Thomas Kunst - Sonntage ohne Unterschrift
Mensch, krass, denk ich, dass sich ein Roman von einem Lyriker genau so anhört, wie man sich das vorstellt. Thomas Kunst ist in den Sechzigern geboren, wurde 1996 mit dem Dresdner Lyrikpreis ausgezeichnet, 2004 nochmals von der Akademie der Künste Berlin und ist heute, gleich bei mir um die Ecke, Bibliotheksmitarbeiter in der Deutschen Bücherei.
Hört sich traurig an, ist es ja aber mitunter gar nicht.
„Sonntage ohne Unterschrift“ ist ein Briefroman. Ein Mann geht nach Amerika und schreibt Briefe an seine Geliebte Jeaujeau. Ergebnis sind ganz eindeutig flehende, appellierende und suchende Bitten, vorgetragen in einem dichten, ungewöhnlich drängenden und drückenden Stil. Häufig setzt er Wiederholungen formelhaft ein: „Ich verstehe meine Augen nicht mehr. Ich habe so gehofft, daß sie diesen Sommer noch halten.“ oder auch lustig: „Mein Badezimmer kann mich nicht mehr leiden.“ Schöne beschwörerische Worte, die unruhig machen aber manchmal keinen Sinn. „Ich will, daß sich das Krippenspiel auch wirklich dreht. Und Mittendrin Maria. Mit ihren unterschiedlich hölzernen Getränken. Ich will ein Schiff, daß ohne Wollpullover stehen kann. Und ein braunes Frauenthermometer, aber nicht für mich, /das/glänzt.“
Der Briefeschreiber schreibt von anderen Frauen, von seiner Sehnsucht und davon, dass er die Jahreszeiten nur mit Alkohol, zugezogenen Vorhängen und Musik übersteht. Er klappert gemeinsame Erinnerungen ab und seltsamt und seltsamt mit seiner Sprache, dass es nur so kracht. Das ist vermutlich was für Lyrikliebhaber, denen die Strophen immer zu kurz sind. Es hat ja auch wirklich etwas erfreuliches, dieses Verdichtete, das zu Intensitäten locken will. Als Roman ist die Sprache zwar interessant, funktioniert jedoch leider nicht auf langen Strecken. Dauerbeschwöhrungen verlieren Atem. (Tisch 7) Susanne
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