Clemens Meyer - Als wir träumten
Ausgezeichnet mit dem Preis für Belletristik der diesjährigen Leipziger Buchmesse, nominiert und gewürdigt der Literaturpresse, für meinen Eindruck, mehr als die eigentliche Gewinnerin Riesenmaschine-Kathrin-Passig, ist Clemens Meyer, geboren 1977 und gebürtiger Leipziger, neben Daniel Kehlmann die neue deutsche Hoffnung. Clemens Meyer arbeitete nach seinem Abitur 1996 als Wachmann und Möbelpacker, tritt tätowiert in Erscheinung, begann einundzwanzigjährig ein Studium am Deutschen Literaturinstitut und zwei Jahre nach dem Abschluss, 2006, erschien beim Fischerverlag sein Debütroman »Als wir träumten«.
Danie, Mark, Rico, Pitbull und Paul müssen sich prügeln, immer wieder kaputtmachen. Meyer erzählt durch Danie ihr Scheitern, mit Beginn der Schulzeit der DDR. Eine Übung, dann die Wende, die ersten Mädchen, »Sachen«, Parties, hin zu Drogen und Knast. Dabei erzeugt er eine solche Nähe und Wärme, dass die fünf trotz ihrer Schroffheit und Zerstörung nah und sympathisch bleiben oder werden, man mit ihnen fühlt, wenn sie immer aussichtsloser in weitere Gräben fallen, hat das Buch immer noch kein Ende gefunden, egal was passiert. Es zeugt von Clemens Meyer großem stilistischen Talent, dass er es schafft eine solche Atmosphäre zu schaffen und die Erzählung wie Henry Miller aufrecht zu erhalten. Ein wenig wie Böll oder Lenz, wenn ordninärer, ein deutscher Henry Miller, also etwas, was Kehlmann oder Mora nicht besitzen: Authentizität und große Dialoge, die sich ihrer Schroffheit nicht fürchten.
Dass es sich um einen weiteren Ostroman handeln könnte ist falsch, auch wenn in Leipzig erzählt wird, die Kulisse der Osten bleibt, ist der Osten marginal, sind es die Jungs und allen voran Danie, der in seiner Biographie Ähnlichkeit mit Clemens Meyer haben soll. Ihre Hoffnungen, das Boxen, die Feiern, das Autoknacken und das eine oder andere Scheitern, sind das Ausschlaggebende, Andersartige zu den üblichen komischen oder seufzenden Wenderomanen. Clemens Meyers sichere Sprachanwendung, trotz der zum Teil ruppigen Wortwahl, die mich irgendwann »Fotze« und »du Pisser« anwiderte, bleibt der Handlung angemessen und richtig, und geht nahtlos in den ausgesprochen ausgereiften Satzbau, die Wortbildung ein. Ein realistischer Roman, der sich der üblichen Anekdoten, Symbolik und Metaphern entzieht, schreibt Meyer offen vom steppenwolfartigen Scheitern einer Runde, ohne diese Ideale oder Ähnliches zu verkaufen, ist das Buch darum nicht jedem zu empfehlen.
Es ist der seit einiger Zeit angenehmste, ehrlichste Roman eines jungen deutschen Schriftstellers. Der Kritik, dass er nur seiner Erfahrung schöpfe, immerhin erinnert vieles an ihn, dass er die ordinäre Sprache unnötig ausreize, dass es sich um einen milieuhaften Autor handelt, wird Clemens Meyer mit seinem nächsten Roman standhalten müssen und ich vermute zu seinen Gunsten. Rafael
Thomas Lawrence wrote:
Als ich noch einmal in Leipzig war, im August 2007, habe dieses Buch zufaellig in einer Buchhandlung neben dem Thomaskircherestoran gefunden. Meine Frau und ich wohnten in Leipzig von 1994-1996, und damals waren ja bestimmt nicht so viele Amerikaner dabei. Wir mussten die Sprache und die Kultur so schell wie moeglich lernen. Unsere Tochter ist im Leipzsch geboren. Das Buch fande ich top, um verstehen zu koennen, wie is bei typischen aufgewachsenden Leuten in Leipzig das Leben sein musste, nach der Wende, und so was. Eigentlich sind meine Frau und ich in Leipzig aufgewachsen. Wir wohnten auf der Giesserstrasse, die ja ganz kaput ausgesehen hat. Trotzdem ist Leipzig eine herrliche schoene Stadt. In diesm Buch gab’s viele “slang” und so was, aber dass habe ich besser gelernt. Danke fuer das Buch. Thomas Lawrence
Posted on 20-Aug-07 at 3:21 pm | Permalink