Denison Witmer - The River Bends and Flows into the Sea
Bis zu seinem letzten Album, “Philadelphia Songs”, war es in Europa noch sehr still geblieben, um diesen Songsmith. Obschon jenes Album bereits sein viertes war. Die Veröffentlichung seines Debüts für das schwedische Bad Taste Label im letzten Jahr und ausgiebiges Touren aber haben Witmer im Szenediskurs so sicher verankert, dass man „The River …“ nun vollmundig als „das neue Denison Witmer“-Album auf die Ladentheken stellt. Als wäre der Witmer schon eine unumstößliche Größe. Hier war zweifellos der verzweifelte Wunsch die Mutter des Marketings, denn, klar doch, so einen hübschen Ankerplatz wünscht sich jedes Label, in Zeiten, in denen nur die Unsicherheit sicher ist. Was kann Denison Witmer aber nun tatsächlich aufbieten, um diese Spruchblase mit gewichtigen Lettern zu füllen, was, außer seine Präsentation auf ein kleines Bandensemble aufzustocken?
„The River …“ ist ein anständiges Album. Und das meine ich mit aller Ambivalenz, die sich aus einem solchen Statement leicht herauslesen lässt. Denison Witmer schreibt wunderbare Songs, von infizierender Melancholie, zurückhaltend hymnisch, und er schreibt gewiss nicht nur ein, zwei davon pro Album. So brennt in dem glühenden Opener „Looking For You“ seine Passion zwar lichterloh, es bleibt für die nachfolgenden Stücke aber deshalb nicht nur Asche zurück. Ach, wie zäh dieser Songschreiber großartige Momente von seiner Seele quält, wie grandios er diese hohe Kunst durchhält, bis zum sanft verklingenden letzten Ton. Einzig seine Stimme ist es, mit der er dieses Album nicht aus der ozeanisch angeschwollenen Vielfalt an Singern und Songwritern lösen kann, die seit geraumer Zeit nun schon versuchen, einem über Punk- und Hardcore sozialisiertem Publikum, die leisen Töne beizubringen. Ich spreche hier nicht von Kausalitäten und Grenzen, die längst aufgehoben sind. Nichtsdestotrotz ist der Trend dieser Veröffentlichungen selbst für einen begnadeten Musiker wie Denison Witmer schon zu erdrückend.
(Bad Taste)
Nimrod
Post a Comment