Schlichtes Spiel und grobe Sachen Funny van Dannen

funnyminusfabse.jpgFunny van Dannen hat wieder ein paar Kurzgeschichten geschrieben. Sein Verlag hat ein Buch daraus gemacht … weil es mal wieder an der Zeit war … weil viele Leute, uns eingeschlossen, Weihnachten gerne auch mal vor Ostern feiern, und überhaupt, dieser ganze Jesusquark uns doch vor allem nur noch Anlass ist, uns beschenken zu lassen. Auch bei diesem Verlag schielte man nicht auf höhere Weihen, als man sich dort den Titel “Zurück im Paradies” ausheckte - das bandelte lediglich hübsch mit “Neues von Gott” an, also dem vorangegangen, sehr populären Band des Autoren. Nun ist er auf Lesereise, der van Dannen … sitzt in Buchhandlungen rum und viel häufiger auch im Fernsehen - Orte, an denen sich der Autor nicht so wohl fühlt wie auf einer Clubbühne. “Wenn du ne gewisse Popularität im Fernsehen hast, kaufen die Leute dir jede Scheiße ab, so wie bei Ulrich Wickert”, erklärte sich der Autor unserem Mitarbeiter Fabian Paffendorf, der beim Loseziehen auf der Redaktionssitzung der PNG beschissen hatte, und unseren neidvollen Blicken nach Dortmund entschwand, wo er, der Sack, Funny van Dannen für ein Erinnerungsfoto auf den Pelz kriechen konnte. Aus diesem Foto haben wir ihn rausgeschnitten - Verdammt, ist Rache süß! - das Interview an dieser Stelle aber ist beinahe ungekürzt.

Hallo Funny, erstmal vielen Dank dafür, dass du dir ein wenig Zeit für ein Interview nehmen konntest, obwohl es ja jetzt schon etwas später geworden ist und du gerade eine Lesung hinter dir hast.

Ja, ich habe mich heute leider etwas verspätet, aber sonst bin ich ja ein recht pünktlicher Mensch. Es war so, dass ich mich vertan hatte, mit dem morgigen Termin in Aachen und diesem hier heute Abend. Da war ich also gerade in Aachen angekommen und hatte im Hotel eingecheckt und da fiel mir das auf, dass die heutige Lesung ja in Dortmund wäre. Da bin ich schnell dann noch hierher. Zu Glück lag das ja nicht soweit von der Strecke her auseinander, so dass ich ja noch recht pünktlich angekommen bin.

Die Lesung heute war in einer Buchhandlung und sonst ist man ja eher gewohnt, dass du zum Beispiel bei Konzerten und so in kleineren Clubs anzutreffen bist. Hat dir das heute ebenso viel Spaß gemacht wie sonst bei Club-Touren?

Normalerweise ist das nicht so das Ambiente, in dem ich sonst meine Lesungen halte oder Konzerte spiele, aber der Verlag hatte das arrangiert, und ich glaube auch, dass so eine Buchhandlung so ein bisschen daran interessiert ist was zu verkaufen. * lacht* Hab ich das mal gemacht.

Du improvisierst ja auch gerne bei deinen Konzerten und Lesungen.

Ja, das kommt immer darauf an, wie das Publikum mitgeht. Bei einer Lesung in einer großen Buchhandlung ist natürlich etwas anders als sonst in Clubs. Aber in dem Ambiente ist das schon recht selten, dass da wer was rein ruft was man erwidern kann. Da sind viele Bücher um einen herum und die Leute sind sehr ruhig. Ich erzähle ja auch zwischen den Texten ein bisschen was, was mir so auf dem Hinweg passiert ist und so.

Papst und WM - theologisch vom Verlag berührt

Deine letzte Kurzgeschichtensammlung hieß „Neues von Gott“, und diesmal ist der Titel „Zurück im Paradies“. Da bestimmte aktuelle Themen und Motive des Vorgängerwerkes auch wieder eine Rolle spielen, könnte man meinen, dass es als direkte Fortsetzung konzipiert ist. Trifft das zu?

Klar, gibt es da Themen die mich nach wie vor beschäftigen, aber für das Buch hatte ich einen anderen Titel vorgesehen, der dem Verlag aber nicht so gefiel. Nun hat das wieder vom Titel her so einen theologischen Touch erhalten. * lacht* Der Titel den ich da im Sinn hatte nehm’ ich jetzt einfach für meine nächste CD.

