Mittwoch, August 24, 2005
Wahrscheinlich gibt es keine Saite, die Herr Jurado noch nicht angeschlagen hat. Keines seiner Alben klingt wie eines seiner Alben. Mit jedem Moment jedoch ist jedes wunderbar. Trotzdem das Genie dieses Songwriters immer wie greifbar bleibt, hat er sich nie in die Falle der Repetition begeben. Unabhängig davon wie sich die Kritik begeisterte, unberührt von denen, die ein neues seiner Werke als ihren Zutritt zu seiner Welt begriffen und nun erwarteten, der Künstler würde seinen Lebtag nichts besseres zu tun haben als ihnen just dieses Pforte aufzustemmen. “On my Way to Absence”, das aktuelle Album, klingt nun vom Gipfel seines Schaffens, den sich Jurado zeitweilig bereits mit dem Vorgänger „Where Shall You Take Me?“ erklommen hatte. In einer kontemplativen Geschlossenheit, seine Perspektive über die Erfahrungen vorgezeichnet, scheint sich der Songwriter dauerhaft auf diese melancholische Distanz zu erheben. (Continued)
Mittwoch, August 24, 2005
Bis zu seinem letzten Album, “Philadelphia Songs”, war es in Europa noch sehr still geblieben, um diesen Songsmith. Obschon jenes Album bereits sein viertes war. Die Veröffentlichung seines Debüts für das schwedische Bad Taste Label im letzten Jahr und ausgiebiges Touren aber haben Witmer im Szenediskurs so sicher verankert, dass man „The River …“ nun vollmundig als „das neue Denison Witmer“-Album auf die Ladentheken stellt. Als wäre der Witmer schon eine unumstößliche Größe. (Continued)
Mittwoch, August 24, 2005
Zurück zum Trieb, zu den grundlegenden Gefühlen, zur Ursprünglichkeit jenseits der in ihrer Vielfalt aufreibenden Wege durch eine zunehmend abstrahierte Gegenwart. Ungewaschen in einer siffigen, alten Schule hausen, am Waldesrand, mit Tischtennisplatte und ganz sicher ohne Spielkonsole. Physisches Erleben. (Continued)
Mittwoch, August 24, 2005
Welches Faible Adam Pierce für die portugiesische Sprache hat, bleibt auch mit den vorliegenden Aufnahmen unerklärt, aber mutmaßen könnte man, dass „Bem-Vinda Vontade“ als Komplement des im letzten Jahr veröffentlichten „Obrigado Saudade“ zu verstehen ist. Pierce, der vormals betont selbstbezogen agierte, arbeitet auch auf dem aktuellen Album mit weitgehend den gleichen Musikern wie auf dem Vorgänger: Kristin Anna Valtysdóttir (Mum), Dough Scharin (June of 44, HiM) und Dylan Cristy von der Dylan Group, die auch das Line-Up der letzten Tour komplettierten. (Continued)
Mittwoch, August 24, 2005
Es gibt Musik, die sich jeder Erklärung widersetzt. Sie kratzt in den Gräbern jeder Seele. Schürft nach Schuld auf den Äckern der Verleugnung, bis aus den Schatten des Nichts ihre subjektive Bedeutung wie zähflüssiges Licht das dämmernde Bewusstsein mit dem Samen der Erkenntnis imprägniert. (Continued)
Samstag, August 20, 2005
Auch wenn der „Rache der Sith“, dem finalen Kapitel der vorgreifenden Episoden zur „Star Wars“-Saga, zugestanden wurde, das beste der Prequels zu sein, war dieses Lob doch kaum mehr als gefällig. George Lucas mag sein Vermögen über Spielzeug- und Merchandise-Lizenzen dupliziert, der Filmtechnik neue Standards gesetzt und nicht zu letzt dem eingeforderten Verlangen nach einer Bebilderung der Imaginationen genügt haben, und dennoch, scheint es, hat das ikonische Herzstück seines Imperiums nicht unerheblichen Schaden gelitten. Die Aura ist verkratzt. Wie tief diese Wunden sind, das kann indes erst die Zeit zeigen, die sich milde auch um die originären Teile gehüllt hat. (Continued)
Samstag, August 20, 2005
Kim Ki-duk zählt neben Kang Je-kyu, Kwak Jae-young und Park Chan-wook zweifellos zu den exponiertesten Vertretern des südkoreanischen Kinos. Niemand geriert sich auf diesem Status so exzentrisch, so rücksichtslos, wie der wilde Kim mit seinen in der Regel erheblich verstörenden Werken. Die Kontroversen sind anvisiert, und mit Sicherheit ist dieses Phänomen längst schon ins Marketing kalkuliert. Kein neues Werk, das es nicht sofort in Gehalt und Ästhetik heftig zu verhandeln gilt. Ein sicherer Posten, denn selbst ein kontemplatives Werk wie „… Spring, Summer, Autumn, Winter, Spring …“ verstört die Kritiker und Kenner, und dies, welche genehmes Paradoxon, genau aus dem Grunde, dass es eben nicht verstört. Nicht so sehr. Nicht wie man es von diesem Enfant Terrible immer erwarten muss. Immer.
Nach dem im Berlinale Forum wieder heftig diskutierten „Samaria“ (aka „Samaritan Girl“) vollendete Kim Ki-duk im Jahre 04 noch einen weiteren Spielfilm: BIN-JIP (aka 3-IRON). Aus dem Schatten des in das Zentrum eines breiten Diskurses gezerrten „Samaria“ tritt der leise, aber dennoch sicher heraus. (Continued)