A New Dawn Rising Cobolt

„Spirit on Parole“, befand Dirk Franke damals anlässlich der Veröffentlichung des Albums, sei wohl die untertriebenste Musik, die ihm je vorgekommen sei. Es sei ein Album für dessen Größe man wirklich etwas Zeit aufwenden müsse. Mit „Passoa“, nach drei Jahren endlich ein weiterer zarter Ausschlag auf dem Emographen, verhält es sich zunächst nicht unähnlich. Allerdings wächst die Morgenröte nun schon nach kaum mehr als drei Zyklen aus dem für die Songs erwachenden Gemüt. Die Nacht ist vorbei, so klingt es hymnisch erhabenen von den Gipfeln, die sich die Songs aus der dunkel brütenden Melancholie erklimmen.
 
von Nimrod

  
Man könnte, doch man sollte nicht… man sollte besser wenig Worte über die Vergangenheit vor Cobolt verlieren. Schon die Vorgeschichte der Band – zum Beispiel war Sänger Magnus einst bei Refused – ist vollgestellt mit wirklich beachtlichen Momenten, man kann sich zu schnell darin verlaufen, und schließlich kaum noch bei „Passoa“ angelangen, welches doch das bedeutendste unter allen Kapiteln ist.
 
„Passoa“ – die ganzen Splitsingles und Eps mal ungezählt – ist das dritte Langspielalbum der Schweden. Es ist das erste Album, das auf Vinyl erscheint, für das man allein dieser Form wegen wirklich Zeit aufwenden, es drehen und wenden und selbst die Nadel aufsetzten kann. Das hoffnungsvoll grün gestaltete Artwork darf man in angemessenem 12-Zoll-Scope bewundern. Niemals geht dieses Album einfach so an einem vorbei. Bekanntlich hab ich es ja etwas mit dem Pathos, aber der Klimax, zu dem hin sich die Stücke auf „Passoa“ stets hin entwickeln, ist wirklich von der ganz und gar entwaffnenden Erhabenheit des ersten Lichtes, das über die Schwelle der Nacht tritt. Und glauben Sie mir, dieses mal untertreib ich noch. 
 
Die Songs auf „Passoa“ entstammen einem neuen Zyklus der Melancholie. Es ist nicht das Lied der Dämmerung, gebannt von der Furcht der Einsamkeit, an  dem dieses Album bis zum Gebrechen trägt. In den Harmonien bricht sich neues Licht. Die Narben sind zwar deutlich noch, tief hineingegraben in die Essenz ihrer Songs, jedoch finden Cobolt zu einer neuen Qualität der Leidenschaft. Die Welt kommt wieder in Bewegung. Dem Singer/Songwriter-beeinflussten Indierock widerfährt ein neues, treibendes Moment. Und die in sattes Grün getauchte Hoffnung ist die Farbe, die das Erwachen der Songs in ihren Refrains mit epischem Pomp zu Klassikern des Genres krönt. 
 
 
„Passoa“ erschien als Vinyl only bei Mi-Amante Records (www.mi-amante.de). Die CD ist als Import über Bcore erhältlich.

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