HALDERN POP FESTIVAL – 2.-4.8.2007 - WAS SONST?
Auch in diesem Jahr fiebern wir einem Datum entgegen, diesmal ist es das erste Wochenende im August. Vom Donnerstag, dem 2. bis Samstag den 4. August findet das Haldern Pop Festival statt, und dass schon zum 24. Mal. Fast ist man geneigt zu sagen, es ist egal welche Künstler spielen, denn auf die gute Auslese kann man sich seit Jahren verlassen. Und dann werden die meisten Besucher die einzigartige Stimmung als ersten großen Pluspunkt, vor jeglichem Namedroping, loben.
Doch wie entsteht eben die? Die ländliche Umgebung, der Platz, die Größe, die schon lange auf 5000 Besucher pro Tag begrenzt ist, der reibungslose Ablauf, Ordnungskräfte, ohne militärische Allüren oder das Publikum, dass sich zu einem entspannten Wochenende zusammengefunden hat, als ob alle an einem Familienpicknick teilnehmen? Schwer zu sagen. Mittlerweile strömen die Zuschauer von weit her und auch diesmal dürfte das Festival wieder Monate im Voraus ausverkauft sein. Man trifft sich ausgelassen auf dem alten Reitplatz am Ortsrand von Rees-Haldern. Das Areal ist von Bäumen umstandenen und keine 50m entfernt lädt ein See zum Baden ein, so sich das Wetter gnädig zeigt. Mit unserer Hartnäckigkeit hätten wir in diesem Jahr mal wieder Sonnenschein verdient. Dauerregen vor zwei Jahren und 2006 entschied sich Petrus die selbe Wassermenge innerhalb eines Konzerts freizugeben. We Are Scientists hatten nicht viel zu lachen, spielten aber tapfer weiter, als sich die Himmelschleusen öffneten. Das Publikum reagiert gelassen, , man rückt zusammen unter den Ständen und danach keine Randale, nur ein paar Tänzer in Wasser und Schlamm. Doch selbst mit einer Katastrophe, wie dieser geht man in Haldern professionell und kameradschaftlich um. Die Feuerwehr ist schnell da, saugte die Riesenpfütze ab und am nächsten Morgen ist der ganze Platz mit flauschigen Sägespänen gepolstert, um dem Schlamm Einhalt zu gebieten. Versöhnt haben uns am Abend zuvor noch Mogwai mit ihren breiten Soundschwaden. Einmalig.
Eigentlich hätten die 14 Messdiener und ihre beiden Oberministranten, die 1981 erstmals auf den Gedanken kamen etwas zu veranstalten einen besseren Draht zur Wetterhoheit haben müssen. Seit 1983 findet nun das kleine schnuckelige Festival jedes Jahr statt und hat sich trotz zwischenzeitlicher finanzieller Durststrecken zum Fixpunkt für Musikliebhaber entwickelt. An dieser Stelle sei auch einmal die Arbeit der aufopferungsvollen Organisatoren und die ihrer zahlreichen Helfer und Helfershelfer hingewiesen, ohne die dieses sympathische Fest mit dem besonderen Flair nicht möglich wäre. Ich freu mich drauf gute Landluft zu atmen, an unserem Stand mit Blick auf die Bühne zu sitzen und auf die nächste Band zu warten. Ohne Hetzerei, ohne nach jedem Gig zum nächsten Zelt zu rennen, das weit weg und mit Sicherheit überfüllt sein wird. O.K. nehme ich das Spiegelzelt vor dem Gelände ein wenig heraus, denn die Konzerte hier starten erst nach dem Ende auf der Hauptbühne. Dank der Güte der Künstler und nur begrenzter Kapazität im historischen Zelt wird es dort auch schon mal eng.
Doch was erwartet uns in diesem Jahr? Die Bands stehen mittlerweile fest und die fast schon traditionelle Zuneigung der Veranstalter zu leiseren Tönen und etwas lauterer Gitarrenmusik wird auch diesmal bestätigt. In die erste Kategorie fallen die bezaubernde An Pierlè & White Velvet aus dem Nachbarland Belgien und ebenso einschmeichelnd kommen Loney, Dear (aka Emil Svanängen aus Stockholm) und der Franzose Sebastien Tellier daher, der nicht nur mit zwei ausgezeichneten Alben aufwarten kann, sondern dem einen oder anderen vom „Lost In Translation“-Soundtrack bekannt sein könnte. Ein Highlight dürfe auch der Auftritt von Duke Special, dem nordirischen Ausnahmepoeten am Klavier, sein. In die Traumwandelecke gehören sicher auch die momentan extrem angesagten Polarkreis 18 und die zuletzt hinzugekommenen Under Byen, die vor Jahren zu ihrer ersten Veröffentlichung hierzulande kamen wie die Jungfrau zum Kind. Haldern Pop fragte nämlich an, ob sie den Konzertmitschnitt vom Haldern-Pop Festival veröffentlichen dürften. Sie durften und damit waren sie die erste Band beim Label zum Festival. Die Dänen sind mit ihrer eigentümlich stimmungsreichen Musik inzwischen weltweit unterwegs. Meist ist das Publikum derart hingerissen, dass hernach die Beschreibung schwer fällt, aber häufig in emotionalen Superlativen davon berichtet wird. Das möchte ich an dieser Stelle auch gern bestätigen. Ihre Auftritte sind stets ein besonderes Erlebnis und mit dem intimen Spiegelzelt sollte auch der perfekte Rahmen gegeben sein.
