Devastations - Coal

devastations.jpgJe eitler jemand nach außen ist, desto tiefer verborgen liegen die Abgründe, die die Eitelkeit eigentlich spiegeln will. Nur so eine Theorie. Erfahrungsgemäß sind es gerade die eitlen Charaktere, die die nicht langweiligen sind. Es sei denn, sie sind ausgesprochen langweilig. Allerdings sollte man auch nicht Eitelkeit mit Flachheit verwechseln. „Coal“ ist sicher gegen jede kleinste Andeutung von Langeweile, vermutlich weil es in einer ganz bewussten Eitelkeit verfasst ist. Devastations Koketterie greift immer ganz tief in die Substanz, ihre Nonchalance, mit der sie ihr dezentes Ironieverständnis auftragen, ist sich der Tragik der Sujets, die sie ironisch brechen, jederzeit bewusst. Natürlich geht es auch hier um das Verlassen und das Verlassenwerden, um das Alleinsein und das Trugbild der Liebe. Es sind die großen Themen. Am Ende ist der Ironieversuch nicht viel mehr als die Kapitulation vor der bewusst gewordenen Tragik seiner Anregung. Am Ende ist es der ergreifendste Moment, wenn der Leidende, der sein Leid belächelt, gegen die Tragik doch machtlos ist. Und schlimmer noch leidet. Devastations erklären wir zu kongenialen Leidensgenossen von The Black Heart Procession, Nick Cave und The National. Wir erklären sie zu tragischen Gestalten und stehen sprachlos vor ihrer Selbsterkenntnis. Überhaupt ist Eitelkeit die missverstandenste aller vermeintlichen Untugenden. Befasse dich hiermit und befasse dich danach mit einem Jack Johnson-Album – du wirst den eitlen Gecken noch die Füße küssen. (Beggars Banquet/ Beggars Group/ Indigo) Andreas

Comments (2) to “


Devastations - Coal”

  1. Der Nick Cave Vergleich ist aber abgeschrieben oder? Wenn auch passend irgendwie. Schöne Rezension davon mal abgesehen und schönes Album sowieso - man ist aber auch The National Fan.

  2. tindersticks, nick cave, bhp - it’s all too obvious, die vermutung der abschreiberei eigentlich eine frechheit. trotzdem danke.

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