Frequency - S/T

frequency.jpgEinige Menschen bedauern die Tatsache, dass das Ausnahmelabel Thrill Jockey dieser Tage immer häufiger klassische Jazzplatten auf den Markt bringt. Wenn sie jedoch weiterhin von der Qualität und Frische des Frequency-Albums sind, habe ich dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Die Band besteht aus Nicole Mitchell, Edward Wilkerson, Harrison Bankhead und Avreeayl Ra, um schon einmal die obligatorischen Referenz- und Legitimationspunkte im Jazz abzustecken. Ohne jetzt weiter auf die peinlichen Einordnungsversuche durch eine Auflistung biografischer Daten der einzelnen Musiker einzugehen und damit weiter dem verzweifelten Hochkulturlegitimationsversuchen des Jazz in die Hand zu spielen, lässt sich sagen, dass hier neun sehr gelungene Songs vertreten sind, die sich irgendwo in der Instrumentierungsbreite von Tenorsaxophon, Klarinette, Blockflöte, Querflöte, Melodika, Harfe, Kontrabass, Cello und einer Reihe an verschiedenen Percussioninstrumenten bewegt. Die Improvisation steht hier natürlich im Vordergrund, wobei diese stets in den Grenzen eines Songgerüstes stattfindet, das den Regeln des klassischen Jazz gehorcht. Noch faszinierender als die aufbrausend frischen Soli der Protagonisten ist das sehr harmonische und flüssige Zusammenspiel, das nur selten wirkliche Brüche aufkommen lässt, sondern einen sehr organischen Fluss beibehält, der sehr angenehm durch die Platte führt, ohne dabei beliebig oder leichtsinnig zu sein. Insgesamt ein überaus gelungenes Jazzalbum, das wieder einmal beweist, dass Chicago noch lange nicht genug hat. (Thrill Jockey/ Rough Trade) Matthias Rauch

Post a Comment
*Required
*Required (Never published)