Man merkt beim Lesen vor welchem zeitlichen Background das Buch entstanden ist. Haben dich WM in Deutschland und die Papstwahl sehr beschäftigt, als du angefangen hattest zu schreiben?

Das war halt gerade alles recht aktuell und das fließt schon immer recht stark mit ein wenn man gerade dabei ist neue Geschichten zu schreiben. Da kommt das dann drin vor, auch wenn man das nicht von Anfang an mit eingeplant hat.

Leute die Wetterkarten vor der Kamera aufsagen, können dir auch Scheiße als Buch verkaufen.

zuruck.jpgInsbesondere mit „Zurück im Paradies“ bist du auch in letzter Zeit öfter im Fernsehen präsent. Zum Beispiel auch bei der ZDF-Reportage über die Leipziger Buchmesse. In dem Beitrag war ja die Moderatorin eher unvorbereitet und wirkte irgendwie fehl am Platze. Nervt so was?

So Fernsehauftritte sind ja nicht so mein Ding. Man macht das halt, weil sich der Verlag davon ja auch was verspricht. Zum Beispiel war ich gestern auch bei Dreharbeiten zu einem Beitrag über das Buch beim Polylux-Magazin. Mal schauen wie das geworden ist. Den ZDF-Beitrag, den du da ansprichst, hatte ich jetzt danach aber nicht mehr gesehen. Wusste jetzt nicht, dass die den so gesendet hatten. Wenn solche Sachen etwas peinlich werden, weil der Gesprächspartner nicht vorbereitet ist, dann versucht man halt das so ein bisschen überspielen und umzulenken. Da weißt du dann, dass gut 100 Leute im Publikum sind, die mehr wissen als die Moderatorin und auf die konzentrierst du dich dann. Da ignoriert man die Moderation und richtet sich direkt ans Publikum, um den Leuten was zu erzählen … was dann okay ist. Wenn die Moderatorin oder der Moderator blöd sind, lässt man die besser links liegen. Auf Mist eingehen, bringt ja nichts.

Wie stehst du generell zum Thema Fernsehen? Gab es da auch schon Angebote für Shows oder Arbeiten, die man dir angeboten hat und die dir zugesagt haben?

Ich hab mich da eher immer gesperrt. Früher gab’s da mehr Interessantes. Charlotte Roche fand ich sehr okay und auch - mit Einschränkungen - die Shows von Sarah Kuttner. Da hört es aber dann schon auf. Jetzt, nachdem es die nicht mehr gibt, wüsste ich keine Sendung, in die ich gerne gehen würde. Aber jetzt, wie beim neuen Buch, da sagt dir der Verlag, dass so was ja auch was bringt. Da hatten wir uns sogar drüber gestritten. Ich war mal bei so einer Talkshow von Radio Bremen und danach gingen die Verkäufe auch hoch. Da hab ich gesagt, dass das daran lag, dass meine Fans die Bücher kaufen, weil die die nicht auf CD zuhause brennen können. Aber die meinten, dass das daran lag, dass ich in der Show da war. Im Moment sieht das so aus, als wenn der Verlag aber eher Recht gehabt hätte. So ist Fernsehen halt: Man erreicht damit einfach viel mehr Leute. Wenn du ne gewisse Popularität im Fernsehen hast, da kaufen die Leute dir jede Scheiße ab, so wie bei Ulrich Wickert. Leute die Wetterkarten vor der Kamera aufsagen, können auch ein Buch verkaufen. Das ist leider so. Das frustriert schon, wenn man sieht, dass die Leute ein Buch nicht kaufen, weil die da eine Qualität sehen, sondern einfach weil die dein Gesicht im TV gesehen haben und daraus schließen, dass das Buch einen gewissen Wert haben muss. Man sagt den Leuten so was gut oder schlecht ist. Leider!

Schlägt sich so was denn auch beim Publikum nieder? Zum Beispiel bei Lesungen, bei denen man genau weiß, dass gewisse Leute nur durch den TV-Auftritt kommen und zuhören?

