Krauts 2007: Beehoover
Mysteriös ist manchmal das Leben! Normalerweise bin ich ja jemand, der ordentlich springt, wenn die Begriffskombination “Progressive” und “Metal” fällt – allerdings in höchsten möglichen Geschwindigkeit aus dem betreffenden Raum heraus. Mit den Tools dieser Welt kann man mich so richtig ärgern. Und dann kommen da zwei Typen daher und machen mir Freude – trotz der Tatsache, dass ihre Musik gerne mal mit oben genannten Begriffen beschrieben sowie allerlei komischen Referenzen (selbst das furchtbare Wort Rush ward schon vernommen) in Verbindung gebracht wird. Pah, ist mir aber egal: Beehoover sind großartig und das Fulltime-Debüt “The Sun Behind The Dustbin” geil. Basta.
Ingmar Petersen und Claus-Peter Harnisch sind zwei ausgesprochen sympathische Kerle. Gesegnet mit einem höchst angenehmen Humor und gerüstet genau der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Selbstironie, die gemeinhin exzellente Musiker auszeichnet. Exzellent im Sinne von meiner Person, die kaum etwas mehr verabscheut als das Prinzip des Muggertums. Des geistlosen Protzens mit dem nackten Können am Instrument, vorgebracht mit der stolzgeschwellten Brust des Klassenstrebers. “Mann, habe ich mir heute aber mal wieder einen abgeslappt. Und Menschenskinder, wie toll haben wir alle miteinander wie gebreakt!” Ich hasse die Vorstellung, nach der die Güte von Musik allein und ausschließlich etwas mit Perfektionismusstreben am Handwerk oder der Fulminanz an Produktion zu tun hat. Dagegen haben wir doch Punk erfunden! Und mal abgesehen davon: Wer glaubt, musikalische Komplexität allein mit einem Overkill an Instrumenten und Produktionsspuren zu erreichen, ist halt schon ein armer Wicht. Warum ich dies sage? Weil Beehoover da wunderbar aus dem Schneider sind. Wo soll denn dieser Overkill herkommen, wenn’s nur zwei Typen gibt mit einem Bass und einem Schlagzeug? Die zudem klug genug sind, es auch im Studio beim Allernötigsten zu belassen? Und die von dem tiefen Vertrauen in die eigenen Songwriter-Fähigkeiten beseelt sind?
Vielleicht sind die oben angesprochenen Reminiszenzen – aufgemacht vor allem von der Metal-Fraktion – ja auch einfach nur ein Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit. Beehoover fahren voller Genuss und Freude Schlitten mit gängigen Hörgewohnheiten. Dazu muss auch mal gesagt werden, dass Ingmar und Claus-Peter zwei Drittel der Doom-Band Voodooshock sind; nur um mal hier klar zu machen, von welchen Hörgewohnheiten wir hier so reden. “The Sun Behind The Dustbin” geht da sogar noch um einiges konsequenter vor als die drei EP-Veröffentlichungen, die zuvor in Eigenregie rausgebracht wurden. Metal oder Doom spielt hier eigentlich nur als eine Möglichkeit von vielen eine Rolle (selbst Konstruktionen wie Avantgarde Doom umschreiben das musikalische Ereignis Beehoover nur unzureichend – genauso gut könnte ich jetzt spitzfindig mit dem Wort Post Rock kommen und wenn ich hier den Begriff Kraut ins Spiel bringen würde, läge ich auch nicht mal wirklich daneben). Eines haben die erstaunlich gut funktionierenden Stücke – nur zur Erinnerung: Wir reden hier von einem Duo mit Bass und Schlagzeug! – unbedingt gemeinsam: Diese in sich stimmige Leichtigkeit, die aus dem Genuss von “The Sun Behind The Dustbin” genau diesen Genuss macht. Da wird Musik nicht hart erarbeitet, denn genau diese Schwere macht in der Regel zumindest mir die Sache nicht wirklich einfach. Auch komplexe Musik soll doch Spaß machen, Leute! Und es hat doch auch genügend Bands gegeben, die uns so trefflich beweisen konnten, wie gut sich diese beiden scheinbaren Gegenpole unter einen Hut bringen lassen. Beehoover gehören da unbedingt mit rein. Und einen ehrenvolleren Ritterschlag kann ich mir kaum vorstellen.
“The Sun Behind The Dustbin” ist via Exile On Mainstream (noch mal Danke, Freund Kanzler!) bereits erschienen. Weitere Informationen gibt es unter www.beehoover.com - unter anderem auch die Infos zu der famosen Tour, die Ingmar und Claus-Peter gemeinsam mit The Hidden Hand und Stinking Lizaveta unter anderem auch nach Leipzig spülen wird: Da ist der 5. Mai im UT Connewitz ein Pflichttermin.
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