Elfen und Trolle - drollige Elfen - Under Byen

Es war einmal: Mitte der Neunziger begab es sich, dass die beiden Freundinnen Henriette Sennenvaldt und Katrin Stochholm beschlossen eine Band zu gründen und eigentümliche Lieder zu schreiben. Seither wuchs das Projekt und immer, wenn notwendig, nahm man ein Instrument samt Musiker hinzu. So wuchs die Band stetig und hat sich inzwischen auf einen Tourstamm von sieben Personen eingependelt. Man kommt nicht umhin die Musik irgendwie als nordisch oder mystisch inspiriert einzuordnen. Die Namen anderer Skandinavier fallen automatisch: Sigur Rós, Björk, Mew und vor allem Stina Nordenstam. Bei Letztgenannter liegt es sicher auch daran, dass die Band für ihre erste Veröffentlichung „Kyst“ (1999) Manne von Ahn Öberg, den Produzenten von Frau Nordenstams „Dynamite“ (1996) wählte. Nichtsdestotrotz vermag ihre Musik die Luft mit Magie zu füllen und Herzen zu berühren. Von düsteren Klangschwaden und Elfengesängen zu parlieren ist sicher unnötig, denn nur der individuelle Hörtest zählt letztendlich. Ihre jüngste Veröffentlichung ist hierzulande der Longplayer „Det Er Mig Der Holder Trærne Sammen“ der auch im letzten Heft besprochen wurde. Neben zahlreichen Kooperationen, Theater- und Performancemusiken gibt es auch einen Soundtrack zum Film „2 Ryk Og En Aflevering“ (läuft auch unter „2 Moves And A Pass“ oder „Kick’n'Rush“, 2003) und eine Live-EP vom Haldern-Pop-Festival (2003). Das im Interview angesprochene Album „Andersens Drømme“ sollte im Mai in Dänemark erscheinen ist aber auf der Homepage der Plattenfirma bislang noch nicht gelistet.
Dresden, 03.04.2004, Elbufer, die Sonne scheint
Ihr habt nur noch zwei Konzerte zu spielen auf eurer Tournee. Wie war die Reaktion des Publikums hierzulande bisher?
Henriette Sennenvaldt: Sie waren sehr freundlich zu uns. Danke für die Unterstützung. (allgemeines Gelächter)
Ist es nicht ulkig auf Tour zu gehen und ein Album zu bewerben, das eigentlich schon drei Jahre alt ist und erst jetzt bei uns erschienen ist? Inzwischen habt ihr außerdem an einigen anderen Projekten gearbeitet.
Nils Gröndahl: Ja, das ist schon ein wenig seltsam. Die Songs sind schon drei Jahre alt und seitdem spielen wir sie ständig.
HS: Wenn wir eine Tour spielen ist es nicht in erster Linie Promotion für die Platte, zuallererst sind es für uns Konzerte. Ich denke da nicht an Werbung, außerdem werden wir in Kürze was neues aufnehmen. Beim Konzert gestern haben wir versucht ein paar von den neuen Liedern zu spielen.
Nach der Tour geht es sofort ins Studio hab ich gelesen, also sind ein paar Song schon vorbereitet?
HS: Ja, und gestern haben wir auf dem Konzert ein paar gebracht, um sie auszuprobieren.
Also habt ihr die Songs schon fertig bevor ihr ins Studio geht und macht euch nicht erst dort Gedanken?
Thorbjørn Krogshede: Das kann schon passieren, keine Songs, aber kleine instrumentale Dinge finden wir manchmal im Studio. Wir haben einfach ein paar der Lieder mit auf Tour genommen, zum ausprobieren und um daran zu feilen. So entwickeln wir unsere Stücke.
NG: Gestern haben wir eigentlich nur drei, vier Songs von den beiden Alben gespielt.
Gestern war in Dänemark der große Festakt zum Hans-Christian-Anderson-Jubiläum und die Aufführung des Anderson-Projekts. Hat dort noch jemand, außer dir von der Band mitgewirkt?
HS: Nein, das war nur ich zusammen mit einem Mädchen Jomi Massage. Kennst du sie?
Nein, ich hab nur von Nicolaj Nørlund und Naja Marie Aidt gelesen.
