Hymnen gegen die Ahnungslosigkeit Soulmate
Beinahe will es scheinen, als sei die Bremer Powerchord-Band Soulmate schon eine Ewigkeit around. Tatsächlich sind es nur 11 Jahre. In der Zeitrechnung der Musikindustrie, die sich von Hype zu Hype permanent an jedem potenziellen Eingang in ein neues Goldenes Zeitalter immer zügiger vorbeihangelt, mag diese Hartnäckigkeit jedoch aller Grund zur Verzweiflung sein. Die nächsten großen Dinger werden per Quartal gebreakt und schneller noch… undone. Namen werden geboren, besser noch in Korrespondenz mit einem überbezahlten Kreativteam generiert, flächendeckend aufgestellt, platziert, tapeziert und binnen Wochen vergessen… Innerhalb dieser Zeitrechnung sind Soulmate ein völlig absurdes, sicherlich nicht einzigartiges, jedoch nichts desto trotz vollkommen unbegreifliches Phänomen.
Soulmate sind - nur zu wahrscheinlich ohne jedwede diesgeartete Intention - die Antithese zu der Schnelllebigkeit, aus der die damit fluchbehaftete Branche gegenwärtig noch kein Anzeichen auf Befreiung zeigt. Das Gegenteil ist der Fall - die Konzerne verscherbeln ihre Musikabteilungen, nennen es Merger, weil sich Aus und Tod und Sterben zweifellos beschissen anhören. Sie sehen keinen Weg mehr aus der Krise. Und für sie gibt es kein Grund weiter zu machen… auf deren Ebene haben Gefühle niemals eine wesentliche Rolle gespielt. Und Gefühl ist es, das eine Band wie Soulmate durch die Jahre treibt.
“And we are older now. Selling dreams again.”
Soulmate sind eine der unzählbaren Bands, die ohne eine große Öffentlichkeit die Chance genutzt haben, sich und ihren Sound permanent zu entwickeln. Ihr aktuelles Album “Revolving” ist an Geschichte so trächtig wie es der Name impliziert - natürlich flackern da Referenzen wie The Beatles und Mission of Burma auf, und ganz sicher sind das keine Irrlichter. Die hymnischen Refrains spiegeln auch U2 und vor allem R.E.M. zu Hohezeiten, die längst aus dem kollektiven Gedächtnis einer ahnungslosen Generation gedrängt sind, für die diese Namen nur noch - und man kann leider nicht behaupten, dies sei nun gar nicht nachvollziehbar - auf saturierten Altherrenscheiß referieren. Mit einer sehr ähnlichen Vehemenz wie sie Wilt auf ihrem letzten Album “My Medicine” in die Akkorde explodieren ließen, unterlegen Soulmate ihre perfekt dramaturgisierten Hymnen, die das Potenzial haben, auch nach einer weiteren Dekade noch als wegweisend wahrgenommen zu werden. Ähnlich “My Medicine” von Wilt ist auch “Revolving” ein Album, welchem man den großartigen Anspruch anhört, seinen Schatten nicht für eine kurze Zeit mächtig in den Raum zu projizieren, sondern bis weit in die Zukunft zu werfen. Soulmate wissen darum, haben es erfahren, dass Musik zu ihrer wahren Größe wächst und nicht einfach so aufgeblasen werden kann.
“Revolving”, das zweite full length Album von Soulmate ist gerade erscheinen auf Make My Day Records/Zomba.
Nimrod
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