil dazwischen hing jedoch nur wenige Monate fest und sicher. Die gemeinsamen Auftritte offenbarten Mistress einer rasant wachsenden Fangemeinde. Diese Band wuchs zu schnell zu einem Berserker. Ihr Demo wurde ein geheimer Trend, das Wunderding für die Eingeweihten, auf ihrem Trip nach dem ultimativen Kick Adrenalin. Und die Acts, mit denen Mistress nach ihrer Gründung die Bühnen enger Clubs teilten, für die sie eröffneten… sie mussten Schiss bekommen vor dieser Wahngeburt, die sie ahnungslos protegiert hatten. So verweist denn die Chronik der Birminghamer ausdrücklich nur noch auf einen weiteren Auftritt mit einer recht namhaften Größe: Extreme Noise Terror… eine Legende, immer noch, deren Anteil an der Zeugung von Mistress auch kaum zu überhören ist. Es ist nichts darüber vermittelt, wieso das Venue hernach dichtgemacht werden musste, was darüber hinaus jedoch nur zu wahrscheinlich ist… Extreme Noise Terror mussten es selten so deutlich erfahren, zu was für erbärmlichen Säcken sie gealtert waren. Mistress peitschen einen Sound jenseits der Kontrolle bereits erlebter Schemen. Genregrenzen werden mit roher Klanggewalt geschliffen, Gräben mit wabernder Dunkelheit zugeschüttet. Es waren Mistress, die mich in wahrhaftiger Begeisterung dazu trieben, zu ersten mal Rage of Achilles in die Suchmaschine zu hämmern.

… and demons

Rage of Achilles war freilich eine Adresse, an der diese Begeisterung nur zu gut nachvollzogen werden konnte.  Mistress, die bereits ihr Demo in beachtlichen Mengen unter ihre Devotees gebracht hatten, konsolidierten den Status des Labels als eine der sichersten Pforten in das verwinkelten Kanäle des Undergrounds… Duncan ist ein Gatekeeper, der mit einem unerhört sicheren Gespür, die Perlen aus den Fäkalien gescheiterter Vision greift, wie sie aus den engen Katakomben stetig an die Oberwelt quellen. Die Begeisterung, die Mistress schon vorauseilte, machte es Duncan in diesem Falle etwas leichter, die Band aus dem unterirdischen Dreck zu befreien, der sich an sie geheftet hatte. Und unter der Kruste, die fesselte wie eng geschnürtes Mieder, hüteten Mistress wahrhaftig das Herz einer Legende… Etwas wie die Büchse der Pandora, sagt Duncan, ein mythisches Artefakt, nach dem er schon lange gesucht hatte, schon lange bevor er Rage of Achilles gründete. Mistress verpflichteten sich auf zwei Alben. Das selbstbetitelte Debüt wurde ein Schlüssel zu legendenbildender Energie und geiferndem Wahn. Duncan, wenn er mich beschwört, nur die ersten Monate des kommenden Jahres abzuwarten, impliziert auf den neue Werk der Band, das zwei Jahre nach dem wegweisenden Debüt, die verfluchte Schatulle aufstemmen soll.  Er lächelt wie der alte Krämer in Hongkong, dem ich vor wenigen Wochen diesen Würfel abkaufen konnte, ein Puzzle in der Tat, dessen Konfiguration ich noch nicht entschlüsselt habe: “Just you wait until Rage Of Achilles hits 2004.This is just the beginning of something very special indeed.”

Nimrod

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