Sonntag, Dezember 31, 2006
Es macht keinen Sinn, diese Platte ernsthaft zu besprechen. Zu vorhersehbar ist meine Reaktion, die sich vermutlich mit der jener deckt, die “Blau ist keine Form” während der Redaktionssitzung verschmähten. Schon im ersten Lied machen sich Granada 74 aus Köln unbeliebt mit dem unsäglichen Refrain “Ich will mehr sein als dein Freund/Doch du lässt mich leider nicht/Ich hab oft davon geträumt/Ich wär so gern dein Slip”. (Continued)
Freitag, Dezember 29, 2006
Einige Menschen bedauern die Tatsache, dass das Ausnahmelabel Thrill Jockey dieser Tage immer häufiger klassische Jazzplatten auf den Markt bringt. Wenn sie jedoch weiterhin von der Qualität und Frische des Frequency-Albums sind, habe ich dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Die Band besteht aus Nicole Mitchell, Edward Wilkerson, Harrison Bankhead und Avreeayl Ra, um schon einmal die obligatorischen Referenz- und Legitimationspunkte im Jazz abzustecken. (Continued)
Donnerstag, Dezember 28, 2006
Oliver Uschmann ist ein Herzensguter. Es scheint keine Arschlöcher in seiner Welt zu geben. Auch das Leben seiner Romanhelden Hartmut und Ich bleibt von Niedertracht völlig verschont. Es kann sein, dass Uschmann es diesen Protagonisten in seinem zweiten Roman ein ganzes Stück zu leicht macht. Das Bochum seiner Helden ist ein vortrefflich mit grandiosen Anekdoten, surrealen Momenten, wilden Spinnereien und einnehmend komischen Verwicklungen ausgeschmückter Ort, jedoch sind hier nicht alle Schrauben locker, sondern vielmehr so fest in die Wahrhaftigkeiten eines ob Hartz IV und prekären Beschäftigungsverhältnissen jammernden Landes eingedreht, dass man beinahe versucht ist, dem Roman „Voll Beschäftigt“ mehr nachzusagen, als er eigentlich sein kann. (Continued)
Mittwoch, Dezember 27, 2006
Die Lichter sind gar nicht so trübe, wie sie dem einsamen Eric erscheinen. Es ist sicher ein wenig auch Geschichte, die seine Wahrnehmung mit Abgeklärtheit verbaut. 15 Jahre agiert der Songwriter am Mainstream Torontos vorbei, hat sich mit Punk eingelassen, mit Noise und Folk. Er kann nichts für seine Distanz. Das kommt so, mit den Jahren. (Continued)
Dienstag, Dezember 26, 2006
TLASILA hören ist wie Thomas Pynchon lesen. Hinter der Herausforderung der Sperrigkeit entwickelt die überbordende Vielzahl der Erzählstränge einen Sog ins Werk, der auf Lebzeiten prägt. “Noon & Eternity” ist dabei das zugänglichste Album in der TLASILA-Historie, die bereits gute 22 Jahre andauert. 22 Jahre, in denen das Herz des Projektes, Tom Smith (der vielleicht bestgewählte Künstlername aller Zeiten?), mit seinen Platten nicht einen Cent verdient hat. Die Welt ist offenbar noch nie bereit gewesen für ausgefeilte, atemberaubende Collagen, die in ihren besten Momenten klingen, als würde eine in Erkenntnis verlorene Seele den akustischen Staub der Welt erbrechen, ein rasender Staubsauger, der alle Geräusche dieser Erde gleichzeitig erfasst, um sie dann in einer intuitiven Hauruckaktion gegen selbige zu verwenden. (Continued)
Sonntag, Dezember 24, 2006
Der Hype um die japanischen Teriyaki Boyz (umfasst die Rapper Ilmari, Ryo-Z, Verbal und Wise inkl. des Produzenten und A Bathing Ape-/Billionaire Boys Club-Streetwear-Fabrikanten Nigo) und ihr Def Jam-Debüt „Beef Or Chicken“ ist einer mit allem, was dazu gehört. Das ist gar ein definitiver Prototyp eines Hypes. Denn trotz der schier unerfassbaren Who Is Who-Liste an Regler-Celebrities, als da wären Neptunes, Daft Punk, Adrock, Mark Ronson, Dan The Automator, Cut Chemist, Cornelius, Just Blaze, DJ Premier, DJ Shadow und Michael „5000“ Watts (Könnt ihr noch atmen?), geht diese Platte so un-HipHop in Wertung wie es schlimmer nicht sein könnte. (Continued)
Sonntag, Dezember 24, 2006
Wenn man Popkulturwissenschaftler nach Medienkultur oder Popkultur befragt, sind viele Antworten schwammig, ungenügend subjektivistisch, wiederholt einer irgendwo idealisierten Rückzugssehnsucht der Jugendlichen untermauert, das stellt die Basis solcher Medienphilosophen da und ist damit oft banal, obwohl sich alle innovativ geben, daher muss eine Analyse des HipHop noch deutlicher in das Klischee einer jungen Wissenschaft um Musik und Pop ausfallen, wenn bereits Medien um Goldketten behangene Schwarze, Wackelhintern »bitches« und das verwahrloste Ghettokind mit Geltungssehnsucht buhlen.
