http://www.makepovertyhistory.org persona non grata » 2007 » November

Phonoboy - Pas Des Temps

phonoboy1.jpgUnd schon rollt die nächste Retro-Kanonade auf uns zu und zwar mit Heimatbahnhof München, wo Retro ja auch sehr oft very chic sein durfte. Man denke hierbei nur an die seligen Merricks. Aber das hier verschlägt mir förmlich im Negativen die Sprache. Phonoboy (mittlerweile verstärkt durch den Curt Cress-Sohn und Miles-/Crash Tokio-Nina) geben uns so etwas wie die frankophonen Devo und dies tun sie so etwas von aufdringlich nachbuchstabiert, dass es einem Grausen möchte. Da sieht man nun endlich, was die maßlos überschätzen und dauerbekloppten Nouvelle Vague flächendeckend angerichtet haben. Immer offen für den Gute-Laune-Effekt und ausgerüstet mit felsenfestem Pferdestehlen-Strahlegesicht langweilen mich Phonoboy zu Tode, wenn ich nicht gleich etwas mit der Stop-Taste unternehme.
(TV Eye) Donis

Hoffnung für Alle (aber streng limitiert)

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“Hoffnung” ist der Name eines neuen und - im wahrsten Sinne des Wortes - einzigartigen Magazins aus Hamburg. Die Seiten sind gefüllt mit detailverliebten Zeichnungen und charmanten Drucken, kleinen Geschichten, entzückenden Fotografien und Collagen aus gepressten Blumen, Buchstabennudeln, selbst gestanztem Konfetti und vor allem ganz viel Liebe. Jede einzelne Seite, sogar der Umschlag aus Stoff, ist handgemacht. Alles ist original an diesem Magazin und weil das selbstverständlich enorm viel Arbeit macht, gibt es nur 40 Exemplare der Debütausgabe. (Continued)

Vic Chesnutt & Calaveras im UT !!!

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Vic Chesnutt – North Star Deserter

“… everything turns to dust / big ol’ mountains do / as well as everyone of us / and i love the dust” (Over)

Herr Chesnutt ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nach zehn Soloalben seit 1990 und zwei Platten mit Widespread Panic unter dem Pseudonym Brute, hat er sich einen unbestrittenen Status als außergewöhnlicher Singer-/Songwriter erarbeitet. Mit Liedern, die tief bewegen, fesseln, voll Melancholie, verschmitzter Ironie, beißendem Sarkasmus und doch auch voller Hoffnung. Dramatisch waren seine Songs schon immer. Und sie waren auch stets schonungslos, vor allem sich selbst gegenüber. Dahinter steht ein Lebenslauf, dessen Stationen die meisten seiner Stücke widerspiegeln. (Continued)

Punk, Dreck & Gewalt Koen Mortiers “Ex Drummer”

ex-drummer_cover.jpgDer flämische Autor Herman Brusselmans hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Gesellschaft ihren Bodensatz unter die Nase zu halten. Dadurch gilt er schon längst als Enfant Terrible der belgischen Literaturszene. Kein Wunder, dass Koen Mortier keine Begeisterungsstürme auslöste, als er ankündigte, Brusselmans “Ex Drummer” zu verfilmen. Der Werbefilmer verfügt jedoch über ausreichende Beziehungen ins Ausland, um die Finanzierung seines Langfilmdebüts bewerkstelligen zu können.

Herausgekommen ist ein höchst unbequemer Film, eine Art perverser “Trainspotting”, zehn Jahre später. Sowohl auf visueller, als auch auf narrativer Ebene werden die Konventionen kräftig durchgerüttelt, viel experimentiert und gegen die Gewohnheit gearbeitet. Das fasziniert selbst den Filmtheoretiker. Auch die Figurenzeichnung weist viele Graustellen auf. Selbst der intellektuelle Dries ist alles andere, als eine vorbildliche Identifikationsfigur. Er macht keine Katharsis durch, wird nicht für seine Taten bestraft. Wir betrachten derweil das Elend voyeuristisch vom Sofa aus, sind aber doch schneller darin gefangen, als uns lieb ist. Angewidert und fasziniert zugleich, gerät der analytische Blick immer wieder ins Wanken. Das will Mortier – den Zuschauer hineinziehen in seinen Film – und das stellt er von Anfang an klar.
(Continued)

Marble Sheep und Drive By Shooting am Samstag in der Liwi

marby.jpgMarby is back! Und zwar direkt aus Japan. Am Samstag, den 24.11.2007, wird das psychedelische Knuddelmonster die Leipziger Lichtwirtschaft rocken. Gemeinsam mit Drive By Shooting (D) werden sie ein Inferno entfachen bei dem kein Auge trocken bleiben wird.