HS: Nicolai ist der Produzent des Albums, singt auch bei einigen Stücken und hat glaube ich auch welche geschrieben. Naja Marie Aidt ist Dichterin. Wir haben aber nicht mit ihr zusammengearbeitet. Nikolaj Nørlund hat mit ihr an den Gedichten gearbeitet. Praktisch haben wir ein bisschen Musik geschrieben, zu einigen der Träume die Hans Christian Anderson in seinem Traumtagebuch festgehalten hat. Nicolaj Nørlund bat ein paar Dichter diese Träume wieder aufzunehmen und selbst daraus etwas zu entwickeln und dann ein paar Musiker um Lieder aus den Gedichten zu formen. Ich habe mit Jomi Massage gearbeitet. Sie ist das Rock’n’Roll-Girl von Dänemark (NG: DAS Rock’n’Roll-Girl), die Rock’n’Roll-Queen von Dänemark und wir haben eine Art Musicalsong zusammen gemacht. Ein bisschen beaty … Beaty ist ein wenig … Yeah.
Eure Musik beinhaltet eine Reihe von Elementen, die besonders typisch sind für Bands aus dem nördlichen Teil Europas, deshalb werdet ihr auch oft mit Sigur Rós, Björk, Mew oder Stina Nordenstam in Verbindung gebracht. Gibt es eine bestimmte nordische Inspiration die alle eint?
HS: Natürlich. (Anm.: So eine Antwort hatte ich befürchtet.)
TK: Na klar gibt es da etwas, dass uns verbindet. Aber es ist schwer zu sagen was es ist. Ich glaube nicht, dass wir Musik auf dieselbe Weise machen. Aber es ist etwas, dass man nicht beschreiben kann.
HS: Wenn man in ein anderes Land kommt, sieht man die Leute auf der Straße und immer kann man ein spezielles Aussehen feststellen. In Deutschland sehen die Menschen eben deutsch aus. Das Lustige ist herauszufinden was es ist, dass Leute deutsch aussehen lässt. Aber es ist schwer zu sagen was ihr Aussehen verbindet. Aber man weiß definitiv, dass ihr Äußeres etwas verbindet. Und das ist dasselbe im Sound der Leute. Natürlich ist man ein Produkt des Platzes an dem aufgewachsen ist. Aber es ist schwerer zu sagen was es ist, wenn du derjenige bist und von dort kommst.
Ihr habt euch entschieden dänisch zu singen, die Hauptbegründung war, dass es euch in den Songs in erster Linie um die Stimmung und die Gefühle geht. Ich möchte euch da sowohl zustimmen, als auch wiedersprechen. Sicher kann man auch ohne Text in die Stimmung eintauchen, aber andererseits sind die Bilder und die Gefühle doch stark textabhängig. Wenn man parallel die Übersetzung liest bekommt man oft einen ganz anderen Eindruck da ihr eine sehr bildorientierte Sprache gewählt habt.
HS: Ich weiß, dass das manchmal Probleme verursacht. Wenn ich Musik höre verstehe ich auch gern die Worte, weil es mich interessiert. Und manchmal ist es ein Problem, dass Leute, denen das genauso geht mich nicht verstehen. Aber andererseits kann es auch ein Vorteil sein, zum Beispiel beim Klang. Unterschiedliche Sprachen haben auch einen unterschiedlichen Klang. Und für manche ist Dänisch sicher schön, weil es einen ganz anderen Klang hat. Außerdem glaube ich an die Aufrichtigkeit, die du bekommst wenn du in der eigenen Muttersprache singst, weil es dir näher ist, ehrlicher, körperlicher, aufgrund des direkten Kontakts. Du musst nicht darüber nachdenken was du sagst. Das sind die Klänge die ich einfach benutze, um meine Gefühle auszudrücken. Deshalb sind sie vielleicht direkter auf die Art wie ich singe bei einer Person, als bei einer Person die etwas liest. Es ist auf jeden Fall der Ausdruck dessen, was ich denke während ich singe. Ich kann auch nicht beeinflussen wie jemand auf mich reagiert. Das ist Liebe, die Welt… you know.
Ich denke auch, dass viele Bands nicht richtig ausdrücken können, was sie transportieren wollen, weil sie eine andere, als die eigene Sprache verwenden und der eigentliche Ausdruck durch den Übersetzungsvorgang herausgefiltert wird. Besonders bei Gefühlen wird es dann sehr schwierig.
HS: Ja, durch die Übersetzung wird es meist sehr Intellekt basiert. Das denke ich auch. Wir sollten vielleicht wirklich mal ein paar richtig gute Übersetzungen machen, für die Menschen die es wirklich interessiert. Wir haben auch schon versucht jemanden zu finden.
