Montag, August 23, 2004
Noch singt Arrington de Dionysos sein Gospel mit der schizophrenen Elegie eines abgefallenen Priesters. Noch predigt er Enthaltsamkeit von den Stimmbändern eines delirierenden Alkoholikers. Aber ihm ist das Licht schon längst erloschen. Und dies hier ist sein letzter Traum. Seine letzte Vision von der Hölle, bevor das Inferno seine Seele wirklich zu fressen beginnt. (Continued)
Montag, August 23, 2004
Produziert von Steve Albini, ist den Japanern Mono mit dem dritten Album ihr bisher symphonischstes, vielfältigstes und gleichsam dichtestes, unbestreitbar ihr schönstes Werk gelungen. Ihre Kompositionen sind als Surrogate für einen zähen Kampf an den ätherischen Grenzen zwischen dem Dies- und Jenseits, zwischen dem Engel Hoffnung und dem Geist der Verzweiflung, nachfühlbar. Sie sind erlebbar. Dass Mono ihre gespenstisch schöne Atmosphäre um ein archaisches Motiv weben – zudem mit einem Klanggarn, das schon vielfach zwischen Godspeed You! und Mogwai hin und her gesponnen wurde – ist der Intensität der dunkelwarmen Berührungen, die man hier erfahren kann, nicht wirklich abträglich. (Ryko/Rough Trade)
Montag, August 23, 2004
Strategys Musik ist keine der grellen Farben. Der Echohall schwebt aus dem braunen Grau, den unscheinbarsten Nuancen der Nacht, trägt mit sich Klänge und dezente Melodien, denen man keine fixe Form zuschreiben möchte. Selbst die Stimme, die man während „Walkingtime“ erhört, verdichtet das gedankenwuchernde Okkulte nicht zu einer unverrückbaren Existenz. (Continued)
Montag, August 23, 2004
Books Lie sind längst kein unteres Semester in ihrer Brooklyner School mehr. Spätestens mit der Europatour hatte es auch diesseitig ordentlich rumort, wie hemmungslos die Band die üblichen Verdächtigen durch die ätzendsten Kloaken ihres Stadtteils zieht. (Continued)
Montag, August 23, 2004
Ein ganz herrlich schöngeistig, hoch sensibel verbrämtes Stückchen Musik ist „In a Safe Place“ geworden – genau, so sagt es der Titel, ein Album, bei dem rein gar nichts falschgemacht wurde. So dass denn auch dem Album nichts Böses widerfahre. (Continued)
Montag, August 23, 2004
Es gibt sicherlich viele ähnlicher Alben, den man in den letzten Jahren noch zu Gute halten mochte, dass sie ein achtbares Kondolenzgetute für ein früh verstorbenes Genrerevival hinunterspulten. Auch die Grabredner gaben sich noch rechte Mühe, fabulierten von Stoner Rock, Stoner Metal, American Dirt Rock, Blooooz und über die Siebziger, die niemals sterben. „Fulton Hill“, man muss das nicht unbedingt madig machen, ist immerhin eine weitere Lautmalung dieser Verfallskette. So klingt es, wenn die Leichenwürmer durch den Kompost furzen. Keine hoffnungsvollen Winde, nein, ganz bestimmt nicht. Was soll auch denn auch noch wachsen, aus diesem Mist?! (Relapse)
Nimrod
Freitag, August 20, 2004
Irgendwie ist die Zeit in die Sümpfe gekommen. Irgendwann. Sam Beam kann sich nicht erinnern. Aber gefunden haben sie ihn dennoch. Es gibt kein zurück aus der Zukunft mehr, so scheint es. Und es ist zum Verzweifeln. (Continued)
Freitag, August 20, 2004
Lebhafte Traditionen sind der natürliche Feind von Konservativismus und Orthodoxie. In der Diaspora, selbstverständlich, mag dieser Konflikt heftiger toben als irgendwo. Dort, wo die Grenzen zwischen Geschichte und Kultur enger fallen oder sich gar aufzulösen beginnen. (Continued)