Hunter S. Thompson – Königreich der Angst

thompson.jpgWer von den Print-Poppern oder Pop-Journalisten kennt keinen Thompson? Den trete ich zusammen. Thompson ist oder war eine der schillerndsten journalistischen Persönlichkeiten der amerikanischen Öffentlichkeit. Er schrieb für diverse Magazine, er schuf neben Wolfe in den 60ern den New Journalism, der, wie die PNG diesen unmissverständlich imitiert, persönliche, emotionale Erfahrung mit literarischen Stilmitteln kombiniert. Ja, der amerikanische Einfluss ist groß, wir sind, ohne es zu merken, Amerikaner. Jedenfalls ist Hunter Thompson gut, und ich bin kein Verehrer von Popmagazinen: das hier schreibe, das hat mich nicht umsonst Monate Schonfrist gekostet, außerdem, das muss ich – unter vorgehaltener Hand – sagen, darf ich hier schreiben, was ich meine: der wichtigste Aspekt. Dem sei nicht überall so. Doch: Nicht nur war Thompspn schonungslos gegen seine Kritiker, er schrieb reißende Artikel gegen das Establishment, gegen Politik, gegen Macht und Polizei, gegen Konsum und alles was wir in den 90ern dann doch irgendwie verinnerlicht haben, was keinen mehr schockiert, wofür er seinerzeit manchmal ins Gefängnis musste. Thompson schrieb auf seine Weise Literatur- wie Journalismusgeschichte. Er schrieb für das Rolling Stone, weil sie ihn, egal was er schrieb, irgendwann haben wollten. Dabei begann er als Sportjournalist. Mit der Zeit schrieb er für die größten amerikanischen Zeitungen. Er wird und wurde so häufig imitiert, warum so wahnsinnig viele Popmagazine ähnlich klingen, dass Gonzo-Journalimus (Zeichen: Gonzo Fist) zum Mtv-Duktus wurde. Er schrieb den Roman Fear and Laughing in Las Vegas (1971) oder Hell’s Angels (1967), die verfilmt wurden. Zu seinen engen Freunden zählten Bob Dylan, Warren Zevon und Johnny Depp. „Zählte“, weil Thompson seit Februar 2005 tot ist. Ein halbes Jahr nach seinem Selbstmord veröffentlichte das Rolling Stone den Abschiedsbrief: „Die Footballsaison ist vorbei.“ Und weiter: „Keine Spiele mehr. Keine Bomben mehr. Kein Laufen mehr. Kein Spaß mehr. Kein Schwimmen mehr. 67. Das ist 17 Jahre nach 50. 17 mehr als ich brauchte oder wollte. Langweilig. Ich bin nur noch gehässig. Kein Spaß - für niemanden. 67. Du wirst gierig. Benimm dich deinem hohen Alter entsprechend. Entspann’ dich - dies wird nicht wehtun.“ „Kingdom of Fear“ ist ein subjektives, emotionales, politisches Buch. Es handelt vom amerikanischen Wahnsinn der Katharsis des 11. September, und Thompson amüsiert sich so auf Kosten anderer über das Establishment, die Medien, über den Patriot Act, Gesetzesformen, Politik also und folglich uns. Er katalysiert seine Erfahrung aus den 60ern und 70ern, als er zum Beispiel versuchte, Sheriff einer Kleinstadt zu werden. Thompson ist, was er anfasst, scharfsinnig und provokativ. Die Amerikakritik wird uns derzeit ja nicht mehr kicken, aber auf den Punkt gebracht ist sie, wenn wir schon von Wahrheit und Lüge sprechen, sehr, sehr gut und abendfüllend. Außerdem attestiert Thompsons gesamtes Schaffen dem New Journalism, konservative oder reaktionäre Kritiker mögen es anders sehen (weil es doch so fluffig, peinlich, nicht distanziert genug verfasst ist) einen diskursiven Charakter, und kein überflüssiges, exaltiertes, überemotionales Protege der Selbstverherrlichung. Der Mann ist in seiner Gesamtheit sowieso ein Unikat und für eine ganze Journalismussparte richtungsweisend. (Heyne, 2005) Rafael
Auch PnG-Schreiber Fabse hat sich jüngst zum Herrn Thompson geäußert.

Comments (3) to “Hunter S. Thompson – Königreich der Angst”

  1. So gefällt das! Leider habe ich das Kingdom noch nicht verschlungen, aber da mir meine Frau ja mit Geschenken hold ist, wird das nur noch eine Frage der Zeit sein. Den Link finde ich natürlich töfte, aber am Liebsten hätte ich ja allein schon Rum Diary ein ganzes Buch an Lobpreisungen gegönnt. Mein absoluter Fave im Regal.

  2. Na dann nur zu. Ich linke gerne wieder :)
    Für Hunter geb ich alles…

    PS: Kleine Empfehlung für alle, die lieber Filme gucken: neben Gilliams Adaption gibt es noch eine wirklich Gelungene mit Bill Murray als Hunter: Where the Buffalo Roam (1980)

  3. um mich vor zu stellen; ich zähle mich nicht zu einem dieser menschen die die 90er verinnerlicht haben. ganz im gegenteil. diese verlogene kommerzialisierung geht mir tierisch am arsch vorbei und aber auch total auf die nerven. es ist schön und gut und beruhigend und herlich das es da draußen noch andere lebensformen gibt die wenigstens ähnlich wie ich empfinden. über neues und altes des H.S.T freu ich mich immer. danke, geh jetzt wieder bier trinken……

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