Hubertus - Nie mehr
Wer, wenn nicht wir, weiß mit dieser Platte etwas anzufangen, sie einzuordnen, ihre Bedeutung zu erkennen. Wer wenn nicht wir, denn mit Hilfe der Biografie des Protagonisten dieser Platte, die vielleicht viel zu verdächtig nah der eigenen sein mag, erkennen wir, dass sich - wenn sie sich auch weiterdrehen mag, diese Welt – sie doch weiterhin aus den Fugen zu holen scheint, dann, wenn eine solche Platte den Weg (wie sollte ich´s auch besser ausdrücken meine lieben Freunde) HIERHER FINDET. Denn das, meine lieben Freunde, muss einer gute Platte auch erst einmal gelingen (außer natürlich „gut“ zu sein). Der Weg hierher. Steinig und schwer. Gepflastert mit an den blutigen Wänden aufgehängter Kritiken über vermeintliche und andernorts mit Sicherheit auch gern so bezeichneter Jahrhundertwerke. Nein. Nicht hier. Hierher musst Du es ersteinmal schaffen. So als Platte.
Diese hat es. Diese ist es. Diese kann es sein. Für jeden von uns. Ich habe das so nicht erwartet, von Don Hubertus aus dem schönen Frankenland, wo die Menschen zu einer unerwarteten Melancholie neigen und sich ehrlichem und mitunter auch hartem Tageswerk hingeben. So nicht. Und wer, wenn nicht wir, weiß, über WEN wir hier eigentlich reden, meine lieben Freunde.
Ich glaube, jede Platte, an der Hubi mitwirkte hat mein Leben bestimmt. Oder sagen wir lieber: fast jede. Ob es nun die wegweisenden Monumente der B-Shops waren oder seine songwriterisch-genialen Ausflüge mit Lotus7 – ein jedes Mal veränderte sich meine kleine Welt und all denen, die es nicht hören wollten, erklärte ich immer wieder auf´s Neue, die tongewordene Zukunftsvision vernommen zu haben. Und mit jedem Mal hatte ich Recht. Aus heutiger Sicht betrachtet.
Ich scheiß auf deutsche Texte. Aber was Hubertus auf „Nie Mehr“ sprachlich so treibt, versperrt verdächtigerweise mitnichten den Weg zu seinen immer wieder wohlgeformten Popmelodien. Besser kann es nicht laufen, für einen, dessen Orientierung sich schon immer und schon sehr früh außerhalb einer lokaler Grenzziehung vollzog und deshalb nicht ohne Grund sich seine erste Band The B-Shops als die einzige echte Shoegazing-Band zu seiner Zeit aus deutschen Landen bezeichnen lassen darf. (Wenn alles andere gern nett gemeinte Versuche waren, sie sind die einzige vielleicht, die je hierzulande My Bloody Valentine das Wasser reichen konnten…) Egal. Hubertus Texte in all ihrer Intimität schaffen eines: sie versperren nicht den Blick auf die phantastischen songlichen und soundlich in aller Bescheidenheit genial umgesetzten Ideen auf dieser, seiner - in der Tat - Debütplatte.
Natürlich ist „Nie Mehr“ in konsequenter one-man-show-homerecording Manier aufgenommen (beachtlich), natürlich verleugnet Hubertus keine einzige seiner fest justierten Koordinaten seines Popuniversums (warum auch), natürlich wird es keine dieser Hypeplatten sein, auf die sich alle irgendwie einigen müssen (besser so) – aber es ist eine der wenigen Platten, die uneingeschränkte Aufmerksamkeit erwarten darf.
Auf „Nie Mehr“ erhebt sich der stets erfolglose und von großer Aufmerksamkeit verschonte Ausnahmekünstler zu einer völlig ungeahnten Erscheinung. Das ist die große Geste. Die griffige Textzeile. Der tolle Song. Die famose Melodie. Der kleine Hit. Hubertus ist dort angelangt, wo es ihn immer hingezogen hat. Das was er tut, ist nicht nur künstlerisch von einer übergeordneten Qualität. Es hat einen Wert. Es ist gültig. Es wird bleiben. Für uns.
(Micropal Records/Broken Silence)
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