PSI-Rock History Ostinato

Man kann Jahre nach Mogwai, Sigur Ros und Godspeed You! Black Emperor, Jahrzehnte gar nach Pink Floyd, nicht mehr annehmen, man würde mit dem Slogan „epischer orchestraler Rock“ noch einen Innovationsbonus einheimsen. Ostinato aus Virginia funktionieren mithin dieser Parameter. Manchmal flirren die Gitarren auch wie in den frühen Neunzigern bei diesen Briten, ohne die fast keine vermessene Referenzliste auskommt. Tatsächlich bieten Ostinato aber mehr als nur Musik für Spätgeborene. Der Titel des „offiziellen“ Debüts „Left too far behind“ mag zwar alles andere als Zuversicht verkünden, suggeriert gar einen Bart länger als der von Rick Rubin, aber ich habe wirklich keine Ahnung, warum sich Ostinato – so vermeintlich – auf den Schwanz treten, den sie an Geschichte, Kontext und Ideen etwas zu schüchtern hinter sich herwedeln.

 

von  Nimrod
Das Jahr 1997 spendierte einen guten Sommer, um eine Band zu gründen. Virginia brütete unter sengender Sonne. Es war so scheißheiß, dass die Leute es vorzogen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Besonders beliebt waren die Keller und auch der Schatten einer Garage war besser als gar keiner. Wahrscheinlich gingen die Mieten für die großen, schattigen Mansions nur deshalb nicht in die Höhe, weil in diesem Sommer so viele alte Knacker abgekratzt sind. Jeremy, David und Matthew – seit Jahren schon dicke Freunde – mieteten sich sehr kostengünstig in ein geräumiges altes Haus. Und nachdem sie Kabel durch alle Zimmer gelegt hatten, erweckten sie etwas… die Vision, mit der sie gegenseitig ihre Gedanken geschwängert hatten, erlangte Präsenz in diesem ehrwürdigen Gemäuer, mit sehr viel Hall und sehr viel Weite, manchmal auch kompakter als nur eine ätherische Essenz. 1998 unternahmen sie den ersten Versuch, diese Idee zu bannen. David sang von den Emotionen, die er aus der Essenz spürte, und seine Freunde – nicht weniger ergriffen von der Atmosphäre der staubigen Räume – zogen ab und an die Laken von den alten Möbeln und sangen aus dem Hintergrund – fragil, dezent morbide und schlichtweg schaurig schön – den einsam zweisamen Gespensterreiterchor.  Zwischenzeitlich, früher oder später, und an einem anderen Ort – so genau muss man dies bei einem so zeitlosen Thema ja nicht nehmen – verstarben dann auch noch Helmet, My Bloody Valentine, Mogwai, Burton C. Bell (in den hohen Tonlagen) und „Vae Solis“ von Scorn, und auch die suchten Ostinato fortan heim.
„Unusable Signal“ nannten Ostinato dieses erste Experiment, den PSI-Rock-Selbstversuch. Das Album Null, für’s Debüt genügte ihnen die Umsetzung noch nicht. Ungeachtet der schon damals vollkommen übertriebenen Untertreibungen, mit denen sich die drei Musiker selbst kasteiten, stieß aber dieses Album Null auf ein durchaus beachtliches Interesse, und Ostinato – durch ihren steten Umgang mit den Transluziden schon ein wenig verschrullt – fanden wieder ein Stück zurück in die solide Welt. Sie gewannen neue Freunde, die zu ihrer Meinung standen, und durch die man nicht einfach so hindurchlaufen konnte.  Dave begann bei The Hidden Hand zu trommeln. Sie lernten Bruce Falkinburg kennen, den Produzenten, den sie nicht lange umschmeicheln mussten, ach wie toll sie seine Zusammenarbeit mit Clutch und so fanden, er war einer, der dem paranormalen Hybridsound von Ostinato sofort etwas abgewinnen konnte. „Jungs“, soll er gesagt haben, „Seele habt ihr wirklich genug in eurem Sound, jetzt machen wir noch so viel Bums, dass es eure Ätherkumpels die Wand hochdrückt.“ Wie genau nun Falkinburg und Ostinato die 26 Dimensionen, die sich mittlerweile innerhalb der salpeterüberwachsenen Steinwände der alten Mansion aufgetan haben, auf dieses eine Album, „Left too far behind“, bringen konnten, darüber soll – angeblich auf ausdrücklichen Wunsch des multidimensionalen Rats – Stillschweigen ausgemacht worden sein. Die Fakten werden sicherlich dennoch irgendwann durchsickern, aber zunächst kann die Chronik hier mit dem Hinweis geschlossen werden, das aktuelle Album doch bitte selbst auszuspekulieren und wüste Vermutungen darüber anzustellen, wo sich das Zeitloch auftun wird, in dem man einen Gig der Europatour im Frühjahr gleich doppelt sehen kann.
www.mainstreamrecords.de

 

Post a Comment
*Required
*Required (Never published)