Freitag, März 28, 2008

Der März ist so gut wie vorbei, und auch wenn es gerade schneit, ändert das nichts an der Tatsache, dass die diesjährige Festivalsaison immer näher rückt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass es Neuigkeiten bezüglich unserer zwei Festival-Babys La Pampa und Mamallapuram gibt. Auch wenn namen- bzw. buchstabentechnisch akute Verwechslungsgefahr besteht, handelt es sich um zwei unabhängige Veranstaltungen, deren Besuch wärmstens ans Herz gelegt ist. (Continued)
Donnerstag, März 27, 2008
„Auffallen durch Umfallen“, der Titel der aktuellen Peters.-Platte, war für mich mal eine Art Leitmotiv, um meinem damals angehimmelten männlichen Objekt der Begierde in irgendeiner Form näherzukommen: Ich wollte in seiner Anwesenheit einen Ohnmachtsanfall simulieren und sehen, wie er reagiert. Glücklicherweise ist diese Idiotie nur hypothetisch geblieben, es musste nie zur Ausführung dieses dämlichen Plans kommen. Der Typ ging also, Peters. aber bleiben. Jene, die gestraft sind durch einen Mangel an Verständnis und Sich-in-die-Materie-Reinhörens werden bei Peters. entgeistert aufseufzen und blöken: „Äh, das hab ich alles schon mal gehört, das ist doof, fällt denen nichts Besseres ein?“ Jene aber, die eine Platte mehr als einmal hören können, werden merken, dass Peters., trotz des nicht von der Hand zu weisenden Vorwurfs, dass es derartige Musik (straighter Deutschpop mit einem vehementen Schlagzeug und zweistimmiger Gesang) vor gefühlten 25 Jahren auch schon gegeben hat, die Fähigkeit haben, den Funken zum Überspringen zu bringen – und das können weiß Gott nicht mehr viele. Peters. leben von ihrer unprätentiösen Energie und Leidenschaft, die sie in jeder Zeile und in jedem Ton zu teilen vermögen. Live eine Bank, das verspreche ich ungesehen. Wir präsentieren, heute ist Release-Party in Hamburg. (Continued)
Mittwoch, März 26, 2008
Am Ende dieser Woche wartet nicht etwa ein großer Weinbrand auf uns sondern gleich zwei Konzertglanzlichter der besonderen Art. Zuerst am Freitag spielen die Charalambides (US) um Christina Carter (Bild) gemeinsam mit A.M.M., Decadescape und Abraxas Apparatus (alle drei D) im Paris Syndrome (früher Weeze) im Neubau der GFZK in der Karl-Tauchnitz-Straße und einen Tag darauf, am 29.03.08, werden A Whisper In The Noise (US) und der Winchester Club (GB) ab 21.00 Uhr das UT-Connewitz erleuchten.
Charalambides
Freitag, 28.03.08, 20.00 Uhr
Paris Syndrome, Leipzig
A Whisper In The Noise & Winchester Club
Samstag, 29.03.08, 21.00 Uhr
UT-Connewitz, Leipzig
(Continued)
Dienstag, März 25, 2008

Ampl:tude haben sich selbst eine Zwangsjacke angelegt. Sie wollen nicht mehr spielen. Zumindest nicht mehr live. Obwohl das allen gut täte, jetzt, da sie endlich Scooter covern und dafür von überall nur Lob ernten. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, das ist die Devise. Ein Gespräch mit 3 von 4. Namentlich Phil, Jo & Conrad.
(Continued)
Montag, März 24, 2008
Das Infoblatt informiert in Sachen der Pariserin Emily aka DJ Missill darüber, dass Selbige neben ihrem 1210er Arbeitsplatz auch noch als Produzentin, Grafikerin, Designerin, Graffiti-Artist und Video-Regisseurin wirkt, wenn sie nicht gerade neue Exponate für ihre eigene Streetwear-Marke konstruiert. Bei so viel Multi-Allrounderism möchte einem ja schon fast Angst und Bange werden. Solche Werdegänge lassen die eigene Person als den faulsten Menschen unter der Erdensonne bruzzeln. Meist geben sich solcherart Lebensläufe dann doch auch von einem gewissen, unangenehmen Hipness-Geruch begleitet, so agierte die werte Missill u.a. auch bei der diesjährigen Coke-DJ-Tour mit. Wen wundert es da, dass auch das erste selbst produzierte Album „Targets“ keinen stilistischen Hotspot diesseitiger Clubnächte auslässt? (Continued)
Samstag, März 22, 2008

Mein Date mit Jason Reitman, Regisseur und Autor des grandios bissigen ‘Thank You For Smoking’ und Regisseur der sympathischen Komödie ‘Juno’ beginnt überraschend untypisch für den Berlinale-Trubel drumherum, wo jeder darauf bedacht ist, möglichst adrett in die Kameras zu lächeln. Ein äußerst sympathischer Typ Mitte Dreißig begrüßt uns. Unrasiert, im abgewetzten Band-T-Shirt sieht er aus wie ein klassischer Nerd, einer der nie wirklich erwachsen geworden ist.
