Bum Khun Cha Youth - ALARM! Hanns Martin ist verschwunden.
Linus Volkmann verzeiht man ja alles, weil er einem einfach schreibend auf so konsequente Weise beweist, dass er zu den Guten gehört. Zudem stehen wir alle noch tief in seiner Schuld für die Herausgabe des Komm-Küssen-Magazins. Diesem Sympathievorsprung ist es zu verdanken, dass dieses Musikprojekt nicht ganz schlecht gefunden werden kann. Der Blick auf Volkmann ist rosig-verschmiert, gutmütig, und wohlwollend.
Das hier abgelieferte Klangerlebnis bewegt sich zugegeben nah am Höllenschlund und stellt unsere Hingabe auf eine harte Probe. Musikalisch ist nicht viel mehr drin, als das, was noch am selben Abend dabei herauskommt, wenn Burschie zu Weihnachten ein Keyboard geschenkt bekommt. Ist natürlich alles Absicht, Absicht ist aber eben auch leider kein Argument für nichts. Die Texte sind wie erwartet ulkig-kurios, wie die Presseinfos, wie der Kommentar im Booklet. Im Gegensatz zum Ex-Schlagzeuger Jens Friebe wurde der Konservenpop hier nicht mit jenem Knistern versehen, das es zum Tollfinden braucht. Die Texte beziehen ihren Charme, wie gewohnt, aus einer vorgetäuscht naiven und originellen Interpretation unseres Weltalls.
Der Bonus Charme, der an den Machern hängt, hat es aber schwer, über die Dauer des Albums nicht zu bröckeln. Bum Khun Cha Youth ist vermutlich genau das, wonach es aussieht: ein Projekt, das auf Erfolglosigeit angelegt ist, das nicht auf eine Rezeption jenseits der eigenen Peripherie hofft. Da kann man es sich sogar leisten, den Beipackzettel hinten mit einem Aufsatz über die RAF und die entsprechende Medienberichterstattung zu versehen. Wie dieser Querschlag zu bewerten ist, bleibt dunkel. Man spürt, dass das der falsche Ort für so engagierte Mitteilungen ist, traut sich aber nicht so richtig, was zu sagen, weil es bestimmt alles ganz edel und gut gemeint war. (Tumbleweed Records) Susanne
Eine ganz andere, gar nicht rosig-verschmierte Perspektive auf Bum Khun Cha Youth eröffnen Tom Weber mit seinem Text und Tristan Wilder mit seiner Illustration in der Persona Non Grata 74 „Romantik“. Und selbstverständlich sehen sich die beiden Herren ganz und gar nicht in der Schuld von Linus Volkmann und dem Komm-Küssen-Fanzine: „Wir schießen denen das Geld für eine neue Ausgabe vor“, tönt es aus dem inneren Zirkel dieses Magazins, „damit sich die Frage, wer hier in wessen Schuld steht, ganz öffentlich klärt!“
desbam wrote:
schuld war nur der bossa nova!
guten rutsch, ihr ziner!
desbam
Posted on 30-Dez-07 at 7:13 pm | Permalink