Großartig inspiriert Our Brother The Native

Wenn falsche Vögel tschilpend ihre Flügel lüften, in den verwegen schaukelnden Wipfeln verknorpelter Zedern, die ächzen, aber feste stehen, über einem wild wuchernden Dschungel Kraut, wenn man sich orientierungslos aber gut aufgehoben fühlt, völlig eingehüllt in den feinen Rauch, der aromatisch aus den trockenen Stengeln dieser ungezügelt gesprossenen Referenzen aufsteigt, dann konnte man sich bisher beinahe darauf verlassen, dass es ein Bruder vom Animal Collective ist, der da am tanzenden Feuer heißer Emotionen kokelt. Aber auch diese Jagdgründe sind nicht ewig, noch nicht einmal so abwegig wie sie lange schienen.
Von Nimrod
Our Brother the Native ist ein noch blutjunges Kollektiv. Vor allem aber ist es eine Idee, eine Vision. Erst anlässlich des von FatCat initiierten Open Circuit Festivals im Februar diesen Jahres sind Our Brother the Native zum ersten Mal persönlich aufeinander getroffen. „Tooth and Claw“, ihr Debüt für FatCat, war zu diesem Zeitpunkt schon fix und fertig im Kasten.
Zwischen 16 und 18 Jahren sind sie gegenwärtig alt, die Musiker, die sich ihre Songs zwischen Michigan und Kalifornien per Email hin- und herschicken – so lange, bis es perlt zwischen den so übereinandergerankten Ideen und Klängen. Die Suche nach dieser tief im Herzen ihrer Kompositionen gehüteten Brillanz gestaltet die Gruppe als spektakuläres Abenteuer. Man kann sich verlieren, in ihren Stücken. Man kann sich aufgeben. Aber genau das sollte man natürlich nicht. „Tooth and Claw“ ist ausladend, opfert neben all seinen grandiosen Perspektiven auf Dimensionen gar jenseits des Bewussten kaum noch Platz für tradiert abfedernde Struktur und ist mit Sicherheit kein leichtes Terrain. Viele der Gefilde, in welche sich Our Brother the Native fühlen, sind dennoch längst schon nicht mehr unentdeckt.
Our Brother the Native täuschen sich nicht selbst, machen sich nicht vor wie Pioniere ins Terra Incognita zu macheten. Deutlich spielen sie musikalisch und gar thematisch mit Referenzen, die Animal Collective seit Jahren durch dieses Gelände legen. Manchmal klingen sie fast, als hätten sich die erklärten Vorbilder diese kleinen Brüder unterwegs aus den Rippen geschnitten. Das Erstaunlichste an dieser etwas weit hergeholten Theorie wäre die Geschwindigkeit, mit denen der Spross den Ikonen auf Scheitelhöhe gewachsen ist.
Die Überraschung, dass ausgerechnet FatCat sich eine Band signt, die einen nicht unerheblichen Teil ihrer Inspiration so deutlich aus dem Werk eines der gegenwärtig populärsten Acts des Labels zieht, hält nicht lange vor. Natürlich müssen Our Brother the Native auffallen, im Kontext des Labels, der so verwegen weit gestreckt ist, dass hier bisher tatsächlich kein Künstler zu nahe an dem anderen klang, ja wohl nicht einmal Platz in einem ähnlich titulierten Genre beansprucht hätte. Aber andererseits, und für diese gravierende Erkenntnis muss man sich nur ein wenig auf „Tooth and Claw“ einlassen, sind Our Brother the Native einfach viel zu geil, um sie sich entgehen zu lassen.
Dieses Feature ist Teil des umfangreichen FatCat Labelspecials in der kommenden PNG 69.
arty fischl wrote:
well done, nimmy!
Posted on 08-Jun-06 at 7:53 pm | Permalink