Farben der Gosse DOG BITE DOG von Soi Cheang

dogbite.jpgSoi Cheang – offensichtlich seine Zeit nicht länger mit doofen Auftragsproduktionen voller gackernder Teenstars und unentschlossenen Horrorfilmchen vertuend – hat sich mit ambitionierten und auch sehr gelungenen Werken wie „Home, Sweet Home“ und „Love Battlefield“ in den zurückliegenden beiden Jahren zu einem Regisseur entwickelt, dem man geneigt ist, einen nicht ganz unerheblichen Teil seiner Hoffnungen für eine Zukunft im Hongkong Kino auf die Schultern zu binden. Und wahrhaftig gelingt es ihm, mit seinem aktuellen Film DOG BITE DOG solche Erwartungen noch zu steigern. Die ungehemmte Garstigkeit, mit der sich Soi Cheang in den kältesten und brutalsten Momenten der berüchtigten Category III bedient, um diese derbe durch seine einfache Geschichte zu weben, deutet auf sowohl ein Verständnis einflussreicher, aber längst völlig marginalisierter Filmkunst Hongkongs, als auch auf den unbedingten Willen, mit den immer erdrückenderen Konventionen zu brechen.

In vornehmlich aus dem Farbtopf der Gosse – kack- und rostbraun – kolorierten Bildern stellt DOG BITE DOG einem kambodschanischen Auftragskiller (Edison Chen) nach, der sich nach einem exekutierten Mord in Hongkong auf der Flucht befindet. Die Perspektive seiner Häscher nimmt sich der Film dabei jedoch nicht an. Vielmehr pflegt er seine Distanz zu den Cops ganz ausdrücklich: der besonders von der Jagd besessene Wai (Sam Lee) ist ein echter Drecksack, dem man nicht wirklich Sympathie entgegenbringen möchte – auch wenn sich eine Nebenhandlung schließlich darum bemüht, seinem Charakter eine Entwicklung zuzuschreiben, die ihn erst hat so wild, so tollwütig werden lassen, eine Nebenhandlung, die die Vehemenz erklären soll, mit der sich der junge Cop buchstäblich und dem Titel gemäß in die Hatz auf den Mörder verbeißt. Kollateralschäden galore.

Mit solch rücksichtslosen Antagonisten ist es nun kaum abzuwenden, dass die Handlung eher verstört und distanziert, denn emotional an sich bindet. Soi Cheang – und das ist höchst bedauerlich und kostet seinen Film den Status, ganz wahrhaftig ein echtes, nihilistisches Meisterwerk zu sein – versucht diesem vermeintlichen Manko beizukommen, indem er seine Charaktere auszufeilen, emotional aufzuladen und zu erklären beginnt. Ein Lösungsansatz, mit dem er sich tatsächlich neue Probleme schafft. Sam Lee ist seit seinem Debüt in Fruit Chans „Made in Hongkong“ auf die Rolle quasi festgelegt, der er auch in DOG BITE DOG nicht entkommen kann – der punkige, psychisch etwas angeknackste Underdog. Es fällt ihm leicht, diese Rolle auszufüllen; dass er sich seine asozialen Züge aber erst sehr aktuell und unter tragischen Umständen angenommen haben soll, kauft man ihm weniger ab. Den hübschen Edison Chen in die Rolle des Kambodschaners zu besetzen, mag dem Casting als mutiger Schritt eingeleuchtet haben, ist aber dennoch und selbstverständlich ein eklatanter Fehlgriff. Zugegeben verhält sich das Skript ihm gegenüber auch nicht besonders fair. Wahrscheinlich weil sie genau so vom Leben gefickt ist wie er selbst, verschaut sich der als seelenlos unterkühlt eingeführte Killer in ein behindertes Mädchen. Er riskiert seine Flucht, weil er sie unter ihrem dicken, erregt schwitzenden Vater hervor reißt, sie in eine Klinik kutschiert und schließlich gar für sie und wider besseres Wissen dorthin zurückkehrt, wo seine Häscher schon auf ihn warten. Dort ist der Showdown unausweichlich. DOG BITE DOG wirkt arg konstruiert in diesen beigeordneten Erzählsträngen, wirkt fast als müsse er sich dafür rechtfertigen, dass er den dann glücklicherweise noch deutlich überwiegenden Teil seiner Laufzeit so skrupellos gegen Geschmack, Etikette und den schönen, falschen Schein der Menschenwürde rockt.

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