Eine Brücke zur Gitarrenmusik schlagen Get Well Soon aka Konstantin Gropper mit seinen schwermütigen melancholischen Balladen. Verspielter wird es bei Architecture In Helsinki, den Earlies und Tunng. Die letzten beiden bringen zudem ein klein wenig Elekronika mit auf den Reitplatz, eine bislang etwas unterrepräsentierte Klangfarbe.
Deutlich rockiger wird es dann mit feinstem Britpop von den Brakes, die gleich noch, wie eine dicke Matrjoschka, die Electric Soft Parade, mit sich führen und auch noch auf die Bühne schubsen. An der Stelle ist auch ein klein wenig Kontinuität angesagt, denn die beiden White-Brüder konnte man schon 2002 mit ihren eingängigen Songs bewundern. Vielleicht im selben Tourbus, weil auch aus Brighton, kommt Paul Steel daher. Auch von der Insel, die Schotten von The View mit breitestem Akzent und Jamie T., der die Bühne wie zuletzt beim Melt! gesehen rocken wird. Beide übrigens für den diesjährigen Mercury Award nominiert!!! Breitwandsound mit einer gehörigen Portion Psychedelia erwartet uns bei den Staub- und Wüstenrockern The Drones aus Melbourne und bei Grand Island, der neuesten hauseigenen Band auf Haldern Pop Records. John und Ossi aus Stockholm zeigen uns mit Johnossi einfach mal, was richtiger Rock’n’Roll ist. Da wird wohl kein Fuß stillhalten können, wie später auch bei Friska Viljor. Die zwischenzeitlich als Headliner angekündigten Editors haben abgesagt und gehen lieber auf Australientournee. Klarer Fall von selber Schuld, aber bei dem Programm kein großer Verlust. Vielleicht springt ja noch jemand in letzter Sekunde in die Bresche. Wie vor zwei Jahren als die noch recht unbekannten Art Brut die Ocean Colour Scene mehr als würdig ersetzten. Dem bislang fehlenden internationaler Headliner ist sicher auch der Umstand geschuldet, dass in diesem Jahr das Festival noch nicht ausverkauft ist. Doch wer sich ein wenig auskennt, oder einen flinken Mausfinger und DSL hat, weiß die hohe Qualität der noch kleinen Bands zu würdigen. Und vielleicht erweißt sich Haldern wie schon so oft, als Trüffelschwein, dass die Nase für neue gute Bands ganz weit vorn hat. Ich jedenfalls freu mich jetzt schon auf ein paar nette Tage mit guter Musik.
Mehr Informationen: www.haldern-pop.de
Aktuelle Ergänzung:
Es gab noch ein paar Schiebereien und einen waschechten Neuzugang: Kate Nash. Die 19jährige Britin wird mit der Akustikgitarre hübsches Hippie-Feeling von der Insel mitbringen. Zum Einstimmen: www.myspace.com/katenashmusic
Außerdem werden Friskja Viljor nun auf der Hauptbühne spielen. Ihren vakanten Slot im Zelt übernehmen The Drones. Heißt das, Jan Delay verschont uns? Bisher ist nichts in der Richtung zu lesen, aber wer weiß.
Wir halten Euch auf dem Laufenden. Einen neuen Ablauf gibts leider noch nicht, daher hier noch das alte…
Programm
Donnerstag - 2.8.2007
Zelt:
Grand Island
Get Well Soon
Tunng
Two Gallants
An Pierlé & White Velvet
Naked Lunch
Freitag - 3.8.2007
Zelt:
Zippo 1
The Electric Soft Parade
Zippo 2
Brakes
Hauptbühne:
Ripchord
Gabriel Rios
Polarkreis 18
Paul Steel
The View
Jamie T
The Magic Numbers
Spiritualized - Acoustic Mainlines
Waterboys
Zelt:
Maccabees
The Drones
Under Byen
Patrick Watson
Samstag - 4.8.2007
Hauptbühne:
Navel
Serena Maneesh
Voxtrot
Johnossi
Malajube
Architecture In Helsinki
Loney, Dear
Shout Out Louds
Jan Delay & Disko No. 1 (???)

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