Ich hab die Übersetzungen auf der Lars Dideriksen Fan-Page gefunden. (www.larsdideriksen.com/underbyen/)
HS: Ich glaube er hat die selbst übersetzt. Ich weiß nicht, ob die so korrekt sind, aber auf jeden Fall besser als gar nichts. Wir sollten jemand finden der gut in Englisch ist.
Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass ihr einen Remix für Rammstein gemacht habt. Das erschien mir irgendwie merkwürdig. Wie kam es dazu? Hat die Band euch kontaktiert?
NG: Ja. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie kannten die uns. Hast du es gehört?
Ja, ihr habt fast den kompletten Gesang entfernt und ein Streicherarrangement draus gemacht.
Alle: Ja, (Gelächter)
Nur von Refrain ist ein Teil übriggeblieben. Aber irgendwie passt es zur Stimmung.
TK: Es hat Spaß gemacht es zu tun.
Stine Sørensen: In die Stimmung von Rammstein?
Nein, nur zum eigentlichen Song „Ohne Dich“. Klingt wie eine kleine Sinfonie zum eigentlichen Song. Vielleicht war euer Ansatz, dass die Hörer sowieso das Original kennen und man deshalb auf den Text verzichten kann?
NG: Ja, irgendwie so…
SS: Wir wollten den Gesang nicht so sehr einsetzen. Wir haben den Song nur als Ausgangspunkt verwendet und dann eher eine Coverversion aufgenommen.
TK: Außerdem wissen wir gar nicht wie man remixt. Wir kennen uns nicht so mit Computern aus und haben davor nie versucht was zu remixen, deshalb war es für uns einfacher eine Coverversion zu machen und es dann Remix zu nennen.
Eurer erste Veröffentlichung in Deutschland erschien auf dem Haldern-Pop Label jetzt das Album auf SPV. Gab es einen Grund zu wechseln?
NG: Das mit Haldern-Pop war eher Zufall. Wir spielten auf dem Festival 2003 und es wurde aufgenommen. Was wir zu dem Zeitpunkt gar nicht wussten und dann wollten sie es veröffentlichen. Mehr war da nicht. Und SPV machen ihre Arbeit gut.
Also erscheint die nächste Veröffentlichung auch dort?
NG: Das wissen wir noch nicht.
Was mich ebenfalls erstaunte war eure Zusammenarbeit mit Howe Gelb. Er ist ja hier in Dresden auch ein regelmäßiger Gast im Starclub, entweder mit Giant Sand (Anm.: 26.6. nächstes mal) oder auch solo. Habt ihr euch irgendwo getroffen? Ich las, dass seine Frau auch aus Aarhus stammt, wie ihr.
Ja, sie haben in Aarhus gespielt und sie wollte ihr Kind zuhause zur Welt bringen. Und da haben wir ihn getroffen.
Ihr habt dann auf der LP „The Listener“ mitgewirkt und auch auf einigen Stücken der nachfolgenden Alben?
HS: Wir haben mit ihm einen Song für das neue Giant Sand-Ding gemacht und einige von uns haben ihn auf „The Listener“ begleitet. Wir haben ihn getroffen und ein paar seiner Konzerte gesehen, mit ihm gesprochen und er lud uns ein ihn zu treffen. Wir mochten uns und er fragte, ob wir mit ins Studio kommen und wir arbeiteten sehr locker und spontan. Eher so kommt vorbei und mal sehen was passiert. Und wir sagten: „O.K. Wenn du uns bitte produzierst, dann spielen wir auch für dich. Machen wir ein Geschäft.“ Aber dann haben wir nie mit ihm als Produzent gearbeitet. Er war zu sehr mit seinem Projekt beschäftigt zu der Zeit. Trotzdem war es eine gute Lektion für uns mit ihm zu arbeiten, außerdem stärkt so etwas das Selbstvertrauen.
Habt ihr schon einen Produzenten für euer nächstes Album?
HS/NG: Ja.
Jemand den man kennt? Oder wollt ihr noch nichts verraten?
HS: (eher fragend auch an die anderen) Ich denke wir sollten es noch für uns behalten, als Geheimnis. Ich weiß nicht.
TK: Ich weiß auch nicht, vielleicht…
(Anm.: Im Internet munkelt man von einer erneuten Zusammenarbeit mit Manne von Ahn Öberg.)
