Kindskopf The Science of Sleep
An dieser Stelle werden wir in Zukunft regelmäßig interessante, besondere, außergewöhnliche Filme vorstellen, die häufig auch einen Musikbezug aufweisen. Im Fall von “Science of Sleep”, der bereits auf der diesjährigen Berlinale zu sehen war und dort idiotischer- (oder doch sinnvoller- ?) weise außer Konkurrenz lief, ist es nicht schwer, diesen Bezug herzustellen. Ersponnen, geschrieben und inszeniert ist er nämlich von keinem Geringeren als Michel Gondry, der als Regisseur zahlreicher Videoclips begann, die wohl jedem im Gedächtnis geblieben sein dürften. Man denke nur an die tanzenden Skelette in Daft Punks “Around the World”, Björks Bärenvideo “Human Behaviour” oder die Vervielfältigung der White Stripes in “The Hardest Button To Button”. Hier konnte er ausprobieren, was er nun auch auf der Leinwand ausleben darf: schneiden, kleben, animieren und dabei einen kindischen Spaß entwickeln, der sich ohne Umwege auf die Zuschauer überträgt.
Gondry ist ein Kind im Geiste. Schon “Vergiss mein nicht” (der den wunderschönen Originaltitel “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” trägt) und sein Erstling “Human Nature”, sprühten förmlich über vor Ideenreichtum, der damals aber zum großen Teil noch von Drehbuchschreiber Andy Kaufman (”Being John Malkovich”) stammte. Wie das Ganze aussieht, wenn auch noch die Geschichte, die er erzählt, seinem Gehirn entsprungen ist, kann man jetzt in “Science of Sleep” miterleben.
Gondrys Alter Ego heißt Stéphane Miroux (Gael García Bernal), ein Träumer, der nach Paris kommt, wo seine Mutter lebt. Der Job in einer Kalenderredaktion fordert allerdings die Kreativität des Freizeitmalers von Katastrophenbildern nicht sonderlich und so driftet Stéphane lieber in Traumwelten ab, wo er der Showmaster seiner eigenen Erinnerungen ist. Doch dann lernt er seine Nachbarin Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) kennen, die seine Spleenigkeit zu teilen scheint. Stéphane muss sich aber von seinen Phantasien lösen, um Stéphanie seine Liebe zu gestehen, was sich schwerer erweist, als gedacht.
Gondrys unbeschwerte Naivität macht sprachlos. Er ruft uns in Erinnerung, was Kino kann und wir sitzen mit aufgerissenen Augen und offenen Mündern im Kinosessel. Stéphanes Träumereien werden in liebevollen Stop-Motion-Animationen in Szene gesetzt, die “Science of Sleep” zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Unterstützt wird Gondry von einem spielfreudigen Ensemble, das seine Phantasie zum Leben erweckt.
Gondrys nächstes Projekt ist schon in der Mache: eine Komödie mit Jack Black als Videothekar, der nach einem fatalen Unfall, dem ein Großteil der Bänder zum Opfer fällt, loszieht, um die Filmklassiker nachzudrehen. Klingt verrückt – also nach genau dem richtigen Projekt für den genialen Franzosen.

“Science of Sleep – Anleitung zum Träumen”
F 2006
R: Michel Gondry
D: Gael García Bernal, Charlotte Gainsbourg, Alain Charbat, Miou-Miou, Piertre Vaneck
Starttermin: 28.9.2006

Post a Comment