Rainer Von Vielen - s/t

Hat man erst mal die Hürde des bescheuerten Namens genommen und sich dazu durchgerungen, den Tonträger in den Player gleiten zu lassen, erwartet uns Konsumenten gar Erstaunliches, ja Unglaubliches. Rainer, der Tausendsassa, der neben dem eigenen an diversen anderen Projekten beteiligt ist, seine Platten komplett im Alleingang zu erstellen pflegt (vielen Dank, die Beton-Bassdrum kickt wie ein Kurzschluss im Gehirn!) und als diplomierter Filmer auch schon das eine oder andere Filmchen gedreht hat, schüttelt mal eben eine der interessantesten Platten des vergangenen Jahres aus dem Jackenärmel. So, als ob es das Einfachste der Welt wäre, tänzelt der Typ mit dem unsexy Namen extrem leichtfüßig um die vielen Fußangeln, die die deutsche Sprache so auslegt, will man mit ihr gekonnt reimen. Der Herr von Vielen knallt wie die Kugel in einer Slotmaschine an Anprallpunkte HipHop, Electro, India-Sounds und Dancehall, wird so beschleunigt Richtung Knarf Rellöm-Ironie und Die Sterne-Duktus geschossen, prallt zurück Richtung Seeed, vorbei an den Fanta 4, nur um im Anschluss den ganz, ganz weit außen liegenden Pol, der da Palast Orchester (ja, das vom Eierkopp Max Raabe!) heißt, kurz zu streifen. Alles kein Problem für RvV! Der holt sogar den weltweit auf allen No-Go-Indizes stehenden Slap-Bass zurück ins Geschäft. Brennt textlich ein Reimfeuerwerk ab, dass man glauben möchte, es sei das ganze Jahr Silvester. Da ist vom Napalm-Beachvolleyball die Rede, vom Twintower-Testsieger, Hiphop-Spacken und Popfaschisten kriegen ihr Fett weg. Dazu gehört auch, dass er im Song „Vorbei Gehen“ Rio Reiser-Gesang mit Breakbeats, Drum and Bass kreuzt. Bei RvV geht, was eigentlich so überhaupt nicht geht! Außerdem hat Rainer den Silberling in ein sehr edel daherkommendes Digipack gelegt, was die Sache nur noch runder macht. Auch auf der CD: Kurzfilme zu vier Songs der Scheibe. Dass Smudo von den Fanta 4 großer RvV-Fan ist, verwundert überhaupt nicht. Lassen sie sich also um Gotteswillen nicht vom seltsamen Namen abschrecken und greifen sie bitte, bitte beherzt zu! (EBENSOmusik) Arty Fischl

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