(Continued)
Samstag, März 22, 2008
Eine der größten Enttäuschungen des Jahres 2007 stellte für mich das neue Album der Happy Mondays dar. Einst in den frühen 90ern schienen sie so visionär und ausgebufft und Morrissey fand u.a. gerade wegen ihnen keinen Schlaf mehr. Shaun Ryder war so etwas wie der Fahnenträger der Rave-O-Lution-Abordnung und „Kinky Afro“ und „Step On“ die Hymnen einer armefuchtelnden Ecstasy-Regierung mit weiten, bunten Schlabber-Uniformen. Da durfte man doch das Beste hoffen, gerade nachdem Ryder im besten Gorillaz-Track aller Zeiten endlich wieder das große Maul in Bewegung setzte. Der ist ja immer noch goldrichtig, dachte man. Und nun erscheint ein Album, welches genau bei diesen Umarmungs-süchtigen Zeiten Anfang der 90er stecken geblieben ist. Die Auskopplung „Jellybean“ verursacht Tränen-drückendes Mitleid mit mir und Shaun Ryder. Das hätte wirklich so nicht sein müssen. (Continued)
Freitag, März 21, 2008
Im Rahmen unseres Fat Cat-Labelspecials waren sie schon mal ein Thema, und jetzt sind sie es immer noch bzw. aufgrund des anstehenden nächsten Releases “Solace In Sore Hands” wieder: Amandine, die ihre Biografie als völlig uninteressant abwiegeln, finden auf heimlichen Wegen die Sprache, deren Schmerz berührt. Die Sprache, die an offenen Wunden leckt, und sich gleichsam wie Balsam über dunkel und unheilvoll schwelende Brände legt. Schmerz ist, was diese Worte so wahrhaftig und so verständlich macht. Und selbst wenn die Band nicht so verhalten mit der Musik zu dieser Sprache spielen würde, immer wäre ihr Klang ein Flüstern. Innig, unmittelbar und für jeden ihrer Hörer ganz allein. Wir präsentieren, Ihr geht hin. Ein Abonnent mit Begleitung in Leipzig gar umsonst - eMail an redaktion@png-online.de reicht. (Continued)
Mittwoch, März 19, 2008

„Hello, my name is José Gonzalez, I´m from Sweden.“ Wenn sich der leicht verschlafen aussehende, auch augenscheinlich argentinisch abstammende junge Mann vorstellte, sorgte dies immer für etwas Verwirrung. Seit seiner Coverversion des Knifes Hits „Heartbeats” passiert ihm das viel seltener, häufig muss er sich gar nicht mehr vorstellen. Er fühle sich mehr als Schwede, sagt er. Schweden seien eher introvertiert, was mehr seinem Wesen entspräche. Das glaubt man ihm sofort: Er lächelt nur schüchtern, spricht leise. Immer wieder blickt er still auf seine Finger. Die Fingernägel verraten schon auf den ersten Blick den Gitarristen. Argentinier sind eher ein lauterer Schlag, so pauschal. Aber Klischees wolle er nun eigentlich auch nicht bedienen.
