Hallam Foe von David Mackenzie
David Mackenzies Protagonisten sind Getriebene. Ewan McGregor etwa, in Mackenzies Erstling „Young Adam“, dessen Darstellung des Mörders Joe Taylor aus Alexander Trocchis Roman unter die Haut ging. Oder Natasha Richardsons einfühlsame Verkörperung der Stella Raphael, die in “Stellas Versuchung” (”Asylum”), einer weiteren Romanverfilmung nach Patrick McGrath (”Spider”), einem Anstaltsinsassen verfällt. Auch Hallam Foe ist ein Rastloser, mit dem es das Leben nicht gerade gut meinte. Ein Einzelgänger, wie sie Mackenzie liebt. Getrieben vom Tod seiner Mutter hängt er die meiste Zeit in seinem Baumhaus, beobachtet seine Mitschüler beim Fummeln oder die Nachbarschaft bei ihren Alltäglichkeiten. Seinem reichen Vater macht er indessen das Leben zur Hölle, als dieser mit seiner hübschen Sekretärin anbändelt. Doch die dreht den Spieß um und Hallam bleibt nur die Flucht nach Edinburgh. Dort beginnt er ein neues Leben, pflegt aber alte Gewohnheiten: nachts stellt er der Hotelangestellten Kate nach, in der er seine Mutter zu erkennen glaubt. Er heuert in ihrer Arbeitsstätte an und observiert die junge Frau rund um die Uhr. Als er ihr zu nahe kommt, muss Hallam seine Rolle als Beobachter aufgeben und selbst aktiv werden.
Es sind die Anti-Helden, die Mackenzie faszinieren. Der Voyeur in Peter Jinks’ Debütroman ist zwanghafter, fast schon perverser Natur. Er observiert das Leben Anderer, in Ermangelung eines eigenen, ist biegsam, katzengleich und passt sich an. Eine nicht existente Figur, fast so wie der Mr. Ripley in Patricia Highsmiths Romanen. Als solche steht er über dem Gesetz, jenseits jeglicher Moral. Das weckt in uns eine gewisse Faszination für seinen Charakter. Auf der anderen Seite ist Hallam aber auch ein Heranwachsender, ein Jungspund, bar jeglicher Erfahrung. Naiv, ein Kind, dem die Mutter genommen wurde und der seitdem trotzig der Welt gegenübersteht, krankhaft dem Bild in seiner Erinnerung verhaftet, das großformatig in seinem Unterschlupf hängt und ihn in den Schlaf bringt. Hallam ist ein Kranker, ein Schlafwandelnder, der geweckt werden muss. Das Erwachen ist schmerzhaft, aber am Ende notwendig.

Mackenzie fängt dieses Coming-of-Age in düster-grauen Bildern ein, die eine typisch-britische Atmosphäre generieren. Dem Luxus seiner Herkunft setzt er die triste Großstadt gegenüber, in der der mittellose Hallam strandet. Das britische Label Domino Records liefert den vielfältigen Soundtrack dazu, was trotz völligem Verzicht auf eine spezielle Score erstaunlich gut funktioniert. So gut, dass sie auf der Berlinale repräsentiert durch Franz Ferdinand einen Sonderpreis entgegen nehmen konnten. Auch auf das fantastische Artwork sei hingewiesen, das Vorspann und Website durchzieht. Naive, wundervolle Bleistiftzeichnungen des Engländers David Shrigley, der bereits für Blur und Bonnie Prince Billy künstlerisch tätig war. (Prokino / Fox)
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