Leidenschaftslos über Leidenschaft sprechen Friska Viljor

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Dieser Moment, dieser Morgen. Du wachst auf und weißt. Es geht so nicht mehr. Es ist traurig, aber es reicht nicht für Selbstzerstörung. Alkohol befreit. Mitstreiter im Selbstmitleid helfen. Nur trinken auf Dauer auch wenig, zu wenig. Menschen finden sich, verbittert. Leiden. Das steht am Anfang. Und es ist überall und immer stets dasselbe. In der Not und aus Sauflaune entsteht etwas, das abschütteln und endlich wieder Aufrecht gehen lässt. Dann wichtig wird und Mittelpunkt. Von der schlechten Laune zur wohlgelaunten Band. Und der Beschluss, alles was bisher geschah, genau nicht mehr so zu tun. Und auf einmal macht es Sinn. „Then we sit there and laugh about what happened“ Es ist manchmal so einfach. Der reinste Selbstreinigungsprozess, sagen sie. “Geh ins Studio, lass alles hinter dir und werde ein neuer Mensch. Wir sind nichts Besonderes, wir können nichts Besonderes. Aber wir machen nun mal endlich was mit Leidenschaft. Und das war‘s auch schon. Two Steps back .. wow!“ Aus Selbstmitleid und Depression geboren. Es ist ein altes Motiv für den Beginn, ungefähr so alt wie Gitarrenmusik. Zugegebenermaßen ein sprödes Thema. Weil: immer dieser Selbsttherapeutische Reflex beim Musikmachen. Stattdessen die Musik: die ist so ganz und gar nicht spröde, wie diese Jungs vom Lande wirken mögen, die sich auch mitunter als Kraftfahrer und Musiklehrer verdingen. Klar, das hier ist nicht besonders tiefgründig. Eher launisch beschwingend, von Melancholie ins Heitere driftend, und ins Absurde. Eagle Seagull wird am Abend sogar ein wenig die Schau gestohlen. Und wenn sie so erzählen, von ihrer Fahrt nach Hamburg, ihren Träumen, den Zufälligkeiten und seltsamen Wendungen, die ihr Leben so eingeschlagen hat. Vom gegenseitigen Verständnis. Dann wirkt das schon ein wenig wie aus dem Handbuch für Musikbiographien. Sie mögen Direktheit. In ihrer Art, in ihrem Sound. Sagen Sie. Aber eigentlich sagen sie nicht viel. Außer Sätze wie diese: “We need to get drunk, whenever we write songs“ Ja. Es sind auch Trinklieder geworden. Melancholie im Text. So weit so gut und hart. Auch zu erwarten bei Menschen, die bis vor einem halben Jahr noch astreinen Hardrock gemacht haben. Aber auch anders. Friska Viljor, so heißt in etwa jeder zweite Sportverein in Schweden. Steht für eine Art frischen Wind. Wenn alle so heißen, dann ist das schon wieder wunderbare Selbstironie, das Anderssein. Augenzwinkern vermerkt. Und dann auch noch dieser Blick in die Ferne: Sie bedienen sich Folk Musik aller Herren Länder. Toronto bis Balkanblick. Und alles, was dazwischen liegt. Hände klatschen. Und dennoch klar, viel Drive, Geborgenheit und La La Las. Lachen an der richtigen Stelle. Auch über sich selbst. Und da sind wir an genau dem Punkt, wo trotz des „Reden, aber nicht sagen“-Moments ein gutes Gefühl bleibt und der Eindruck reift: hier muss nicht mehr passieren, als Plaudern. Sie sagen es gern auch nochmals selbst: sie sind Dorfjungs mit einer gehörigen Portion offener Ohren. Geerdet und gerne auf fremdem Boden. Daniel und Joakim. Mit Mitte 30 und gerade seit einem halben Jahr dabei, in diesem Ding „called Indiefolk. From being heartbroken means starting from the beginning. A new way, a new direction.“ Wie sie das betonen, sie sind einfach einfache Leute, eine gesunde Bauernschläue inklusive. Sie reden unspektakulär über das Eigene, das Unspektakuläre. Vieles ist hanebüchen, augenzwinkernd, selbstironisch oder platt. So reden sie von ihrer kurzen Reise nach Hamburg, die ihren musikalischen Werdegang verändern sollte, vom zufälligen Kontakt zum Labelmenschen, viel Zechen und Wegschießen. Und vom Zuhause, vom Beschluss alles anders zu machen. In kürzester Zeit gereift und eigen. Das kommt davon wenn das Davor so ganz anders war. Und zurück bleibt ein Gefühl des Verstehens ja, Wärme ums Herz.
Von Tobias Stilz

„Bravo!“ ist bereits bei Devil Duck Records/Indigo erschienen.

PS: Friska Viljor spielen auch auf dem Immergut!

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