Freitag, Februar 20, 2004
„Spirit on Parole“, befand Dirk Franke damals anlässlich der Veröffentlichung des Albums, sei wohl die untertriebenste Musik, die ihm je vorgekommen sei. Es sei ein Album für dessen Größe man wirklich etwas Zeit aufwenden müsse. Mit „Passoa“, nach drei Jahren endlich ein weiterer zarter Ausschlag auf dem Emographen, verhält es sich zunächst nicht unähnlich. Allerdings wächst die Morgenröte nun schon nach kaum mehr als drei Zyklen aus dem für die Songs erwachenden Gemüt. Die Nacht ist vorbei, so klingt es hymnisch erhabenen von den Gipfeln, die sich die Songs aus der dunkel brütenden Melancholie erklimmen. (Continued)
Freitag, Februar 20, 2004
Man kann Jahre nach Mogwai, Sigur Ros und Godspeed You! Black Emperor, Jahrzehnte gar nach Pink Floyd, nicht mehr annehmen, man würde mit dem Slogan „epischer orchestraler Rock“ noch einen Innovationsbonus einheimsen. Ostinato aus Virginia funktionieren mithin dieser Parameter. Manchmal flirren die Gitarren auch wie in den frühen Neunzigern bei diesen Briten, ohne die fast keine vermessene Referenzliste auskommt. Tatsächlich bieten Ostinato aber mehr als nur Musik für Spätgeborene. Der Titel des „offiziellen“ Debüts „Left too far behind“ mag zwar alles andere als Zuversicht verkünden, suggeriert gar einen Bart länger als der von Rick Rubin, aber ich habe wirklich keine Ahnung, warum sich Ostinato – so vermeintlich – auf den Schwanz treten, den sie an Geschichte, Kontext und Ideen etwas zu schüchtern hinter sich herwedeln. (Continued)
Freitag, Februar 20, 2004
Eigentlich war es eher widerwillig, dass sie sich eine Eintrittskarte gekauft haben. Sie sind nicht als Fans hier, versprechen sich kein gutes Konzert, sie sind nur die Begleitung. Selbstverständlich trinken sie den ganzen Abend nur Cola und Apfelsaft und möchten die angebliche Faszination gar nicht nachvollziehen, die der sturzbetrunkene Kerl halb verständlich von der Bühne lallt. Für die elegischen Refrains haben sie sich auf einen Slogan geeinigt, der in den Foren zügig die Runde macht. „Jammercore“ nennen sie das. Kurzzeitig konnte man auf den einschlägigen Seiten auch etwas von „Mädchen-Core“ lesen, aber es wurde schnell beschlossen, dass dies nicht so wirklich korrekt wäre. (Continued)