Das erste Mal habe ich von euch auf dem Roskilde-Festival letztes Jahr gelesen. Ihr erhieltet einen euphorischen Konzertreview und fünf von sechs möglichen Zelten (so eine Art Bewertungsskala, wie Sterne zBsp.) im Festivaltageblatt.
NG: Das war ein gutes Konzert.
Leider hab ich euch da verpasst.
Weil du die Pixies gesehen hast?
Ja.
HS: Wir hätten auch lieber die Pixies gesehen.
Wie kommt ihr jetzt damit zurecht, dass Katrine Stochholm, die mit dir zusammen stets die Kernideen der Songs entwickelt hat, die Band verließ?
HS: Ja, Katrine ist weg und Myrtha (Anm.: Myrtha Wolf (Cello) in der Band von 1997-2004) auch, sie ist in die Schweiz gezogen. Dafür ist Stine neu und Morten ist noch neuer. Das wird schon gut gehen. Veränderungen gibt es immer wieder, wir sind ja auch einen Menge Leute. Wir haben mit der Band vor zehn Jahren angefangen und auf dem Weg konnten manche ihr Leben nicht mit der Gruppe vereinbaren.
Sicher ist es schwierig eine so große Band über eine längere Zeit zusammenzuhalten?
HS: Ja, Katrine zum Beispiel arbeitet jetzt an ihrem Soloalbum. Ich weiß nicht ob Myrtha in der Schweiz mit der Musik weitermacht. Sie macht jetzt Kunst, Plastik, an einer Schule. So eine Schule gibt es nicht in Dänemark, deshalb ging sie fort.
NG: Außerdem hatte sie uns satt, denke ich. (grinst)
HS: Genau, sie war uns müde. (alles lacht) Aber jetzt haben wir neues frisches Blut.
Und macht es Spaß in der Band?
Morten Svenstrup: Ja, absolut. (Lachen) Nein ich hasse es, hihi.
NG: Die Jüngeren müssen immer unser Zeug tragen.
HS: Was ist für dich der Unterschied, wenn du die Texte liest oder nur die Songs hörst?
Ich wollte einfach wissen, was du singst. Und als mir die CD dann noch mal angehört habe, hab ich versucht parallel zum Gesang die Übersetzung mitzulesen. Und das war ganz interessant, denn niemand denkt an einen Kutscher und eine Wagenfahrt zBsp. in „Om Vinteren“. Vielleicht kommt die Stimmung rüber, aber niemand hat automatisch das Bild vor Augen. Das heißt aber noch nicht, das sich der Text komplett erschließen lässt, aber man hat zumindest das Bild. Es handelt sich ja nicht um eine Geschichte sondern mehr um narrative Bilder die aneinander gereiht werden.
HS: Ja, beim Schreiben ist nicht so viel Gehirn involviert.
Häufig sind es sehr starke gehaltvolle Bilder, zBsp. in „Byen Driver“.
HS: (auf deutsch) Vielen Dank.
Manchmal sind es auch nur einzelne Worte, Begriffe, Dinge, welche die Vorstellung anregen. Insgesamt ist es sehr offen gehalten für eigene Interpretationen.
HS: Ja, auf jeden Fall. Vielleicht ist es gut wenn es niemand versteht, vielleicht wären sie auch verstört.
Foto:
v.l.: Nils Gröndahl (Violine, Säge, Lapsteel, Gitarrenpedale), Morten Svenstrup (Cello), Sara Saxild (Bass), Stine Sørensen (Schlagz, Percussion, Chorgesang), Thorbjørn Krogshede (Klavier, Orgel, Klarinette), Henriette Sennenvaldt (Gesang), Morten Larsen (Schlagz.)
Anmerkung 11/06:
In den Angaben zu den Aufnahmen von „Samme Stof Som Stof“ (VÖ: 13.10.2006) sind Studios in Kopenhagen, Århus und Brüssel vermerk und es wird kein Produzent explizit benannt, lediglich als Toningenieure werden Anders Lind, Lasse Lyngbo (Crunchy Frog), Morten Bue und Jakob Berthelsen benannt.
Unter den zusätzlichen Musikern taucht auch die ausgestiegene und im Interview erwähnte Myrtha Wolf auf und die ebenfalls ausgestiegene Gründerin Katrine Strochholm hat bei drei Stücken an der Musik mitgewirkt.
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