Die Soziologin Gabriele Klein, die bereits mit »Electronic Vibration« 1999 Techno und Rave analysierte, gibt sich mit Malte Friedrich anders als in »Electronic Vibration« strukturierter. Zentrale Thematik und deren Beziehungen: Realität; Theatralität; Ritualität; Performativität. (Continued)
Sonntag, Dezember 24, 2006
Ich sitze hier, an meinem Schreibtisch, und esse Gummibärchen. Ausgekotzt ist noch ein Euphemismus meines Gefühlszustandes. Ich versuche, mir die Zeit damit zu vertreiben, mich durch die zu besprechenden CDs zu wursteln. (Continued)
Samstag, Dezember 23, 2006
Nicht erst seit dem Auftauchen der Koksbilder ist Kate Moss immer mal wieder in aller Munde gewesen. Jene Bilder, gemacht von Asozialen für Asoziale (die einen asozial aus Geldgier, die anderen, weil sie sich am nachfolgenden persönlichen, geschäftlichen und medialen Absturz weideten oder darüber zu profilieren versuchten), zeigten eigentlich nichts, gar nichts. Haben wir ja eh schon geahnt oder längst gewusst. (Continued)
Freitag, Dezember 22, 2006
J. K. Rowling, du hast unsere Leben zerstört! Harry Potter meets Charmed meets Buffy meed Sleepy Hollow meets The Witches of Eastwick meets Highlander … in einem folglich völlig wild gequirlten Quark. Vor allem geht es in THE COVENANT um ein paar obszön durchtrainierte Teen-Wiz-Boyband-Bimbos, die sich eines bösen Hexers erwehren müssen. Der will sie abmurksen und ihnen die Zauberkraft stehlen. Denn dem Zauberlehrling, der die Finger vom (hier nur sinnbildlichen) Zauberstab nicht lassen kann, dem wachsen nicht lediglich Haare in den Handflächen, der verblüht so schnell wie ein ungewässerter Petunienstrauß. (Continued)
Freitag, Dezember 22, 2006
They were the taste makers and rule breakers. It didn’t matter what they did, they were and still are the very essence of cool. Although their bones maybe getting a little more brittle, their hair a little greyer and their smiles a little wrinklier; they are still the kings of the party, the key bearers to a fun we’re yet to experience at such a level. Even if we met them back at school, where they may have been at risk of being painfully uncool, there has always been something magic about these three white Jewish boys from Greenwich Village. Any ‘rules’ or ‘formulas’ we were taught about being cool, these guys pissed on, the set them alight. They defied all logic of ‘cool’ and have remained at the height of ‘cool’ for over the last two decades. Falling under their spell at the impressionable age of 10, it was easy to see how I was sucked under the Beastie Boys wave. (Continued)
Donnerstag, Dezember 21, 2006
Was ganz und gar Obskures wurde uns vom kleinen Münchener Label Gomma übersandt. Hinterm Duo Box Codax verbirgt sich zu 50% niemand geringeres als Nick McCarthy, seines Zeichens nach Gitarrist bei Franz Ferdinand. Da jener drei Jahre in München studiert hat und dort auch musikalisch aktiv war, hat er für die erste Veröffentlichung seines Nebenprojektes die alten Verbindungen wieder aufgenommen. Franz Ferdinand-Fans werden allerdings enttäuscht sein. Denn was es hier zu hören gibt hat mit dem Sound der Schotten so gar nichts gemein. Jeder der elf Songs scheint im Wahnsinn entstanden zu sein. (Continued)
Mittwoch, Dezember 20, 2006
Ich schwöre, das ist mein letzter Beitrag, der in irgendeiner Form etwas mit Weihnachten zu tun hat. Aber ich kann es mir doch nicht nehmen lassen, anzukündigen, dass der gute Immergut-Kemper am Freitag (22.12.) im Berliner Magnet eine Weihnachtsparty schmeißt, die sich gewaschen hat. Ab 21 Uhr darf man für 8 Euro rein, um alsbald Klez.e und Friksa Viljor erleben zu können. Danach wird natürlich noch gefeiert, klar. Und zwar weniger Weihnachten, als vielmehr die Nachricht, dass der Termin fürs nächste Immergut-Festival feststeht: Am 1. und 2. Juni 2007 werden wir uns alle wieder in Neustrelitz befinden. Yeeha! (Continued)
Mittwoch, Dezember 20, 2006

There is poverty, and then there is poverty. There are two kinds of poverty. There is aboriginal poverty – people seemingly unaware that their life is supposed to be lacking something, enjoying a merry archaic dasein in front of the occasional tourist’s camera. Dancing, singing and sometimes even performing very cool heathen rituals. This kind of poverty – it’s almost extinct and only barely survives as a human zoo. The second kind of poverty is not as picturesque. It’s more like a cancer. It spreads. (Continued)
Dienstag, Dezember 19, 2006
Den vielen fleißigen Albumkäufern und Konzertgehern möchten Eskobar in diesen Tagen anständigerweise Danke sagen und etwas zurückgeben. Im Weihnachtssack steckt eine Gratis-EP zum Download.