(Continued)
Sonntag, März 16, 2008
„Das ist aber schon ein Film für Mädchen“, meinte kürzlich eine Freundin, als ich die DVD zu „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ in den Händen hielt. Da hat sie sicher Recht. Aber nur zum Teil. Vordergründig geht es hier in der Tat um Mädchenprobleme. Dahinter liegen allerdings viele universelle Wahrheiten und ein visuell berauschender Anime. (Continued)
Mittwoch, März 12, 2008
Frau Roches „unhygienisches“ Buch ist in aller Munde, denn mit ihrer Behauptung, dass Frauen keine Sprache für ihre Sexualität haben, hat sie nun mal recht und voll ins Schwarze getroffen. Wir haben ja nicht einmal akzeptable Namen für unsere primären und sekundären Verkehrsteile. Wegen der fröhlichen Unbeschwertheit bis an ästhetische Schmerzgrenzen wurde dieses Buch, in dem eine Achtzehnjährige während eines Krankenhausaufenthaltes begleitet wird, als Skandalroman mit Tabubruchqualität gehandelt. Gerade die Gleichgültigkeit gegen den guten Geschmack, gepaart mit der schlichten, knappsatzigen Sprache, macht die Lektüre erfrischend und packt einem genüsslich und unverschämt zwischen die Schenkel. Man merkt halt sofort, dass sich da jemand der Wahrheit verpflichtet hat, wie esstischuntauglich sie auch immer sein mag. Das ist und bleibt - was gibt es dazu noch zu sagen - eines der schönsten Anliegen, wo gibt. (Continued)
Dienstag, März 11, 2008

Irgendwann zweite Hälfte Neunziger. Durch die Berufsschule hat es uns nach Finnland verschlagen. Im Walkman dubiosen Black Metal, im Bus durch karge Fichtenwälder. In denen liegen Umrüstanlagen für Eisenbahnwaggons versteckt, da die Spurbreite der finnische Gleise nicht der in Europa gängigen Norm entspricht. Im Rucksack Salmiakki, den legendären finnischen Lakritzschnaps, der noch jeden um den Verstand gebracht hat. Fast alles Geld auf der Fähre beim illegalen Glücksspiel an russische Fernfahrer verloren, ein Umstand, der dazu zwingt, ein Alles oder Nichts gegen niederländische Oberschüler zu versuchen. Frechheit siegt. Durch Salmiakki erhitzte Gemüter, eine filmreife Flucht durch das Hotelzimmerfenster, verloren auf Helsinkis Strassen. Von einem Plakat abgeschriebene, unverständliche Wörter, die hoffentlich eine Location bezeichnen. 22 Pistepirkko sind in der Stadt. Heute nacht. (Continued)
Montag, März 10, 2008
Michael Arias lebt bereits seit 15 Jahren in Japan. Er war dort u.a. dafür verantwortlich, dass alles so schön morphte bei „Prinzessin Mononoke“. Das dämpfte den Kulturschock etwas, als er sich dem japanischen Publikum als erster amerikanischer Regisseur hinter einem teuren Anime-Kinofilm empfahl. Vor allem ist Arias ein Technikfreak. Damit verdiente er schon lange sein Geld. Er hat, zum Beispiel, auch an den Special Effects für James Camerons „The Abyss“ und der Softwareentwicklung für „Der Prinz von Ägypten“ gearbeitet. Diese Faszination für CGI sieht man „Tekkonkinkreet“ an. Dieses lang gehegte und 2006 endlich realisierte Traumprojekt fasziniert nicht zuletzt durch das 3D-Design der gewaltigen futuristische Stadt oder die effektvolle Reise durch den Hades gegen Ende des Films. (Continued)
Samstag, März 8, 2008
So ein paar Vorzüge haben diesen ominösen DIY-Produktionen ja schon. Als Außenstehende und diesbezüglich völlig unbescholtene Person würde ich vermuten, einer davon ist, dass man machen kann, was man will und - innerhalb der selbst auferlegten künstlerischen Grenzen - wie lange man will. Diese Freiheit haben The Poem Is You aus Dresden, Berlin und Brüssel definitiv genutzt, denn jeder Song klingt nach einem tage- und wochenlangen Austüftelprozedere, wie man es gängigerweise wohl nur mit einem überbezahlten Produzenten zustande brächte. Freilich bietet so eine gestreckte Entstehungsphase auch genügend Raum, um sich musikalisch umzuhören, so dass die Referenzen an allen Ecken und Enden alarmgleich aufleuchten. (Continued)
Mittwoch, März 5, 2008

Der 20. März ist ein besonderer Tag: Nicht nur, dass man offiziell den Frühlingsanfang zelebrieren und sich zudem auf das anstehende Osterwochenende freuen sollte, es gibt auch eine Neuauflage des Don’t Believe The Hype-Festivals der umtriebigen Riotvan-Mischpoke in der Distillery. Als Live-Mainact haben sich dafür die Franzosen von The Shoes angekündigt, Peaches wird ein DJ-Set hinrotzen, das sich sicherlich gewaschen hat, und überhaupt sind noch Hafen live und Bonaparte, Tvyks, Coop, Reznik, Lobsang Rampa, Preller, Haircut und Peter Invasion als DJs am Start. Auf dem Klo verspricht es auch wieder heiß herzugehen, und erwartungsgemäß dürfte an diesem Abend alles und jeder vertreten sein, der in der Leipziger Indietronic-Szene Rang und Namen hat. Alte Bekannte und neue Gesichter, man darf gespannt sein.
Wir verlosen 2 mal eine Freikarte für diese Veranstaltung. Um teilzunehmen musst du Abonnent dieses Magazins sein und einfach eine eMail mit dem Betreff BELIEVE the HYPE schicken.
