Isolation Years - Cover the Distance
Zurück zum Trieb, zu den grundlegenden Gefühlen, zur Ursprünglichkeit jenseits der in ihrer Vielfalt aufreibenden Wege durch eine zunehmend abstrahierte Gegenwart. Ungewaschen in einer siffigen, alten Schule hausen, am Waldesrand, mit Tischtennisplatte und ganz sicher ohne Spielkonsole. Physisches Erleben.
Es ist schon eine tolle Legende, die man den Schweden Isolation Years anlässlich der Veröffentlichung ihres dritten Albums mitgegeben hat. So elaboriert, dass man tatsächlich nicht umhinkommt, die sich aufdrängende Frage nach den musikalischen Konsequenzen dieser Grenzerfahrung über das Album beantworten zu wollen. Aber auch nicht unverdächtig, deutet solche zugereichte Mythenbildung doch zu häufig darauf, dass die Musik allein keinen wesentlichen Eindruck hinterlassen kann. Mitunter verkleidet man in solchen Worten auch eine drastische Zäsur. „Cover the Distance“, jedoch, führt einen ganz eigenwilligen Weg aus diesen brütenden Gedanken, ist gleichsam Renovation und Kontinuität, ganz sicher aber zeugt es nicht von der Reduziertheit, in die die Legende über das Leben in der Isolation deuten konnte. Fast schon überproduziert wirken Songs wie „Michael“ und „Look What I’ve Done“, deren hymnischer Charakter durch vielstimmigen Chorus gen Himmel gehoben wird, und darin dennoch Fortsetzung einer schon mit dem Vorgänger „Neon Golden“ gegenüber dem stillen Debüt initialisierten Entwicklung ist. Ein direkter Vergleich zwischen diesem „Inland Traveller“ und den aktuellen absolut großartigen und mitreißenden Songs scheint daher nicht angebracht. Isolation Years waren damals und sind heute nicht die selbe Band. Auch das macht ihren Output so andauernd wertvoll. Wenn sie obskure Wege gehen müssen, um sich so erfolgreich aus Gefahr der Repetition zu manövrieren, dann muss ihnen dies ohne hämisches Grinsen zugestanden werden. „Cover the Distance“, um das noch mal so klipp und klar zu sagen, ist ein wunderbares Album.
(Stickman/Indigo)
Nimrod
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