(Continued)

Amerikanisches Doppel Pelican & High on Fire im UT

highonfire.jpgWer morgen nicht ins Haus Auensee zur alljährlichen Anbetung der Lemmy-Gedächtniswarze pilgert, sollte im UT Connewitz aufschlagen, denn dort serviert uns das SchubladenKonsortium in dieser Woche schon zum zweiten Mal ein wirklich schmackhaftes Menü. High on Fire, einigen wenigen (wenn ich mir unseren Bestand anschaue) sicher noch bekannt von unserer Relapse/Rage of Achilles-Doppelausgabe und die fantastischen Pelican testen das antike Gemäuer auf seine Baufälligkeit. Wenn da mal nicht wieder ‘ne Disko fürs Dach fällig wird.

Do 22.11. UT Connewitz
doors: 20.00 - start: 21.00

(Continued)

Deutsch-japanisch-amerikanisches Treffen im UT Envy, Deerhunter & O Stranger Bend My Heart Of Darkness

envy.gifdeerhunter.jpgstranger.jpgDas SchubladenKonsortium bereitet uns in der kommenden Woche wieder ein wahres Fest im Leipziger UT. Auf der Bühne stehen nicht weniger als drei Bands aus Leipzig, Japan und den Staaten. Aber lassen wir die Schublade selbst ins Schwärmen geraten…

Mo 19.11. UT Connewitz
doors: 19.30 - start: 21.00

(Continued)

Captain Planet – Wasser kommt, Wasser geht

captain-planet.jpgHolterdiepolter, da will es aber jemand wissen! Captain Planet treten auf ihrem Debüt auf die Tube, als wäre morgen schon längst vorgestern und als gelte es, die Welt mittels einem halbstündigen Tonträger zu retten. Und als wäre es die einfachste Sache der Welt, mit einem unglaublich treibenden Schlagzeug und fordernder Stimme Ausstehendes einzuklagen, Situationen zu beschreiben und ohne Rücksicht auf Verluste alles rauszulassen. Mit fragmentarischen Momentaufnahmen eines Feingeistes, die nur mit der Musik wirken, aber gerade in dieser Kombination in einer perfekten Welt die Debatte um die Hinfälligkeit deutschsprachiger Texte beenden könnte. Es passiert nicht oft, dass mich eine Punkrock-Platte mitreißt; „Wasser kommt, Wasser geht“ hat es geschafft. Den Vergleich mit Turbostaat müssen Captain Planet wohl ertragen, aber sie werden wissen, dass sie viel besser sind.
(Unterm Durchschnitt/Broken Silence)

Eric Copeland – Hermaphrodite

ericcopeland.jpgBlack Dice-Mitstreiter Eric Copeland variiert auf “Hermaphrodite” einen überaus perkussiven Bogen, der Kulturen-umspannend instrumentale Reize aussendet, die, auf der dunklen Seite dessen, den marschierenden Industrial-Golem in die Welt bringen und auf der sunny side der selben Medaille niemals so lange im Tribalismus verweilen, als dass man den Ersteller einen verfemten Weltmusiker nennen müsste. Copeland vermag es tatsächlich, gleichzeitig vollkommen heutig zu klingen und nebenbei doch auch semi-eklektisch. Er hätte so auch der sein können, der in den 60ern einen der ersten voll-elektronischen Scores zu John Houghs „Tanz der Totenköpfe“ fertigte. Niemanden würde es wundern. Das war jetzt übrigens ein Kompliment, liebe/r Leser/in.
(Paw Tracks)
Donis

Jens Lekman - Night Falls over Kortedala

jens.jpgDer Schwede Jens Lekman ist von der ganz erstaunlichen Art Crooner, die sich selbst mit den winzigen Bühnen in Kellerclubs noch vertragen, mit Einrichtungen, die nach Fäulnis, ungeleerten Aschenbechern und überlaufenden Pissrinnen miefen, ein Crooner, der sich nicht zu schade ist, sich mit großen Gesten vor einem fettsträhnigen und speckjackigen Publikum zu präsentieren, obwohl er doch ahnt, dass wenigstens die Hälfte von denen am Einlass versucht hat, den Ticketpreis auf studentenfreundlich herunterzufeilschen. Er ahnt nicht nur, er weiß es sogar, dass ihm unter solchen Voraussetzungen und in solchen Zusammenhängen selbstverständlich nur eine billige Mimikry der pompösen Standards, dieses orchestral ins Epische getünchte Pathos, möglich ist, und dennoch lässt sich Lekman in seiner Mission kein Stück beirren. Er buckelt seinen Schmonz nach Indie. Er bürdet sich auf die Schultern, was sein Stimmchen nimmer trägt. Er tranchiert die Kammern seines Herzens und lässt sich ausbluten vor diesem Publikum – natürlich ist das nur ein hübscher Effekt: das ist eben alles, was die erwarten können, die sich aus Prinzip nichts leisten aber auf nichts verzichten wollen. (Continued)

