Justin Hall & Dave Davenport - Hard to Swallow
Seine “True Travel Tales” und der Xeric Award haben Justin Hall zu einer Popularität verholfen, die seinen Namen weit über die Grenzen seiner Wahlheimat getragen hat. Der in San Francisco äußerst umtriebige Comickünstler (Kurator, Masseur, Pornodarsteller) hat nun – gemeinsam mit dem nicht minder begnadeten Dave Davenport – den ersten Band einer Comicreihe veröffentlicht, deren Themen ihm – nach eigenem Bekunden – schon lange unter der Vorhaut brannten. „Hard to Swallow“ ist ein Achterbahn-Ritt durch schillernde Anekdoten und wonniglich schmuddelige Fantasien homosexueller Subkultur – völlig ohne angelegte Sicherheitsgurte, niemals auch nur mit dem Anschein eines Versuches, sich selbst zu beschneiden, und sicherlich auch im Umfeld der Künstler nicht jedermanns Geschmack.
Der Opener der ersten Ausgabe spielt – völlig unintendiert, wie Hall betont – dabei durchaus mit einer in diesem Sommer immens populären Thematik. Sein Comic „Tales of the Hard Roger“ konfrontiert einen aus hoher See gefischten Schiffbrüchigen mit den Perversionen des Freibeuters Kapitän Speare (und – unausbleiblich – dessen Enterhaken). Die Leidensgeschichte des gekidnappten Kombüsenjungen führt diesen Unhold grafisch ein, noch bevor der Schiffbrüchige in die Tür der Kapitänskajüte geschoben wird. Während die Zeichnungen Halls sich der essenziellen Geschichte vor allem als Medium andienen, sind Dave Davenports Illustrationen deutlich selbstzweckhafter, und in ihrer, durch seine hauptberufliche Tattoo-Kunst inspirierten Ausführung außerordentlich – und herrlich morbide. Einem narrativen Konzept folgt lediglich „The Spirit of Folsom St.“, dessen Protagonist der Legende einer berüchtigten Schwulenbar auf den Leim geht. Der Typ, der ihm auf der Bar seine mythisch riesige Latte erst zwischen die Kiefer und schließlich ins Rektum schiebt, ist der Bar-Spuk, der für alle seine Kumpels unsichtbar geblieben ist. Seine anderen Arbeiten für diese Ausgabe sind explizit mit Sadomasochismen spielende Fantasien, in der sich ein Werwolf und ein skatender Zombie beim Akt in Stücke reißen und schließlich Godzilla und King Kong heftigst durch eine Großstadt bumsen – Kollateralschäden selbstverständlich. Highlight dieses Issues aber ist „Birthday Fuck“, die grandios erzählte Anekdote eines schwulen Masseurs, der glaubt, mit allen skurrilen Vorstellungen von einer Massage längst vertraut zu sein, bis ihn eines Tages eine Stephanie einbestellt – für ihren Freund.
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Nimrod
nimrod wrote:
ein mir gerade zugetragenes update:
Hard to Swallow 2 ist schon aus der Presse und erscheint anlässlich des knackledrigen Folsom Street Fairs in SF.
Posted on 13-Sep-06 at 7:45 am | Permalink