Don’t Believe The Hype II
Do. 20.03. 22 Uhr
Distillery - Kurt-Eisner-Straße - Leipzig
(Continued)
Mittwoch, März 5, 2008
Mit diesem Album erhält der Terminus Virtuosität endlich auch einmal wieder einen guten Namen, gerade auch, wenn man bedenkt, welches Schindluder mit dem Uralt-Planeten Dub über die Jahrzehnte (auch) getrieben wurde. Joe Tomino (dr), Stu Brooks (b) und D.P. Holmes (g) aka Dub Trio aus Brooklyn lassen mit dieser in einer Woche unter der Fuchtel von Joel Hamilton (Honorary Fourth) entstandenen Platte eben jene jamaikanische Ur-Musiksprache zwischen all den ausgeführten Katharsis-Riffing-Attacken beispielhaft atmen. Man fühlt sich geradezu an selige Blind Idiot God-Zeiten rückgekoppelt, obwohl die Parallelität dieser Pole am Ende eben doch nur in der gemeinsamen Dub-Anlehnung zu verifizieren ist. (Continued)
Mittwoch, März 5, 2008
Offen gestanden bin ich wahrscheinlich eine der letzten, die sich bietende Entertainment-Möglichkeiten wie einen alkohollastigen Abend in der Kneipe oder eine verschwitzte Tanznacht ausschlägt, und ich bin beileibe auch kein ausschließlicher Verfechter bierernster Befindlichkeitsmusik, sondern kann durchaus Gefallen an beschwingteren und weniger tiefgründigen oder ausgeklügelten Tönen finden. Wenn sich allerdings wie bei Les Fauves dieses Slackertum im Sinne von “Ich mach mal das Radio an und guck, was mir mein Leben so bringt” durch die komplette Platte wurstelt und das dann auch noch den Anspruch erhebt, im Dunstkreis des Devo-esken Garagenrock ernst genommen zu werden, entzieht sich das sämtlichen Toleranzgrenzen, die ich jemals bezüglich dieser Thematik aufgebaut habe. “N.A.L.T. 1 A Fast Introduction” ist in seiner bemühten Rotzattitüde, den unsagbar einfältigen Texten und der vollkommen erzwungen wirkenden Lofi-Produktion so kleingeistig wie eine Vorstadtkassiererin. (Urtovox/Cargo)
Mittwoch, März 5, 2008
Dies ist kein Aufruf zur Revolte. An den Rändern ist es das nicht. An den Rändern, an die Rezensionen drapiert sind, eigene Rezensionen, immerhin, sehr eigene Rezensionen, mit eigenen Covern. Dies ist eine Blase, wie sie sich hübsch aufwirft, wenn man sich einen Augenblick dem Drang der Masse entgegenstemmt, der amorphen Beliebigkeit. Entschleunigen nennt man das. Zeit machen, wo es keine mehr geben soll. Hat man in letzter Zeit häufiger gelesen und gehört, dieses Wort: Entschleunigung. Das kann nicht bedeutsam sein, wenn das nur einer macht. Oder zwei (wie in diesem Falle). Oder drei. Oder vier. Aber es fängt immer in den kleinen Nummern an, wenn es anfängt, und nicht gleich wieder überrannt wird. In den Dreck getreten. Weggespült, wenn man keine Ausdauer hat, keinen Plan, wie man sich den Kräften entgegenstellt, die unablässig …. beschleunigen. (Continued)
Dienstag, März 4, 2008
Alec Empire ist endgültig wieder zurück in Berlin und – nebenbei – auch weg vom Digi-Slayerism seines 02er Albums „Intelligence & Sacrifice“. Selbigen Fakt könnte man ja einfach schon einmal nur so goutieren. Schlimmer hätte es damals aber auch nicht mehr kommen können. Der Empire 2007 gibt sich aufgeräumter, geordneter, aber auch und nach wie vor eindeutig zuordenbar. Da sind die Gary Numan-Synth-Schübe, hier die Nine Inch Nails-Loopsetzung, dort die ElectroClash-Nachwehen und besonders nachbarschaftlich geben sich in opferbereiter Liebe vollzogene Bezüge auf ein New York, das es heute so nicht mehr gibt. (Continued)
Dienstag, März 4, 2008
Als “größtenteils harmlos” beschreibt Planetenrezensent Ford Prefect die Erde für Douglas Adams’ Reiseführer “Per Anhalter durch die Galaxis”. Diese Charakterisierung trifft präzise auch auf die zweite Platte von The Duke Spirit zu; sie animiert weder zu cholerischen Wutausbrüchen noch zu begeisterten Lobesgesängen. Zwischen Blondie, Cardigans und Queens Of The Stone Age wurstelt sich die Band durch zwölf Lieder und weiß dabei nie so richtig zu berühren. Sehr gewollt klingt das, und Sängerin Liela Moss’ Stimme, als hätte sie diverse Whiskys zuviel gebechert. Frauen, die einen auf Rockröhre machen, konnte ich persönlich ja noch nie was abgewinnen. Und ich wette, die Dame bindet sich bei Auftritten auch einen glitzernden Schal um den Mikrofonständer. (PIAS/Universal)
(Continued)