Des Ark - Loose Lips Sink Ship
Man nennt sie Klassiker, diese Bücher, diese Filme, diese Songs und Alben, die die Verwertungszyklen der Unterhaltungsindustrie durchbrechen und in der Gegenwart noch genau so gültig scheinen wie ehedem und deren Einfluss man zweifellos in die Zukunft fortschreiben lassen kann. Genötigt durch alberne Punktesysteme, genötigt durch das Marketing, bedingt auch durch die Euphorie und Jugendlichkeit der Rezensenten, welche noch nicht in der Lage sind, längere Zeiträume emotional nachzuvollziehen, werden Klassiker in diversen Publikation, summa summarum, hundertfach im Monat proklamiert. Selbstredend, dass viele dieser Klassiker sogar in eng um diese Werke geschnürten Nerdereien binnen weniger Monate so gut wie vergessen sind. Des Ark – mittlerweile ein Soloprojekt der Sängerin und Songwriterin Aimee Argote – haben mit ihrem Debüt „Loose Lips Sink Ships“ die Probezeit, die Bewährung auf solch einen Status, längst durchlaufen. Bereits im Frühjahr 2005 wurde das Album auf einem obskuren US-Indie, Bakery Outlet Records, veröffentlicht. Vor der Europatour, die Des Ark gerade spielten, hat das kleine deutsche Label The Company With The Golden Arm das Album neu aufgelegt – ein Wahnsinn eigentlich, bei den aktuellen Dollarpreisen und der inzwischen piepeleichten Abwicklung internationaler Mailorders. Natürlich muss man relativieren: wahrscheinlich nur über Lizenzierung und Rerelease hierzulande konnte eine Publizität um die Band erwirkt werden, unter deren Einfluss die Europatour ein kleiner Erfolg wurde. Und viel gewichtiger noch - „Loose Lips Sink Ships“ hat die Jahre seit der originären Veröffentlichung so grandios überdauert, tatsächlich noch mehr Genialität in sich aufgesogen, dass allein Leidenschaft als Motiv hinter dieser Veröffentlichung absolut nachvollziehbar ist, für mich auf jeden Fall, und mir gehen die genderpolitischen Statements und die proklamierte Rejuvenation des sogenannten Queercore für den Augenblick am Arsch vorbei … ihr müsst mir die Ignoranz, die ich hier so unverschämt vorschütze, nicht nachsehen, aber es liegt mir daran, es ganz klipp und klar zu sagen, dass „Loose Lips Sink Ships“ unbedingt und losgelöst von einem augenwässernden und ohrenschmeichelnden Eindruck, dass Aimee Argote mir die eigene Agenda vertont und personifiziert, schlicht und ergreifend und mithin musikalischer Parameter eines dieser großen Werke ist, über die ich in diese Rezension eingeleitet habe. Des Ark verdichten die dunkle Verschrobenheit einer Nina Nastasia, das manische Wechselspiel zwischen Melancholie und ungehemmt garstigem Aufbrausen einer jungen PJ Harvey, verzerrten Blues, die Sensibilitäten von Julie Doiron und Haley Bonar, das rebellische Moment einer Kat Bjelland und einen selbstbewußten DIY-Gestus zu einem schlüssigen Meisterwerk, das in seiner unentrinnbaren Densität vorübergehende Moden und variierende geschmackliche Vorprägungen allesamt auf sich binden kann. (The Company With The Golden Arm/X-Mist)
www.desark.org
Post a Comment