Thriving on Neglect Aroah
Als vor anderthalb Jahren mit dem Booking der Künstler für die zweite Pop Up Messe in Leipzig begonnnen wurde, stand auch ein Acuarela Showcase kurz zur Debatte. Irene Tremblay, die auf dem spanischen Kultlabel gerade ihr Debüt als Aroah veröffentlicht hatte, war allererste Wahl … die Idee scheiterte dann aber leider am Rock Bottom Budget der Veranstaltung. Die Flugtickets für die Musikerin und ihre Begleiter waren einfach nicht drin. Es war schlicht zu teuer, sich den edlen Spürsinn mit Aroah vergolden zu lassen, es war zu teuer, schließlich sagen zu dürfen: das Pop Up Team hat es schon immer gewusst. Natürlich blieb in der allgemeinen Euphorie während und bis lange nach der Indie Messe nur wenig Muße der verpassten Chance nachzutrauern … und dass hier tatsächlich eine Chance verpasst wurde, davon weiß nach dem zweiten Album der Tremblay nicht mehr nur ein kleines Häuflein Beinhartfans, inklusive wir; allerorts werden es wohl die Spatzen gehässig von den Dächern käckern.
von Nimrod
Die Wahrheit ist: es wurden schon viele eilige Worte über Aroah verloren und das letzte Kapitel ist doch noch lange nicht geschrieben. „The Last Laugh“ bietet eine atemberaubende Perspektive auf das, was noch kommen wird. Auf diesem Album scheint sich die Songwriterin Irene Tremblay besser denn je gefunden zu haben. „Without the pretending – just lust … stronger than love”, beschreibt die Künstlerin mit „Katherine Says“, dem dritten Song dieser wunderbaren Kollektion, ihren neuen Weg, auf dem sie die perfekte Balance zwischen der Verspieltheit ihres Langspieldebüts und dem unmittelbar betörenden Charme ihrer ersten EP aus dem Jahre 2001 halten kann. Genau so wie „The Last Laugh“ also ein bedeutender Schritt nach vorn ist, muss dieses neue Album auch als eine Rückbesinnung auf einen Spirit gelten, für den die Musikerin vor allem in ihrer Heimat Spanien bereits zeitig mit überschwänglichem Lob bedacht wurde. Ihre Debüt EP wurde von zahlreichen spanischen Magazinen und Medien zur besten nationalen EP des Jahres 2001 gekürt. Es folgten Touren durch halb Europa mit Manta Ray – in Spanien nahe am leicht paradoxen Status von Indie-Superstars – Konzerte mit den Instrumental Post-Rockern Migala und mit Labradford.
Eine sichere, eine gesunde Entwicklung. Zu einem wirklichen Einklang zwischen diesem kontinuierlich wachsenden Renommee und der supernova-esque aufflackernden Euphorie anlässlich ihrer ersten Veröffentlichung kam es bis dato jedoch nicht. „The Last Laugh“ kann – und wird ganz sicher – die Schwelle sein, hinter der sich das grundlegend ändert. Das Album hat das verdammte Potenzial, wenigstens europaweit als Klassiker (auf Probe für die Sache) umschwänzelt zu werden. Aber auch die Verbindungen nach Übersee sind längst fest geknüpft.
Lässt man in diesem Bezug die Herkunft der Irene Tremblay mal außen vor – ihre Mutter ist Amerikanerin – so bleiben doch zum einen die hörbaren Einflüsse der Musikerin durch nordamerikanische Songwriterinnen wie Joni Mitchel (beinahe zwangsläufig), aber auch Tara Jane O’Neal und Julie Doiron, und zum anderen ist die Fertigkeit des melancholischen Genies Greek Weeks aus dem Sound des neuen Albums nicht wegzudeuten. Der Songwriter, der genau wie Tara Jane O’Neal und Julie Doiron bereits selbst auf Acuarela veröffentlichen konnte, hat „The Last Laugh“ im letzten Sommer (nach einer langen gemeinsamen Tour mit Aroah durch Spanien und die USA) produziert.
Es fällt leicht Weeks Acuarela-Ep „Slightly West“ als Vergleichsmoment für den in sich gewachsenen Aroah Sound heranzuziehen. Es ist unter anderem die Vielfalt der Instrumente – der Glocken, Celli und Flöten als Plus zum klassischen Bandformat – deren zauberhaftes Spiel sich genauso perfekt wie im Werk des Greg Weeks in das Konzept der genuinen Songs der Irene Tremblay fügt. Sie habe sich selbst ganz auf die Essenz der Songs konzentrieren wollen, bestätigt die Musikerin dieses Schema. Und tatsächlich hält das Toben der Ideen für die Momente inne, in denen Irene Tremblay mit ihrer bittersüßen Stimme das bezaubernd eingängige Grundthema eines jeden ihrer Songs ergreifend auslegt.
www.acuareladiscos.com.
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