Oliver Uschmann - Voll Beschäftigt

hartmut1.jpgOliver Uschmann ist ein Herzensguter. Es scheint keine Arschlöcher in seiner Welt zu geben. Auch das Leben seiner Romanhelden Hartmut und Ich bleibt von Niedertracht völlig verschont. Es kann sein, dass Uschmann es diesen Protagonisten in seinem zweiten Roman ein ganzes Stück zu leicht macht. Das Bochum seiner Helden ist ein vortrefflich mit grandiosen Anekdoten, surrealen Momenten, wilden Spinnereien und einnehmend komischen Verwicklungen ausgeschmückter Ort, jedoch sind hier nicht alle Schrauben locker, sondern vielmehr so fest in die Wahrhaftigkeiten eines ob Hartz IV und prekären Beschäftigungsverhältnissen jammernden Landes eingedreht, dass man beinahe versucht ist, dem Roman „Voll Beschäftigt“ mehr nachzusagen, als er eigentlich sein kann. Die verrückten Pläne, mit denen Hartmut und Ich – sowie das weitere Dutzend netter Typen, die dieses Sequel einführt – die Klippen umsteuern, die ihnen das Schicksal in den Weg wachsen lässt, bewehren sich in der Romanwelt so anmaßend gut, dass man ihrem Elan und Schaffensdrang ein inspirierendes Moment gerne zugesteht. „Voll Beschäftigt“ ist nachdrücklich ein Roman zur Zeit, er kommentiert jedoch betont vergnüglich, und an allem, was er durch den Kakao zieht, haften hernach keine unansehnlich braunen Flecken an, sondern eine rosarote, plüschige Aura – selbst die Herren vom Ordnungsamt, die viel daran setzen, das „schlecht sitzende Haus gegenüber der besten Pommesbude Bochums“ von seinen Grundfesten zu reißen, gestehen in dieser Welt schließlich ein, dass sie tatsächlich nicht auf der Suche nach gravierenden Makeln, nur nach ein bisschen Zuneigung und Kumpelkult sind. Es ist dann wahrlich ein wenig zu viel des aufdringlich Guten, wenn sich in diesem wackligen Haus nun noch Türen in andere Dimensionen öffnen, heraus aus einer Welt, in der sich bereits alles so märchenhaft erfüllt, einer Welt, die an ihren diversen Problemen und Problemchen niemals wirklich krankt.Uschmann beschreibt mit Hartmut einen skurrilen Helden, dem es an Selbstbewusstsein nicht mangelt, der glaubt für alles eine Lösung zu haben, welche ihm der Narrator denn auch prompt und liebend gerne reicht. Uschmann ist vernarrt in diesen Helden. Der Autor ist selbst wie einer der Freunde und Jünger, die in „Voll Beschäftigt“ zu diesem Hartmut in die WG ziehen, zu diesem Schlaumeier, dem man mithin der von Uschmann locker gesteckten Konventionen gar zutrauen würde, dass er es auch noch zum Buddha seiner Vorstadt bringt. Aber das ist nur eine Mutmaßung. Uschmann selbst hat kein Problem damit, die Grenze zu erkennen, zwischen dem, was er seinen Roman sein lassen will und dem, was sein Roman sein kann, und es gelingt ihm sehr beeindruckend, den von ihm durchdrungenen Raum zu vermitteln, in einer sehr schnell einnehmenden Welt, einer Welt ohne Niedertracht.
(Fischer Verlag)

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