Maria Solheim - Frail

Der zarten Frau Solheim, der man ob ihrer herzhaften Pianoelegien auf „Behind Closed Doors“ noch voreilig die Tori Amos nachsagen mochte, entdeckt auf ihrem dritten Album tatsächlich neue Aspekte hochemotionaler Fragilität. Es ist der Songwriterin gelungen, ihren Schmerz zu lieben und in vielen seiner dunklen Facetten zu verstehen und akustisch zu vermitteln. „Frail“ ist eine Tür, die einen zeitigen Winter in die Herzen bittet, wo sich die eisigen Tränen der Schneekönigin blutige Kämmerchen kratzen und das Gemüt mit Raureif überziehen. Songs wie Eisblumen, gezeichnet mit einer unterkühlten Eleganz. Reminiszenzen auf das Leben, das vergangen ist. Zerbrechlich und von einer morbiden Schönheit, die das Trübsal in der spärlich gegen die lange Nacht erleuchteten Kammer nur noch schwerer auf die Seele wiegt, die aber dennoch das einzige ist, was von den warmen Tagen bleibt. Die letzten Stricke, die den grauen Limbus überspannen, der zwischen Vergangenheit und Zukunft schwefelt. In ausgewähltem Klang symbolisierte Solitüden wie „Too Many Days“, „The Snow has Killed“ und „Natural Silence“ sind ein Salben mit Schmerz, das gegen die Versuchungen des Schlafes wirken soll. Denn nur im Schmerz, so scheint sich Maria Solheim sicher, liegt die Hoffnung auf einen neuen Frühling.

(Strange Ways/Indigo)
Nimrod

Post a Comment
*Required
*Required (Never published)