Manchmal bekommt man so was dann auch mit, wenn so ältere Pärchen zum Signieren kommen und so. Da weißte dann, dass du die sonst nie erreicht hättest. Wenn die da ihre Gründe haben, ist das schon okay. Das ist so ein Zwiespalt: Machste nichts, dann verkaufste weniger. Da sagt dann keiner „Der Funny ist aber toll, der gibt sich nicht für jede Scheiße her“ und die Leute finden das toll. Kommste leider nicht vorwärts. Das sind die Lorbeeren, die man da erntet.

Du schreibst ja nicht nur Bücher, du machst auch Musik und malst Bilder. Was kommt denn von dieser Vielseitigkeit am besten an, beim Publikum da draußen?

Durch diese TV-Sachen laufen halt die Bücher ganz gut. Beim Malen hinke ich da schon am meisten hinterher. Das liegt daran, dass ich mich nicht in diesen Kreisen bewege, die da den Absatz sichern würden. Das brauche ich auch persönlich nicht. Entweder der Erfolg stellt sich so ein oder auch nicht. Bei der Musik pendelt sich das so ein. Es werden nicht weniger Leute, die das mögen, aber auch nicht soo viel mehr. Da ist halt keine Gefahr gegeben, dass ich Mainstream werden könnte. * lacht* Der Erfolg ist immer so, dass mich das motiviert weiter zu machen - nie wirklich riesig, aber auch nie wirklich weg.

Sagt dir deine Frau manchmal, dass du besser was machen solltest, wobei man mehr verdient?

Meine Frau steht da immer voll hinter mir, sonst ginge das auch gar nicht so. Sie ist ja auch mein größter Fan, und wenn das nicht so wäre, hätten wir uns sicher schon böse zerstritten. * lacht* Die ist aber auch schon sehr kritisch manchmal. Wenn ich da Orientierung brauch, frage ich sie dann einfach und dann geht’s wieder.


Kurze, heftige Sachen und zack!

Wenn man mal die Geschichten in „Zurück im Paradies“ so sieht und mit denen in den vorangegangenen Büchern vergleicht, so fällt auf, dass diesmal die Geschichten weitaus kürzer ausgefallen sind als sonst.

Ja, das mit der Kürze ist schon so eine Sache. Die werden echt von Buch zu Buch immer kürzer, und es ist schon zu befürchten, dass da bald nichts mehr vom Funny kommt. * lacht* Ja, weiß ich nicht. Das ist ja nicht geplant, und ich mach das so wie’s kommt. Ich habe in letzter Zeit immer mehr so ganz kurze Sachen gemacht. Mal sehen …ich bin da mehr so der Mann für die Kurzen, und so was wie Romane könnte ich eigentlich nicht schreiben. Das verbindet mich da schon mit Punk. So diese kurze und heftige Sache und zack! Das kommt halt immer auf die Geschichte an. Irgendwann gibt’s da so nem Impuls und man kommt zu nem Ende. Das endet dann meist recht abrupt, mit einer Pointe oder ganz verwirrt. Ich hab da auch Geschichten, die kann ich niemanden zumuten, weil mir die selbst schon fast zu blöd sind. Ich hab da auch massig Songtexte, die zwar schön sind, aber unsingbar.

Gibt es auch Geschichten, die nicht mit ins Buch kommen, oder Songs, die es nicht auf deine CDs schaffen … was dich nachher ärgert: Kacke, dass sie nicht veröffentlicht wurden?

Genau darüber wollte ich gerade noch was sagen. Ich muss sagen, dass ich da manchmal auch ziemlich uneffektiv arbeite. Wenn ich zum Beispiel an einer neuen CD arbeite, dann bleiben da immer viele Ideen, Melodien und Fragmente über. Da gibt es dann immer so über 100 Sachen, die zur Wahl standen. Das ärgert mich dann schon, wenn da zuviel liegen bleibt. Wenn dann nachher so 20 bis 25 Songs überbleiben denke dich dann: Ja, schade … wäre besser wenn ich mehr auf den Punkt arbeiten könnte. Das wäre schön, wenn man das alles etwas genauer fassen könnte. Da arbeite ich schon zu sehr ins Kraut. Scheinbar bin ich da noch nicht soweit. Bei den Büchern ist das so, dass ich vorher schon aussortiere und wenn der Verlag meint, dass es wieder Zeit für ein neues Buch ist, reiche ich das ein.