“The Free EP” enthällt vier neueingespielte, akustische Versionen von Songs, der ersten drei Eskobar-Alben. Das gute Stück wird nicht im Handel erhältlich sein, sondern kann noch bis zum 26. Dezember auf folgenden Webseiten runtergeladen werden:
www.eskobar.com
www.myspace.com/officialeskobar
Dienstag, Dezember 19, 2006
Mit ihrem Debüt bringen die drei jungen Männer mein Popperherz zum Bersten. Wobei ich dem Begriff “Popper” hierbei seine negative Konnotation abspreche und ihn modifiziere zu “geschmackssicherer Liebhaber gepflegter Popmusik”. Wie schätzungsweise siebzig Prozent der schwedischen Gesamtbevölkerung verstehen es die Antennas (fka Novak), Schmerz, Wut und Sehnsucht in Form von melodiösen und griffigen Perlen auf eine lange Kette zu reihen und sie im schönsten Glanz erstrahlen zu lassen, dass Frau Elster Stielaugen bekommt. (Continued)
Sonntag, Dezember 17, 2006
Man kennt das ja: manchmal gibt es Augenblicke, in denen man sich wünscht, in einer anderen Stadt zu wohnen. Während diese Sehnsucht nach der Ferne nicht immer genau zu lokalisieren ist, sollte wenigstens am Samstag, den 23. Dezember, jeder wissen, wo er sich gerne befände. Denn da feiern die verehrenswerten Herren von Robocop Kraus in ihrer Heimatstadt Nürnberg ihre ganz persönliche Weihnachtssause, zu der sie sich die nicht minder großartigen Bands Urlaub in Polen, Knarf Rellöm, Sport, Saalschutz und The Mother, The Son And The Holy Ghost eingeladen haben. (Continued)
Samstag, Dezember 16, 2006
Es ist nur logisch, dass die Musik von Mogwai in letzter Zeit zunehmend dort zu hören ist, wo sie meiner Ohren nach immer hingehört hat: im Kino. Nach Beiträgen zu Michael Mann’s “Miami Vice” und der in der PnG #71 ausführlich behandelten Kollaboration mit Clint Mansell und dem Kronos Quartett für “The Fountain”, ist nun mit “Zidane: 21st Century Portrait” ein komplett mit der Musik der Schotten unterlegter Film (wenn auch hierzulande nicht) in den Kinos zu sehen. (Continued)
Freitag, Dezember 15, 2006
Der New Yorker Nickodemus ist auf Eighteenth Street Lounge Music, dem Label der Thievery Corporation angekommen und passt da ganz hervorragend hinein. Seine Duftmarke aus Hip Hop, Motown Blues und Funk kann sich vor Freshness kaum retten.
(Continued)
Donnerstag, Dezember 14, 2006

Hier mal endlich eine Jahresendliste der unterhaltsamen Art: Die Kollegen von DoCopenhagen haben die 50 besten YouTube-Musikvideos des Jahres gewählt und dabei einen ganz vorzüglichen Geschmack bewiesen: auf Platz eins wurde das fantastische Video der Amerikaner Ok Go gewählt. Kennt Ihr nicht? Dann aber hingeklickt. Ebenfalls vorne mit dabei und vermutlich dem ein oder anderen noch vorm inneren Auge: Gnals Barkleys Rohrschachtestvideo “Crazy”, Sigur Rós und Zero 7. Wer also mal ein paar Stunden übrig hat, dem sei die unterhaltsame Liste empfohlen – und die Ergebnisse von 2005 gleich dazu.