St. Vincent - Marry Me
Bedauerlicher Weise stellt sich im Verlauf des Titelstückes heraus, dass ein gewisser John angesprochen wird. Ansonsten hätte die Erwiderung zu diesem Imperativ nur lauten könnten: Wann und Wo? Aber immerhin bleibt uns diese Liedersammlung, die auf eigentümliche Weise in ihren Bann zu ziehen vermag. Songs mit dem gewissen Etwas, mit einem Dreh, einem Haken. Bevor die Perfektion und das Schwelgen uns einzulullen droht wird hineingegrätscht. Schräge Töne, unerwartete Sirenenchöre und eigenartige Wendungen im Text, die zu verstören wissen und die Aufmerksamkeit fesseln.
Ihre Vergangenheit bei The Polyphonic Spree kann die gebürtige Texanerin und mittleres von neun Geschwistern nicht ganz verheimlichen. Immer wieder jubiliert es und ein Chor trällert ein paar Takte. Eine ausgefeilte Instrumentierung und ein pointierter Einsatz der zahlreichen Instrumente und Stimmen zeichnen die Produktion aus, die trotz Opulenz nie überladen wirkt. Einen Großteil der Instrumente hat sie selbst eingespielt, darunter auch Hackbrett, Clavieta, Xylo- und Vibraphone. Aber es ist vor allem der Vortrag und die Stimme von Annie Clark, die fesseln. Vergleiche mit Kate Bush treffen vielleicht den ausgefallen Ansatz und die unkonventionelle Herangehensweise, stimmlich fehlt glücklicherweise die schrille Note. Hier schmeichelt Frau Clark doch eher dem Ohr. Lieder zwischen Musical, Barjazz, Singer-/Songwriter und Chanson. Sehr schön und sehr eigen. (Beggars Banquet/Beggars Group/Indigo) Klaus
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