Peeping Tom - s/t
Jahre nach dem Kollaps von Faith No More, Jahren des Wanderns auf dunklen, steilen Schleichwegen weit jenseits gemeiner Wahrnehmbarkeit, entlang schreiender Psychosen und quälender Neurosen, Jahren in denen Mike Patton – und um keinen anderen Demigott geht es hier – mit seinem Label Ipecac und seinen zahlreichen Projekten, darunter Tomahawk und Fantomas, den Untergrund gewaltig umgepflügt hat, schickt er sich als Peeping Tom nun an, dem Mainstream wieder in sein müdes Herz zu greifen.
Die Maschine wieder zum Laufen bringen sollen die pumpenden Beats solch namhafter Kollaborateure wie Dan the Automator, Kool Keith, Amon Tobin und Massive Attack, den Kalk von den Kammern brechen soll die Vokalakrobatik des Meisters. Dabei schert sich Patton einen Feuchten um bereits sperrangelweit geöffnete Türen. Die Zusammenarbeit mit Grammy-Tante Norah Jones riecht nur so lange nach dreist Airplay heischendem Marketing, bis dass sich die Künstler wonniglich in ihren expliziten Lyrics ergehen – niemals über die Wellen einer größeren Radiostation der Staaten, never. In dieser Hood ist Patton zweifelsohne der „Spaceman“, als der er sich in einem Stück des Albums selbst tituliert, von ganz weit draußen. Unmöglich, dass hier jemand rafft wie der Kerl wirklich tickt. Und so wird man nicht umhin kommen, festzustellen, dass ungeacht tumber Spekulationen ob Faith no More heuer so klingen würden wie Peeping Tom, Patton auch mit sanfteren Tönen ein Dorn in der Seite der Gefälligen bleibt. Dude, that Faith no More dude ain’t that Faith no More dude no more! So weit liest sich das wohl, als wäre dieses Album ein Meilenstein. Und wirklich, ich kann mich natürlich nicht frei machen, von den großen Sympathien, die ich für Künstler und Werk hege. Gleichsam aber, das ist abzuwägen, mag sich aus dieser Verehrung auch eine Erwartungshaltung geriert haben, deren Schatten dieses Debüt nun einfach nicht entkommen kann. Das Album zieht einfach nicht an, zieht einfach nicht an der eigenen Legende und diesen Erwartungen vorbei um geschickt zurück zu loopen und mit undebattierbarer Genialität eine schon erhörte Zukunft an die Wand zu nageln, mit der sich der Mainstream seine eigene Perspektive verbaut. Das ist es, was über Peeping Tom leider festzustellen ist: Patton schlägt sperrangelweit geöffnete Türen zurück in den Mainstream zu, tritt aber auch keine Wände ein. Das Album verspielt dabei keine Sympathien der ihm ohnehin Zugeneigten, genügt aber auch hohen Erwartung nicht. Selbst ein Song wie „Mojo“, der deftigst lospumpt, verliert nach ein paar Runden schon den zunächst gefeierten Drive und tuckert nebensächlich, irgendwo auf seiner sicheren Bahn, ohne nachhaltig breite Spuren in die Erinnerung zu fahren. Dieses Album wird das abzusehende Gewese um sein Releasedate herum nicht lange überleben.(Ipecac/Soulfood)
Nimrod
arty fischl wrote:
ya woll, habe die kollegen donis und jensor ob dieses albums auch schon schwärmen gehört und in verzückung geraten sehen. donis brummelte sogar was von einem seiner top-five-alben des jahres. muss ja “ä düchtscher hammor” sein!!
so long,
arty
Posted on 27-Mai-06 at 9:50 am | Permalink
arty fischl wrote:
ach so: weiss eigentlich irgend jemand, wie man pattons label richtig ausspricht:
Ippe-sack
Ippe-kack
Ei-pie-säck
Ei-pie-käck
ebay-kack
ebay-sack oder -säck
odä waas?
Posted on 27-Mai-06 at 9:53 am | Permalink
nimrod wrote:
ähh nee … find ich gerade nicht … nutz sich recht schnell ab und ist alles andere als bahnbrechend. überzogene erwartungshaltung, ganz klar, aber ich bin dann doch bisserl ernüchtert.
Posted on 27-Mai-06 at 9:53 am | Permalink
DannyBoy wrote:
Das Label spricht sich Ippekäck, auch wenn das keine Lautschrift ist
Posted on 05-Jun-06 at 2:43 pm | Permalink
Vs wrote:
Das Album hat sicher hitpotenzial, aber zu behaupten mit dem Werk käme Patton seiner Ex-Band FNM am nähesten ist weit übertrieben.
Posted on 12-Jan-08 at 12:26 pm | Permalink