Voxtrot - s/t … und ein paar weitere Reviews, die wir nur halb im Ernst meinen, Teil 3
Zwar haben Voxtrot ihren Namen am Morgen nach der Campus-Party auf dem Klo gefunden, aber ihre Songs klingen so frisch, wie sie klingen können, mit einem gewaltigen Hangover … einem Luftballon mit Koksresten in der Nase, einer frisch genähten (noch erheblich schmerzenden) Narbe am rechten Hodensack, den Sporen des einsamen Cowboys mit dem rostigen Dodge im Allerwertesten … und natürlich nicht der leisesten Ahnung wie es zu alledem kommen konnte. Wir ahnen, dass Voxtrot lieber über etwas anderes sprechen wollen, als über ihre Musik. Zwischen den Noten klaffen schwere Wunden. Deshalb reden wir über Mütter … wir reden über den Geruch ihres Parfüms, den Geschmack ihres Lippenstiftes und das unnachahmliche Gefühl ihrer Nylons als zweite Haut, die wir anlegten, wann immer die Alten mit ihren Freundinnen in der Shopping Mall einen Schnaps trinken fuhren. Dies sind wahrlich süßlichere Erinnerung als jene, die die armen Voxtrot zu den Songs auf ihrem selbstbetitelten Album quälten. Manchmal mag man es unseren Texten ja nicht anmerken, und ganz sicher ist dies auch nicht der Anspruch, den die meisten Leser hegen, wenn sie sich über eine Band belesen wollen, aber wir, als Musikjournalisten, haben natürlich eine ganz besondere Verantwortung gegenüber den Künstlern, die sich uns mit ihren, häufig noch liebevoll selbstgebrannten Promos anvertrauen … da muss man ab und an auch mal die sorgsam vorbereiteten Fragen zur Seite legen, und bereit sein, ein paar Stunden über pinken Plüsch und Zwergkaninchen zu plaudern.
(Playlouder/Beggars Group)
Nico
THE KISSAWAY TRAIL
S/T
STERIC
NO WAY BACK
Nach der bedauerlichen Auflösung von Mew verkrochen sich Sören Corneliussen und Thomas Fagerlund nicht lange am wieder wunderbar mit Bettenburgen aufgeforsteten Strand von Khao Lak. Eigentlich wollten sie länger Pause machen, gestanden sie in Interviews zum Debüt ihres neuen Projektes, aber es hätten da in Thailand schon wieder zu viele schmerbäuchige und müllbeuteltittige Deutsche herumgelegen, dass man den Einheimischen beinahe eine neue Sintflut wünschen mochte. Nicht zum Aushalten sei das gewesen, sagen die Dänen, weshalb sie sich schnell an das Schreiben neuer Songs gemacht hätten. Immerhin ist die aus dieser Situation entstandene Vorabsingle „In the Ocean and Rise Again“ ein unglaublich mitreißender Schmachter geworden, gerade so wie man ihn vorher von Mew erwarten konnte, auch wenn – zugegeben – die Lyrics, in denen es darum geht, wie die beiden Freunde im Wasser mittels gewaltiger Furze große Wellen machen, reichlich infantil geraten sind. Aber einer Band von diesem Kaliber muss man das einfach nachsehen können. Die anderen Stücke auf dem Debüt sind textlich weniger problematisch, dafür jedoch mit dem gleichen Hitpotenzial gesegnet wie seinerzeit das phänomenale „Special“. Wenn sich hernach wirklich noch jemand fragt, was aus den anderen beiden Mitgliedern von Mew geworden ist, so muss man den auf Steric verweisen. Erwartungsgemäß sind denn aber auch Steric genau so unwesentlich wie sich der Beitrag der Musiker nachträglich für Mew entpuppte – Mew, eine Band die einzig und zweifelsfrei in The Kissaway Trail fortbesteht.
(K: Bella Union; S: Divine)
Nico
SOUNDS LIKE VIOLENCE
WITH BLOOD ON MY HAND
Sounds Like Violence haben es weit gebracht … von den Roadies, die im letzten Jahr The Hives noch die Unterwäsche aus der Garderobe klauten. Und da sage noch mal jemand, Schlüpferschnüffeln, das bringe doch nichts. Seit ihr Debüt „With Blood on My Hands“ wie ne Bombe eingeschlagen ist, müssen sie ihre Panties nicht mehr stibitzen gehen, die hübschen, verschwitzten Boys aus der ersten Reihe schieben ihnen die Undies ganz freiwillig zwischen die losen Knöpfe ihrer schwarzen Hemden. The Hives kommentieren diese Entwicklung nicht, aber sind doch merklich grantig. Es wird sogar gemunkelt, dass The Hives zunächst Anzeige erstattet hätten gegen ihre erfolgreichen Epigonen, wegen der Diebstähle aus den Garderoben. Die Anzeige sei dann aber wohl wieder zurückgezogen worden – weil zu viel schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit der Band wahrscheinlich eher geschadet als geholfen hätte. Bekanntlich wird der hive-sche Rock’n'Roll Gestus von Britpop-Fans vor allem wegen seiner kuschelbärigen Sterilität geschätzt.
(Burning Heart)
Nico
GUTEVOLK
TINY PEOPLE SINGING OVER THE RAINBOW
Die isländischen Black Metaler von Gutevolk beweisen sich auch mit ihrem aktuellen Album „Tiny People …“ als wohl bemerkenswerteste Vertreter ihres Genres. Das Konzeptwerk nimmt sich der zahlreichen Legenden des Nordens um Trolle, Gnome, Wichtel, Zwerge und Elfen an und kulminiert in einem famosen, zwölfminütigen Potpourri, in welchem alle, für diesen Meilenstein der Rockgeschichte aus dem Reich des Vergessenen zurückberufenen Fabelwesen noch einmal singend um Töpfe voller Gold am Ende des Regenbogens tanzen. Gutevolk lassen in ihren aufwändig instrumentierten Songs diese spektakulären Szenen vor dem geistigen Auge wahrhaftig erstehen. Um das enorme Potenzial dieses Meisterwerkes sehr wohl wissend, hat der US-Buchriese Barnes&Noble Gutevolk auf sein neues Label gesignt und will deren Veröffentlichungen künftig weltweit auswerten. In den Vereinigten Staaten sorgte dieser mutige Schritt unter einem nicht unerheblichen Teil der Kundschaft des Konzerns, der landesweit Hunderte Medienkaufhäuser unterhält, für heftige Verstimmung. In mehreren Bundesstaaten soll es zu Ausschreitungen fundamentalchristlicher Gruppen in Filialen des Unternehmens gekommen sein. Aus Texas wurden gar zwei Brandstiftungen gemeldet. Die Konzernführung betonte jedoch, dass sie sich durch diesen Vandalismus nicht beirren lassen wolle. Gutevolk haben dieses Engagement wie keine andere Band verdient.
www.noble-label.net
Nico
Viele weitere halbwahre, ganz und gar verlogene, schludrige, dreiste und einfach nur schlechte Texte und Reviews im “Lügen”-Teil der immer noch aktuellen PNG 72 … für unverschämte 6,00 Euro am Kiosk (und in unserem online-shop) … oder in diversen kostenlos rumliegenden Blättern im Medienmarkt, bei MacDonalds und in der Kiez-Boutique.
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