Du hast heute während der Lesung ja auch ein paar Gedichte vorgetragen, die bisher ja noch unveröffentlicht sind. Kann man damit rechnen, diese gesammelt auch bald in Buchform zu bekommen?

Da ist noch nichts geplant. Ich habe ja viele Gedichte und da müsste man mal durchchecken was okay und brauchbar ist. Eine Veröffentlichungen fände ich da auch recht schön: So nen’ Gedichtband mit ein paar Zeichnungen und so.

Es gab ja damals eine Option für eine Karriere als Profifußballer für dich, aber das scheiterte an einer Ablösesumme bei den Verhandlungen der Vereine. Bereust du manchmal, dass du den Weg in Richtung Kunst eingeschlagen hast, anstatt darin weiter dein Glück zu suchen?

Die Geschichte ist so ein bisschen anders als man zunächst glaubt. Da geht das hin und her und dann ist man mal für drei Wochen krank und kommt zurück und hat wieder keinen Bock mehr da drauf. Außerdem geht das ja auch auf die Gesundheit. Klar, mag ich Fußball immer noch gern, aber bereuen tu ich da nix.

Um mal detaillierter auf deine Musik zu sprechen zu kommen: Dein Gitarrenspiel bei den Songs ist ja….

…Jetzt sag da aber mal nichts Falsches. * lacht*

Na, ich meine, dass du da auch bewusst schlichte Akkorde zur Untermalung nutzt. Reizt dich das, da auch manchmal kleine Solo-Einlagen einzubauen, oder ist das nicht unbedingt der Fall?

Ich bin ja kein Gitarrenvirtuose, und es hat mich nie interessiert einer zu sein. Die Gitarre ist da nur Begleitung um die Stimmung zu tragen und mehr soll das dann auch nicht sein. Wobei ich dann aber sagen muss, dass ich Leute die das Instrument wirklich beherrschen bewundere. Auf der CD „Herzscheiße“ hat der Peter Pichler, der ein großartiger Gitarrist ist, die Arrangements geschrieben und gespielt. Das lehne ich also nicht ab, aber ich mag auch mein recht schlichtes Spiel und so grobe Sachen halt. Is’ für mich so okay. Um Solo-Sachen habe ich mich jetzt so nie bemüht. Wenn man das so wollte, wäre das ja auch ne Sache der Übung. Das schafft man sich schon drauf, wenn man das so haben wollte, aber mich hat das nie so interessiert.

Es gibt ja sehr viele Bands, die deine Songs covern. Gibt es da was, was dir besonders gut oder schlecht gefällt?

„Naturfilme“ von Kapelle Petra fand ich ganz okay und da gibt’s ja auch eine Interpretation des Songs „Unbekanntes Pferd“ von Rantanplan, die ich sehr schön finde. Da gibt es aber auch viele doofe Sachen. Letztens hatte mir irgend so’ne Frau was geschickt und ich dachte: „Ja, so schlimm kann’s ja nicht sein!“ Da hatte ich mich aber getäuscht! * lacht*. Das war schon Mist. Irgendwas mit Piano-Begleitung und so.

Fehlt nur noch ein „Hochhaus“- Rap, oder?

Ja, das wär’s! * lacht*

Im Herzen der Finsternis - Eisbären, Doping und Demokratiequatsch als Beilage

Im neuen Buch lässt du auch ironisch anklingen, dass die Deutschen jetzt stolz sind Papst zu sein. Wie stehst du generell zu so Aufmachern wie „Wir sind Papst“ oder Kampagnen wie „Du bist Deutschland“? Speziell jetzt auch bei der WM: Von wegen „Wir sind wieder wer“ und Vergleichen mit „Wundern“ von Bern?

