Where Absence Fills the Air Vetiver

Jeder Deiner Blicke war ein Versprechen. Jeder Augenaufschlag eine Verheißung. Niemals musste ich mich versichern, so lange du mich nur ansahst. Alle Deine Schwüre waren ehrlich, du hast sie jeden Tag gehalten. Du hast mich jeden Tag gehalten. Doch diejenigen, die verbittert an ihrer eigenen Lüge arbeiten, sehen nicht die Schönheit, die eine ewige Wahrheit in sich trägt. Sie sehen darüber hinweg in den trügerischen Zauber der Abgründe ihrer selbst. Du hast gar noch jeden Abgrund mit Sinn verkleidet. Über Deine eigenen Abgründe legtest Du immer nur ein Lächeln. Deine war die sinnlichste aller Wahrheiten. Deine war die ewige Wahrheit. Diejenigen, die an ihrer eigenen Lüge arbeiten fürchten sich vor allem, was stärker ist als sie. Die Furcht vor dem Bild ist mein ewiger Begleiter. Dem Bild, in dem Du mich neben Dir findest. Gegangen.
Von Andreas
Die Dualität von Präsenz und Absenz hat kaum ein Album in letzter Zeit so erhaben bearbeitet wie das entsprechend titelnde „To Find Me Gone“ des personell stattlich ergänzten Singer/ Songwriterprojektes des Andy Cabic. Denjenigen, denen Cabic nach nunmehr zwei vorzüglichen Vetiver-Alben noch kein Begriff ist, denen mag er als Intimus des Devendra Banhart begegnet sein, er ist in dessen Begleitband eine feste Größe, Devendra seinerseits bei Vetiver einer der Fixpunkte. Bis auf wenige weitere Konstanten versteht sich Vetiver als eine dieser sich immer wandelnden Musikerhorden, als eines dieser von Spirit umsäumten Kollektive wie man sie beispielsweise auch im Dunstkreis von Saddle Creek- oder Constellation Records des Öfteren antrifft. Allein die Aufschlüsselung der Mitarbeit an „To Find Me Gone“ nimmt eine ganze Bookletseite ein. Aufdringlich ist der gewaltige Input freilich nicht. Selbst bei der immensen Beteiligung bleibt immer die Auslassung das signifikante Stilmittel.
Dieses zweite Album formuliert seine Motive detaillierter und stilistisch diverser aus, gewiss. Die Referenzpunkte an eine klassische Singer/ Songwriter-Veröffentlichung fallen kaum auf neben all den Americana-, Westcoast-, NeoCountry- und 70ies Rock-Annäherungen. Dennoch spielt sich die Mannigfaltigkeit der Mittel keineswegs in den Vordergrund, eben dort entfalten sich die Reflexionen des Icherzählers. Das Songwriting gibt sich behutsam genug, um lediglich eine Stimmung weiterzureichen, es hält sich strukturell bedeckt genug, um eine Stimmung nicht zu penetrieren. Man möchte diese Stücke nicht als Struktur begreifen, auch wenn es freilich keine Laisser-faire-Arbeiten sind. Cabic kultiviert eine Unauffälligkeit in diesen Stücken, eine Bescheidenheit, die sich nur jemand erlauben kann, der jeden seiner Schritte fest und sicher setzt. Die Substanz dieses Albums ist während des Hörens kaum begreifbar. Seine intuitive Schönheit ist es dafür umso mehr. Die Schönheit und die Tragik dieses Albums sind nicht minder substanziell.
„I try not to regret the things that I’ve done yet.”
Es sind Illustrationen von Schuld und Verlust, von Liebe und deren Unmöglichkeit. Es ist das wünschende Nebensichfühlen, das die Tragik, das Gewünschte längst und unwiderruflich verloren zu haben, immer wieder aufs Neue überwindet. Und immer wieder scheitert. Es ist das Nichtloslassenkönnen. Es ist die unaufhörliche Selbstgeißelung für die eigenen Fehler. Es ist die Befangenheit, die einen die Schuld nur mit weiteren Fehlern abtragen lässt. Es ist die Schuld, die nie wieder aufhören wird. Gerade wenn man sich schuldig fühlt, möchte man, dass dieses Album nie ein Ende findet. Es ist die schmerzhafteste, aber auch erhellendste Buße, sich selbst zu sehen.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem umfangreichen FatCat Special in der kommenden Ausgabe der PNG.
jana wrote:
retourkutsche, ändi > das ist großartig. und beängstigend, wenn man den wahrheitsanteil des ersten und letzten absatzes betrachtet :/
Posted on 03-Jul-06 at 10:33 pm | Permalink
andreas wrote:
blöderweise weiß ich selber manchmal nicht genau, um welche wahrheit es in dem text überhaupt geht
aber danke. wenn du das sagst, bedeutet es etwas.
Posted on 04-Jul-06 at 4:59 pm | Permalink
jana wrote:
das tut es in der tat.
(ich habe es aber auch eher auf meine persönliche wahrheit bezogen.)
Posted on 05-Jul-06 at 1:01 pm | Permalink