Qui – Love’s Miracle &
Goon Moon – Licker’s Last Leg

cover_qui.jpgDieses Wunder der Liebe kann man in recht banale Worte fassen. Noiserockclashs wider das vornehmlich enervierende Instrumentplänkeln verkappter Progrocker furchen ein sehr konventionelles Szenario zwischen den verdächtig anrainenden Genres auf, inmitten dessen der zum ursprünglichen Duett aus Paul Christensen und Matt Cronk hinzugestoßene David Yow (vormals The Jesus Lizard) seinen alten Dämonen mit den gleichen alten, ausgeleierten Stimmbändern peitscht. „Love’s Miracle“ ist eine Platte, die die Welt nicht wirklich braucht … dass die alten Jungens mit sich selbst Spaß haben, will ihnen natürlich niemand verleiden. (Continued)

Liars und HRTK am Sonntag im UT

hrtk.jpgliars.jpgDas SchubladenKonsortium & Electric Eclectic & UT Connewitz laden ein: Am Sonntag, den 11. November um 20 Uhr spielen die LIARS (US/Mute Rec.) und HTRK (UK/Fire Records).

Woher auch immer die Binsenweisheit “hard times = good music” stammt: die Liars sind ihre direkte Entsprechung. Die Band ist live eine Offenbarung. (Continued)

Good Enough for You - Wer hat von meiner Installation gegessen?

goodenoughfor-you.jpgDas haben sich bestimmt schon viele gefragt, wenn der WG-Mitbewohner wieder einmal den Kühlschrank ungefragt leer gefuttert hat. Doch zum Trost darf man sich dann ruhig an dessen Plattensammlung vergreifen. Wenn jene mit dieser Scheibe bestückt sein sollte, dann gilt es sofort zuzugreifen! Bietet sich doch einem damit die einmalige Chance, acht herzerfrischenden durchgeknallten Electropopsongs habhaft zu werden, die herrlich schrullig mit dadaistischen Texteinlagen, quirrligen Beats und Samples in einer Pfanne angerührt wurden, anschließend gnadenlos durch den Indie-Rock-Kakao gezogen und mit jeder Menge schräger Glasur versehen im zweistimmigen Schnellkochtopf zum Mitternachtssnack an der Clubtheke dargereicht werden. (Continued)

Rocken musses! Lieber Hart als Herzlich mit Jensor

iced-earth.jpgJa, die letzten Monate waren wieder mal ordentlich knusprig und dementsprechend groß ist der aufgelaufene Output an passenden Soundtracks, die sich der Kategorie “Lieber hart als herzlich” zuordnen lassen. Denn also nix wie rein in die Fortsetzung des ultimativen “Ass kicking”-Wettbewerbs – bei dem wir uns zunächst mit dem ein oder anderen Irrläufer beschäftigen müssen. So richtig klar ist mir beispielsweise nicht, aus welchem Grunde uns PNG-Pop-Nerds die Veröffentlichung “Framing Armageddon” (Steamhammer/SPV) von ICED EARTH zur Verfügung gestellt wurde. Und als wäre dieser Pompös-Metal mit dem Quietsche-Sänger, bei dem man förmlich hört, wie die engen Lederhosen im Schritt kneifen, nicht allein schon anstrengend genug, musste es ausgerechnet auch eine der neumodischen “Voiceover Promo CDs” sein, bei dem einen alle paar Minuten jemand – in diesem Falle ein Herr Jon Schaffer – erklärt, was ich da gerade höre. Hmmm, mir war gar nicht klar, dass Analphabetismus im metallischen Musikjournalismus schon wieder so ein Problem darstellt. Ich für meinen Teil kann auf dem CD-Cover eigentlich ganz gut lesen, was ich mir da gerade antue. (Continued)