Da gibt’s doch gerade diese Sache mit dem Eisbären Knut. Ich habe da auch was drüber geschrieben, aber ich habe gar keine Lust so was vorzulesen. Einfach weil man so was nicht mitmachen sollte. So ein Schwachsinn. Wenn man schon sieht, was für Schlangen von Leuten da anstehen um den zu sehen und der Reporter jetzt fragt was die jetzt fühlen… * lacht* Ich finde, von so einem Schwachsinn kann man sich nur weg halten. Oder als der Fußball-Wahnsinn ausbrach zur WM… Weißt du, da geht’s mir um Fußball und nichts sonst. Natürlich bin ich für die Deutschen, denn ich bin auch Deutscher. Meine Mutter war ja Holländerin, und wenn da Deutschland früher gegen Holland gespielt hatte, war ich für Deutschland. Einfach weil ich mich eher als Deutscher fühle, denn als Holländer. Wenn jetzt zum Beispiel die Argentinier uns weg hauen, auf dem Platz, dann bin ich nicht besonders traurig, wenn es ein super Spiel war. Es geht mir um den Sport und nicht um so ein Nationalgeschisse. So was wie „Stolz auf Deutschland“ kotzt mich einfach nur an. Man kann durchaus einen Sinn dafür haben, was deutsche Menschen in den letzten 50 Jahren geleistet haben. Nur wenn man sich vergegenwärtigt, was die davor geleistet haben, dann sollten die Leute einfach mal ihre Fresse halten, was so was angeht, und für mindestens die nächsten 200 Jahre das Wort „Stolz“ nicht in den Mund nehmen! Das war so furchtbar, was passiert ist… Das heißt ja jetzt nicht, dass man mit dem Kopf unter der Erde durch die Gegend laufen sollte. Immerhin wissen wir ja, dass andere Nationen auch ihren Mist auf dem Kerbholz haben, aber es geht ja nicht darum jetzt ewig in Sarg und Asche zu gehen. So was wie Stolz und Überheblichkeit – finde ich – ist trotzdem völlig unangebracht.

Glaubst du, dass so ein allgemeiner Tenor zum Thema, der medial verbreitet wird, Außenseitertum schafft? Also, wer jetzt „in“ ist bekennt sich zum aktuellen Hype.

Wenn man nicht mit der Masse rennt und den dadurch entstehenden Gruppenzwang folgt, dann gilt man als böse! So was mache ich auch nicht mit! Wie gesagt: Der, der den schönsten Fußball spielt, soll gewinnen. Da gibt’s ja auch Missverständnisse. Nimm allein mal den „Bayern-Song“, den ich geschrieben habe, und den die „Toten Hosen“ dann auch gespielt haben: Den hatte ich nicht so gegen die Bayern geschrieben, sondern es ging mir eher darum, dass diese ganzen jungen Spieler viel zu früh den Fehler machen zu Bayern München zu gehen und dass dadurch andere Mannschaften kaputtgehen. Mannschaften wie Karlsruhe und Nürnberg haben durch so was ja keine Chance mehr. Die tun alle so, als wenn die Spieler, wenn sie für diese Mannschaften spielten, schlechtes Geld verdienen würden und am Hungertuch nagen müssten. Man sieht das ja bei Bayern München: Wie viele tolle Fußballspieler da vor die Hunde gehen. Deissler, Mehmet Scholl oder Tobias Rau – Alle untergegangen! Bei Podolski sieht man das doch auch. Der Andrang auch – Der ist in nem’ Jahr doch eh beim 1. FC Köln. Mir geht’s da nur um den Sport.

Um beim Thema Sport zu bleiben: Was sagst du zum Eklat bei Beckmann in Sachen Jan Ullrich? Du hattest ja mal einen Song gleichen Namens, der sich um die Chronologie der 90er Jahre drehte.

