Swan Lake – Beast Moans

swan-lake.jpgMusikalischer Eskapismus, Humor und Verschrobenheit hoch drei. Die Frontsäcke von Destroyer (Dan Bejar), Wolf Parade (Spencer Krug) und Frog Eyes (Carey Mercer) beschließen, nachdem sie sich auf Tour gegenseitig als Backingband aushalfen, zusammen ein Album aufzunehmen. Ganz do it yourself, ganz kumpelhaft, ganz weirdofolkfreakout. Hier kommt zusammen was zusammengehört. der entrückte Quietschglam von Dan Bejar, das Burlesk-polternde der Wolf Parade und das völlig Überdrehte der Frog Eyes. Zuckrige Melodien, mitreißende Akkordwechsel, empatietrunkener Gesang, alles einmal durch den Reißwolf und ordentlich in Schräglage gebracht. Erinnert an die wild-orchestrierten Momente von Arcade Fire. “The Partisan But He’s Got To Know” beginnt als rumpelndes Durcheinander, mehrstimmiges Männergekrächze und blecherne Gitarren überschlagen sich über schwerem Schlagzeug, um immer wieder in einen klaviergetragenen Refrain zu schlittern, der zum übermütigen Mitdirigieren einlädt. Übermut ist ohnehin ein treibender Faktor im Universum Swan Lake. wer sich offensichtlich nach Tchaikovskys tragischem Ornitologenballet benennt und ein derartiges Kasperletheater in irgendwas zwischen neofolkendem Storytelling, beefheartiger Beklopptheit und geysirhaftem Songwriting abliefert, mit dem möchte man gerne mal zusammen auf dem Flohmarkt alte Trashplatten stöbern, oder Sonnenaufgänge auslachen gehen. Mit “All Fires” besitzt die Platte ein heimliches Powerpopjuwel im ätherischen Gewand eines verhallten Songwriterminimalismus. Eine beschwippste Diva, die immer ein paar handbreit zu weit aus dem Rahmen fällt. Generell ist hier alles ein bisschen angenehm daneben, ein Zusammenclash dreier Kautzbärte, eine Supergroup, die den spröden Glanz stöhnender Biestigkeit und die jagjaguwareigene Waldschratgrandezza versprüht.
(Jagjaguwar) Martin

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