Von bezaubernden Nischen im Bauche eines Wals Das Tokioter Noble Label

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Junji Kubo führt mich durch ein riesiges Büro. Kisten sind die Wände bis zur Decke hinauf gestapelt. Akten. Tonträger. Penibel archiviert. Er führt mich vorbei an Menschen, die sich hinter den Monitoren ihrer Computer verstecken. Eine Frau bringt Tee. Junji Kubo führt mich in ein Konferenzzimmer. Zu viele Stühle um einen zu großen Tisch. Wir sind im Bauch eines Wals. Das alles scheint zu groß, viel zu groß für Kubos Noble Label – ein Label, das sich mit zauberhaften Veröffentlichungen wie GuteVolks „Tiny People Singing over the Rainbow“, Kazumasa Hashimotos „Gllia“ und Pianas „Eternal Castle“ gerade erst behutsam in Nischen des europäischen Marktes vorzutasten begonnen hat, und dessen Status auch in Japan solche Dimensionen unmöglich rechtfertigen kann. (Continued)

Moneybrother – Mount Pleasure

moneybrother.jpgBisher war Moneybrother der Inbegriff des ewig Leidenden und Verlassenen mit einem starken Hang zur theatralischen Inszenierung seines Liebesschmerzes. Mit seiner halb energetischen, halb opulenten Instrumentierung und seiner in höheren Lagen gern versagenden, aber deswegen doch irgendwie glaubwürdigen Stimme verstand er es, mithilfe von Allgemeinschauplätzen und -phrasen den Leuten, die sich dafür öffnen können (vornehmlich Mädchen), in den uns allen innewohnenden selbstmitleidigen Momenten ein akustisches Fundament der Selbstbeweihräucherung zu bauen. So verwundert es dann doch, dass nach jenen Betteleien um einen tränenreichen Abschiedsfick oder Abgesängen auf den x-ten Verzweiflungsabsturz, wie sie auf „Blood Panic“ und „To Die Alone“ zu hören waren, das dritte Album mit dem beängstigend lebensbejahenden Statement „Oh, how I long for life!“ beginnt. (Continued)

Siouxsie - Manta Ray

siouxsie.jpgIch zähle mich definitiv zu den freudigen Hätschlern des Meriten-Kataloges Siouxsie & The Banshees’scher Prägung. Angefangen bei den wilden End-70er-D.I.Y.-Tagen über die intelligente Wave-Werdung der Band bis hin zum Üebergang auf den allgemeingültigen Pop-Steg. Und auf eben diesem Weg erarbeitete man bei weitem mehr als nur die vielleicht geschmackvollste Beatles-Coverversion („Dear Prudence“) aller Zeiten. Nicht zu unterschätzen wäre hierbei auch die einschneidende Role Model-Werdung der tausendsassaigen Siouxsie Sioux zwischen Hexenclub-Vorsteherin, Punk-Reibeisen und lasziver Schmink-Sex-Ikonografie. Und nun feiert man tatsächlich „Mantaray“ als epochales Solo-Debüt, wie sonst nur schmonzige RTL-Eigenproduktionen als Weltpremiere protegiert werden. (Continued)

Figurines - When The Deer Wore Blue

figurine.jpgNachdem die Figurines zwei Alben mit, na ja, sagen wir mal klassischem Indiepop britisch/amerikanischer Provenienz veröffentlicht haben, für die wir sie bereits in unsere Herzen geschlossen haben, überraschen die fünf Dänen diesmal mit einem Gesamtkunstwerk voller Sechzigerverweise, liebevoller Hommagen, verspielter Details und süßem Chorgesang. Da geben sich die Beach Boys und Neil Young die Klinke in die Hand und man quält sich mit Überlegungen, wo denn nun dieses Riff und jener Tempowechsel schon mal auftauchte. Doch bitte nicht falsch verstehen, hier handelt es sich nicht um plumpe Plagiate, sondern um die liebevolle Ehrung, der Vorangegangen. Und letztendlich sind Stücke entstanden, die zwar den Sound zitieren, aber auch aktuelles Lebensgefühl umsetzen. Und was für Songs, vom ersten bis zum letzten Song schmissige Stücke mit Wiedererkennungsgarantie und Ohrwurmqualitäten. (Continued)

Die Simpsons und die Philosophie von William Irwin, Mark T. Conard, und Aeon J. Skoble

simps.jpgDer Untertitel, halten sie sich bitte an ihrem Stuhl fest: Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt. Sind wir tatsächlich schlauer nach der Lektüre? Nein, sind wir (ich) leider nicht. Wir (ich) wurden nur bestätigt in unseren (meinen) Vorurteilen gegenüber den Philosophiespinnköpfen, die die Lehrstühle plattsitzen.
Gut, dass über lustige Sachen zu sprechen eben genau nicht lustig ist, geschenkt. Auch für die heikle Kombination von zwei nicht unbedingt in einer natürlichen Verbindung stehenden Sachen wie Philosophie und Simpsons wollen wir Zugeständnisse machen. (Continued)