http://www.makepovertyhistory.org persona non grata » 2006 » Januar

Curse - Sinnflut

Es funktioniert keine Bewertung von hiesigem Rap mehr ohne perspektivische Argumentationsschlenker in Richtung Aggro Berlin. Das Feuilleton, insbesondere der ahnungslose Teil der Meinungsmacher und auch die Politik (nicht minder ahnungslos) fahren zusammen vor der verrohenden Dreistigkeit, mit der Sexismus, Homophobie und Nationaldünkel eben dort popularisiert werden. Die Metakritik erkennt in den Vulgärauswürfen der tumben would-be-G’s immerhin einen Zeitgeist-melkenden Marketingplan. (Continued)

Broken Social Scene - s/t

„We hate your hate“, steht an ausgesprochen prominenter Stelle geschrieben - wenn man sich daran macht, dieses schmucke Booklet aufzuklappen, um an den Kern der Dinge, die Musik, heranzukommen, muss man diesen Satz zur Kenntnis nehmen. Er ist mit ziemlicher Sicherheit höchst bewusst dort platziert - als zentrales Motiv, als unbedingte Motivation, als Vision und Attitude nicht nur dieser Platte, sondern der Menschen, die hinter dieser Musik stecken. (Continued)

Tribes of Neurot - Meridian
Harvestman - Lashing the Rye

Einer schummrigen Legende nach entstanden die Tribes of Neurot dereinst als Komplementär. Sie sollten das Ying zum Yang sein, die knarzende, wummernde Terz unter einem neuen, in apokalyptischen Rhythmen eingeschlagenen Neurosis-Album – ich glaube, es war deren „Through Silver In Blood“. Längst schon freilich hat sich dieser fiebrig zirpende und geschwülstig dröhnende Zwilling aus dieser siamesischen Liaison gestohlen, sich losgerissen aus Fleisch und Schatten, des ihn einst brüderlich umschlingenden und sich an seinen sonischen Sekreten labenden Geschwisters. (Continued)

Rainer Von Vielen - s/t

Hat man erst mal die Hürde des bescheuerten Namens genommen und sich dazu durchgerungen, den Tonträger in den Player gleiten zu lassen, erwartet uns Konsumenten gar Erstaunliches, ja Unglaubliches. Rainer, der Tausendsassa, der neben dem eigenen an diversen anderen Projekten beteiligt ist, seine Platten komplett im Alleingang zu erstellen pflegt (vielen Dank, die Beton-Bassdrum kickt wie ein Kurzschluss im Gehirn!) und als diplomierter Filmer auch schon das eine oder andere Filmchen gedreht hat, schüttelt mal eben eine der interessantesten Platten des vergangenen Jahres aus dem Jackenärmel. (Continued)

Rogue Wave - Descended Like Vultures

Oakland. Irgendwie klingt die Musik von Rogue Wave nach der kleinen Stadt im ländlichen Südwesten von Oregon. Man kann die Felder und Wiesen geradezu riechen, so sonnig kommen die Popjuwelen Zach Rogues daher. Im Nachfolger zum Erstling „Out Of The Shadow“ hat sich Rogue nun wirklich aus dem Schatten bewegt und eine Backing-Band organisiert, die seinen Songs den adäquaten Sound verpasst, wobei da vor allem Multiinstrumentalist Pat Surgeon zu erwähnen wäre. (Continued)

Bodekka - Hapi Nightmares

Nun, hier weiß ich gar nicht, wo ich mit dem Schwelgen beginnen soll. Solche Harmonie und Schönklang hüllt einen heute nur selten von aktuellen Tonträgern ein. Psychedelisch wabernde Farbteppiche und Lavalampengeblubber nehmen dich mit auf die Reise zu Farben und fließenden Formen. Das Quartett aus London saust vorbei an der am Straßenrand liegen gebliebenen Beta Band, überholt die British Sea Power rechts und kommt den Flaming Lips und Mercury Rev immer näher. (Continued)

What If God…Was A Thin White Man With A Big Nose dEUS

Als ich mich 1999 in meine Freundin verliebte, schenkte sie mir ein Mixtape. Darauf war u.a. auch ein recht trauriges Lied namens „Hotellounge“. Ich habe diese Stück damals sehr oft gehört. So kam ich zur Musik der belgischen Band dEUS. Live habe ich sie dann das erste Mal 2004 in Haldern gesehen. Der erste Auftritt seit ihrer letzten Tour zu „The Ideal Crash“. So lange bin ich nun auch mit meiner Freundin zusammen. Irgendwie scheint uns dEUS zu verbinden. (Continued)

“Reggae und Post-Rock? Spinnt ihr?” 5 Jahre Velocity Sounds

Fünf Jahre sind schon eine gewisse Zeit. Umso mehr, wenn man als Labelmacher agiert. Als Labelmacher in einer Stadt wie Leipzig, die doch ein paar Kilometer entfernt liegt von den Hauptverkehrstrassen des Musikbusiness und dann auch noch mit einem Idealismus an die Sache herangeht, der auf den Weg des geringsten Widerstandes verzichten lässt. Roland Bergner ist so ein Idealist. Einer, der über Genregrenzen hinausdenken möchte. Dem es nicht um einen wie auch immer gearteten „Sound Of Leipzig“ geht. Der sich nicht ein klar definiertes Trademark auf das Label Velocity Sounds kleben lassen möchte. Die Bilanz von fünf Jahren Aufbauarbeit. (Continued)

Don’t Break The Chain The Warlocks

And we tried so hard
And we looked so good
And we lived our lives in black
But something about you felt like pain
You were my sunny day rain
You were the clouds in the sky
You were the darkest sky
But your lips spoke gold and honey
That’s why im happy when it rains

Wie viele perfekte Bands gibt es? Wie viele Bands, deren Perfektion gerade nicht durch objektivistische Rechenregeln und normative Prinzipien zu fassen ist? Spirituelle Perfektion, wissen Sie? Weil, eine wirkliche Band ist ja kein Ding, eine Band ist ja im besten Fall ein Gefühl. (Continued)

Glücksgefühle. Oder: Ein Interview über “Zwei” zu dritt. Spillsbury

Anläßlich der Herbsttour zum neuen, wieder auf LADO erschienenen Album “Zwei” führte ich folgendes Interview mit Zoe Meissner (voc, git) und Tobias Asche (bass, programming). Zur weiteren Lektüre empfiehlt sich außerdem: png #67 mit dem dazugehörigen Artikel und natürlich spillsbury.de ! (Continued)