Final Fantasy - He Poos Clouds

6935.jpgDie Musik aus den Kammern seines wild schlagen Herzens und seines völlig verquer sich winkelnden Gemüts kommt herausgeritten auf etwas mehr als nur einem Odem feuchter, heißer und gar noch übel riechender Luft. Nein, der gute Owen Pallett hat es wahrhaftig nicht nötig, garstige Wolken um sein Genie zu weben – mit seinem zweiten Soloalbum steht er, wie man das deutlich hören darf, denn auch längst nicht mehr so alleine wie noch auf dem Debüt. Auf „Final Fantasy Has a Good Home" spielte Pallett nur die Violine, und obschon er auch „He Poos Clouds" nicht minder höchstselbst komponiert hat, gelingt es ihm nun, seine bezaubernd eigenartige Klangvision absolut mitreißend durch orchestrale Dimensionen zu geleiten. Der Tanz, zu dem dieser Teufelsgeiger aufspielen lässt, wird noch wilder, die Geschwindigkeit, mit der seine Musik reizende Bilder diegetisch dicht wie aus einer versteckten Kamera wirbeln lässt, ist zunächst einschüchtern, aber erst einmal in ihren Sog gerissen, tanzt man bis die Fersen bluten, zu Takten, zu denen man meinte niemals tanzen zu können. Man hat sich selbst den Mantel des dezenten Wahnsinns übergeworfen, aus dessen vielen geheimen Taschen Owen Pallett kreuz und quer bekritzelte Stichwortzettel zaubert, die er tatsächlich zu atemberaubenden Geschichten verdichtet, Geschichten, wohlgemerkt, die nur funktionieren, so lange man unter der Magie seiner Klänge steht, und genau dies muss die Masche dieses sich so harmlos kleidenden Teufels sein – heimlich tauscht er ein wenig von seinem Zauber gegen heile Seelen, und die gibt er dann freilich nie mehr her. Es ist ein hinterhältiger Trick, aber anders als bei gebräuchlicheren, die Seele knechtenden Derivaten, verblassen die Fantasien, mit welchen dieses Lauschgift den Alltag übermalt, nicht so schnell, dass man nach immer heftigeren Dosierungen giert. Gewiss wünscht man sich bald einen neuen, genau so großartigen Kick, aber vom Duft dieser göttlichen Wolken kann man lange zehren.

(Tomlab)

Nimrod

Comments (1) to “Final Fantasy - He Poos Clouds”

  1. […] Vom Konzertereignis des Jahres hört man es seit Monaten nun schon tuscheln. Das Jahr hatte noch gar nicht begonnen, als man sich bereits darauf verschwor, dass nach dieser Veranstaltung, zu Anfang März, nicht mehr so viel kommen kann. Ob Owen Pallett mit MAXIMUM BLACK tatsächlich ein Festival wie ein Schwarzes Loch geschaffen hat, nach dem sich die Saison konzerttechnisch wirklich bereits erledigt hat, das wissen wir nicht, ganz ehrlich gesagt. Das wollen wir auch gar nicht hoffen. Ganz sicher aber wurden mit dem MAXIMUM BLACK Genius und tadelloser Geschmack auf beinahe unentrinnbare Dichte arrangiert. Unter Final Fantasy, also Palletts eigenem Projekte, sind die Namen von Bands auf die Plakate der Festivaltour drapiert, die die angesetzten Veranstaltungsorte für sich schon gut zum Kesseln bringen würden: Deerhoof vor allem, Six Organs of Admittance, Dirty Projectors und Frog Eyes und in Berlin – der wahrscheinlichsten der drei Festivalstationen, auf welcher wir, wir uns alle treffen – auch noch Max Tundra. Wir haben leider nur zweimal 2 Freikarten an Abonnenten zu verlosen – schickt eine Mail an redaktion@png-online.de und nennt uns den Namen des einen Labels auf dem zwei der hier genannten Bands schon Alben veröffentlicht haben. Allen anderen müssen wir dringend empfehlen, sich ihre Tickets asap zu bestellen. Sonst steht ihr am Ende in der eklig kalten Märznacht vor der Halle, ohne Hoffnung noch hineinzukommen, mit etwas Wärme nur aus den weggequarzten Glimmstengeln, im Limbo der Schnarchnasen, irgendwie dabei (weil man dabeigewesen sein muss!) und doch nicht drinnen. Tut euch das nicht an! […]

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