Jan Ullrich, das ist generell so eine üble Geschichte: Da wird ein einzelner Mensch zum Sündenbock abgestempelt, obwohl die ganze Welt ja weiß, dass der Radsport vom Grund auf versaut ist. Zum Beispiel Rudi Altig – das große Radsportidol der 60er Jahre - der hat nur noch ein Stück vom Magen und der gibt ja sogar freiwillig zu, dass die da alle Doping gefressen haben und so. Der sagt aber auch, dass sein Magenkrebs damit nichts zu tun hätte. Wer glaubt denn so was? Oder zum Beispiel Eddy Merckx – der größte Radsportfahrer aller Zeiten kommt aus Belgien?! Aus Belgien, dem Herzen der Finsternis!! Also, man weiß doch, dass Radfahrer alle dopen! Alles andere zu behaupten, ist doch eine unglaubliche Augenwischerei. Was ich jetzt an Jan Ullrich blöd finde, ist nicht, dass er gedopt hat, sondern dass er nicht offen darüber gesprochen hat. Er hätte von Anfang an sagen müssen: „Der Lääähhnss” - er zieht das ja immer so lang wenn der den Lance Armstrong meint - “hatte nur das bessere Doping und hat deshalb gewonnen.“ Ganz einfach! * lacht*
Ich finde, dass es ein Jammer ist, dass der nicht den Mut hat, da frei aufzutreten.
Ich finde nach wie vor, dass er ein großartiger Sportler ist. Aber es war klar, dass so ein Arsch wie Beckmann sich da freut. Gerade die Leute, die ihn damals am allerlautesten bejubelt haben, das am tollsten fanden und ihm in den Arsch gekrochen sind, die treten ihn jetzt in den Dreck. So was finde ich jämmerlich. Absolut jämmerlich! Mein Gott, anstatt ihm mal etwas zu helfen, dann so was. Im Sport ist Doping ja verpönt, aber wenn ich hier zum Beispiel während der Lesung Wein trinke, ist das okay … obwohl das ja auch Doping ist. Andere Leute pfeifen sich da auch alles rein und keiner sagt was. Nur beim Sport ist das dann ganz schlimm und man ist der schlechteste Mensch der Welt. Die ganzen Koksnasen, die überall rum rennen, ist ja auch als feine Gesellschaft bekannt. Nur beim Sport ist das verpönt.

Im neuen Buch gibt es ja auch die Geschichte um ein grünes Rennhühnchen, dass gedopet ist und das trotz Sperre beim Rennen als Kokainkonsument überführt wird. Keiner kann sich das erklären - eine Analogie auf den Radsport?

Ja. * lacht* Als ich das geschrieben habe, habe ich schon an Jan Ullrich gedacht.

Du hast ja mal einen Song gemacht namens „11. September“. Stichwort „9/11“. Was verbindest du persönlich damit?

Ja, der 11. September. Wie viele sind da draufgegangen? 3500! Da schau dir mal den Irakkrieg an, wie viele da schon gestorben sind, seitdem der Krieg tobt. Sagt da jetzt wer „Das ist ja der Wahnsinn! Singuläres Geschehen 11. September. Das ist schon ein Tabuthema. War ja auch eine schlimme Sache. Da sind viele Menschen gestorben, und so was kann man ja auch in keinster Weise gut finden. Aber wenn man mal sieht, was daraus im Endeffekt geworden ist… die USA versuchen mit dem Vorwand, dass sie auf Gottes Seite sind, eine fremde Kultur zu bekehren. So was geht nicht. Man kann da nicht hinkommen und denen eine andere Kultur überpfropfen. Wir kommen da also als Westler und wollen da eingreifen und haben da gar keine Einsicht in diese Gesellschaft … wie die funktioniert und wie die strukturiert ist. Wir können da ja nicht so einfach kommen und denen was erzählen und glauben, dass das funktioniert. Das ist doch eine absolut naive Vorstellung. Schau mal zum Beispiel Afghanistan: Natürlich wird das nur ein Desaster werden. Natürlich! Was denn sonst?! Da sind die Russen schon gescheitert, und die Aktion wird da jetzt auch scheitern. In Afrika genauso: Da werden die Strukturen ignoriert und was von europäischer und amerikanischer Seite probiert, aber im Ansatz ist das schon falsch. Ich glaube, langsam werden sie da jetzt schon ein bisschen sensibler für die Geschichten da. Nach ein paar Jahren ist da schon was eingesehen worden. So, dass die sehen, dass man da nicht einfach nur Geld reinschmeißen kann und hoffen kann, dass das alles schon wieder wird. Grundsätzlich finde ich die Einstellung der westlichen Welt, also dass wir jetzt die Heilsbringer für diese Leute sind, grundverkehrt. Verlogen ist das sowieso, da es an erster Stelle ja immer diese wirtschaftlichen Interessen sind, die es da zu vertreten gilt. Der ganze Demokratiequatsch ist ja nur so eine Beilage.

Vielen Dank, dass du dir soviel Zeit genommen hast für das Interview, Funny.

Nichts zu danken, ich bin ja auch nun ganz froh, dass ich hierher gekommen bin. * lacht*

Das Interview führte Fabian Paffendorf und das Foto ist von Christoph Neumann.

Comments (1) to “ Schlichtes Spiel und grobe Sachen Funny van Dannen”

  1. Danke für das Interview!

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