General Patton & The X-Ecutioners - Joint Special Operations Task Force
Es geht tiefer. Immer geht es tiefer. Tiefer als die Bilder, die wir sehen sollen. Tiefer selbst als das augenscheinliche Leid. Tiefer als die von Schmerz und Verzweiflung in die Gesichter gegerbten Furchen, die uns den Schrecken begrifflich machen sollen. Abends vor dem Fernseher. Gerne auch mal ganztägig, wenn es irgendwo mal wieder richtig rund geht. Schlimm ist es dort. Betroffenheit. Dabei müsste einem doch gerade angesichts der unglaublichen Geschwindigkeit, mit dem der Krieg heute um die Welt flimmert, bewusst werden, wie eng vernetzt Ursache und Bild in unserer neuen Weltordnung sind. China macht unsere Christbaumkugeln und im Irak, im Kaukasus und in den wüsten Bergen Baluchistans produziert man die gefragtesten Images, die sich alle Kanäle – auch wenn es nur bedingt Auswirkungen auf die Werbebuchungen hat – gierig ins Programm stopfen. Man kann einem Michael Moore sicherlich vieles vorwerfen (nicht zu letzt mit „Fahrenheit 9/11“ einen radebrechen konstruierten Fantasy-Film). Und dennoch hat der Regisseur ein ausgezeichnetes Auge für viele bedeutsame Details. Wenn er mit seiner Kameracrew durch die Malls der Kleinstädte zieht, für lange Einstellungen an verlassenen Häuserzeilen vorbeifährt, kurz, uns den Dreck zurück vor die eigene Haustür kehrt, dann beginnt es tatsächlich so tief zu gehen, dass man Menschen, die gerade einen Teil ihrer Familie verloren haben, nur sehr ungern damit konfrontieren möchte: Nicht dort beginnt ein Krieg, sondern hier.
Was würdest du tun, wenn der unbarmherzige Feind plötzlich auf dich losstürmt, bis an die Zähne bewaffnet?, zitieren die Joint Special Operations Task Force aus Mike Patton und der X-ecutioners Crew die Leitfrage ihrer Mission, die sie umgehend in die Dummheit ihrer einzelnen Elemente fragmentieren lassen: Unbarmherziger Feind? Stürmt auf mich los? Bis an die Zähne bewaffnet? In einem unglaublichen Kraftakt zerscratchen die Vinylvirtuosen X-ecutioners die Legenden der eigenen Kultur, auf denen sich Selbstsicht und somit auch die Perspektive auf „die Anderen“ begründen. Fragmente, die sie unter der Führung des General Patton zu einer kathartischen Drill verdichten, der sämtliche Illusionen von der Erhabenheit der eigenen kulturellen Entwicklung in die Hölle des Tatsächlichen aufbersten lässt. Die Wahrheit ist immer tiefer, tiefer als wir eigentlich wollen. Deshalb leisten wir uns unsere Avantgarde.
(Ipecac/Southern)
Nimrod
Post a Comment